Rüstungsaufträge EADS kämpft um Auftrag für Tankflugzeuge

EADS und Boeing buhlen um einen milliardenschweren Pentagon-Auftrag für Tankflugzeuge. Für die Europäer wäre ein Zuschlag der Einstieg in den größten Rüstungsmarkt der Welt – und nebenbei eine willkommene Möglichkeit, um Währungsrisiken zu reduzieren.

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Airbus-Tankflugzeug: Begegnung auf Augenhöhe
Airbus

Airbus-Tankflugzeug: Begegnung auf Augenhöhe

Le Bourget/Hamburg - Boeing Chart zeigen ist noch immer für eine Überraschung gut. Das bewies Chairman Lew Platt bei der Luftfahrtschau in Le Bourget. Dort forderte der Top-Manager, dass der wichtigste Wettbewerber EADS Chart zeigen bei der milliardenschweren Ausschreibung von Tankflugzeugen für die amerikanischen Streitkräfte berücksichtigt wird. "Ich habe kein Problem mit EADS, so lange wir uns auf Augenhöhe begegnen", erklärte Platt.

Damit positionierte sich der Boeing-Vertreter gegen seine eigenen politischen Fürsprecher. Mehrere US-Senatoren wollen die Europäer von Pentagon-Aufträgen ausschließen, solange der Konflikt um Flugzeugsubventionen nicht gelöst ist. Die EU und die USA streiten derzeit vor der Welthandelsorganisation WTO über die Rechtmäßigkeit staatlicher Beihilfen für ihre Luftfahrtkonzerne.

Bei EADS freuen sich die Verantwortlichen über die unerwartete Schützenhilfe. "Wenn Boeing das Ende seiner Monopolstellung anerkennt, ist das eine gute Nachricht", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. "Wir haben das bessere Produkt", fügte er hinzu und verwies auf die jüngsten Abschlüsse mit anderen Staaten. So haben etwa die britischen und kanadischen Streitkräfte dem Airbus-Modell A330 MRTT den Vorzug vor der umgebauten Boeing 767 gegeben.

Der größere Auftrag winkt derzeit allerdings in den USA. EADS schätzt, dass die Vereinigten Staaten in den kommenden 20 Jahren 500 neue Tankflugzeuge brauchen. In einer ersten Charge könnte der Auftrag für 100 Maschinen mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar ausgeschrieben werden. Die aktuelle Air-Force-Flotte jedenfalls ist hoffnungslos veraltet. Die 540 Exemplare vom Typ Boeing 707 gehen ins vierzigste Dienstjahr.

"USA muss Airbus ernst nehmen"

Vom aktuellen Handelsstreit abgesehen, stehen die Chancen für die Europäer nicht schlecht, Boeings Macht auf dem Heimatmarkt zu brechen. Nach einem Korruptionsskandal hatte das Pentagon den US-Rivalen kurzzeitig von der Auftragsvergabe ausgeschlossen. Zudem will Airbus die Maschinen gemeinsam mit dem US-Konzern Northrop Grumman bauen, um die Anti-Europäer im Verteidigungsministerium zu besänftigen. "Die Amerikaner müssen den Airbus-Tanker ernst nehmen und es gibt keinen Grund, warum sie die Maschinen nicht bestellen sollten", sagte entsprechend Nick Fothergill, Analyst für die Verteidigungsindustrie bei der Bank of America, gegenüber der "New York Times".

Boeing-Tankflugzeug: Profiteuer beim WTO-Streit
Boeing

Boeing-Tankflugzeug: Profiteuer beim WTO-Streit

Sollte es allerdings zu einem WTO-Verfahren kommen, dürfte EADS leer ausgehen. Zu groß wäre der politische Widerstand gegen die vermeintlichen Subventionssünder. Boeing würde der Auftrag dann automatisch zufallen, weil es keinen weiteren ernstzunehmenden Anbieter gibt.

Für EADS wäre das ein doppeltes Ärgernis. Nicht nur würde der Einstieg in den größten Rüstungsmarkt der Welt verschoben werden. Auch müsste der europäische Marktführer den Aufbau einer großen US-Produktion überdenken. In der nächsten Woche will EADS über den Standort in den USA entscheiden. Dort wird dann so schnell wie möglich eine Dependance mit etwa 150 Beschäftigten eröffnet. Ob der Aufbau einer größeren Produktion folgt, hängt nach Angabe des Unternehmens maßgeblich vom Tankerauftrag ab.

Ein Werk in den USA würde dem Konzern auch mehr Unabhängigkeit von Währungsturbulenzen sichern. EADS steht derzeit vor einem Dilemma bei seiner Flugzeugtochter Airbus. International wird im Luftfahrtgeschäft in Dollar abgerechnet. Da das EADS-Unternehmen aber vorwiegend im Euroraum produziert, muss es beim Verkauf währungsbedingt Abschläge hinnehmen.

Zwar erholt sich der Dollar derzeit. Angesichts der Schwäche der US-Währung in den vergangenen Monaten sucht das Management dennoch nach Auswegen. Eine Möglichkeit: Teile im Dollar-Raum - sprich USA - produzieren und nach Europa importieren. "Das wäre zwar ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht das Ziel unserer Investition", sagte dazu der Sprecher. Die Attraktivität des Tankerauftrags steigert dieser Nebeneffekt aber auf jeden Fall.



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