Geldwäsche-Vorwurf Russland klagt Milliardär Jewtuschenkow an

Ein Skandal erschüttert die russische Wirtschaftselite: Einer der reichsten Männer des Landes wurde angeklagt und unter Hausarrest gestellt. Die Behörden werfen ihm Geldwäsche vor. Doch Unternehmer vermuten politische Motive.

Manager Jewtuschenkow: Parallelen zum Fall Chodorkowski
REUTERS

Manager Jewtuschenkow: Parallelen zum Fall Chodorkowski


Moskau - Der russische Milliardär Wladimir Jewtuschenkow ist wegen Geldwäsche angeklagt und unter Hausarrest gestellt worden. Es gebe Hinweise, dass der Chef des Mischkonzerns AFK Sistema an der nachträglichen Legalisierung von widerrechtlich angeeignetem Besitz beteiligt gewesen sei, teilten die Ermittler mit. Was genau damit gemeint ist, blieb unklar. Laut einem von der staatlichen Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierten Gerichtssprecher drohen Jewtuschenkow bis zu sieben Jahre Haft.

Offenbar geht es in dem Fall um den Kauf von Anteilen an dem Ölkonzern Bashneft. Sistema hatte Bashneft 2009 übernommen. Seitdem gehört das Unternehmen dank moderner Technologie zu den russischen Ölfirmen mit dem größten Produktionswachstum.

Im Juni hatte die Zeitung "Vedomosti" von einem Interesse des russischen Marktführers Rosneft Chart zeigen an Bashneft berichtet. Rosneft wird vom Putin-Vertrauten Igor Setschin geleitet. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Übernahme Bashnefts durch AFK Sistema und dem Interesse von Rosneft an Bashneft ließ der Gerichtssprecher offen.

Jewtuschenkow gehört zu den reichsten Menschen Russlands. Sein Vermögen wird vom US-Magazin "Forbes" auf rund neun Milliarden Dollar geschätzt. An der Moskauer Börse wurde die Anklage gegen Jewtuschenkow am Mittwoch mit Schrecken aufgenommen: Der Kurs der Sistema-Aktien brach zum Handelsbeginn um 28 Prozent ein.

AFK Sistema bezeichnete die Vorwürfe als "vollkommen unbegründet" und kündigte an, "alle rechtmäßigen Mittel" gegen eine Verurteilung auszuschöpfen.

Der einflussreiche Unternehmerverband RSPP kritisierte die Aktion als politisch motiviert und verglich den Fall mit dem Schicksal des Regierungskritikers und früheren Öl-Oligarchen Michail Chodorkowski, der zehn Jahre im Straflager und Gefängnis verbracht hatte und erst im vergangenen Dezember überraschend von Präsident Putin begnadigt wurde.

Ein Sprecher des Präsidialamts wies den Vorwurf umgehend zurück. Der Versuch, dem Fall einen politischen Anstrich zu geben, sei absurd.

stk/AFP/Reuters



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insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
hobbyleser 17.09.2014
1. Natürlich!
Ein Oligarch soll Geldwäsche betrieben haben? Das ist doch absurd! Das ist alles politisch! Jetzt soll nur noch einer behaupten, dass man auf legalem Wege nicht hätte Oligarch werden können. Das schlüge dem Fass wirklich den Boden aus.
Henk-van-Dijk 17.09.2014
2. Deshalb wird Russland nie zur Wirtschaftsmacht werden...
..., weil eines der elementarsten Güter fehlt: Rechtssicherheit! Mag sein, dass unser Milliardär hier was auf dem Kerbholz hat. Andererseits zeigt sich, erfolgreiches Wirtshaften ist in Russland nur so lang geduldet, wie es den mächtigen Netzwerken um Putin in die Hände spielt.
UnitedEurope 17.09.2014
3. Titellos
Natürlich ist das politisch motiviert! Die ganze russische Oligarchen Kaste gehört ins Gefängnis, merkwürdigerweise werden aber immer nur die verfolgt, die entweder gegen Putin sind oder nicht so mitspielen wie er sich das wünscht. Rosneft will sich wohl gegen weitere Sanktionen wappnen und mehr Kontrolle über das russische Gas erhalten. Das Schema ist bekannt: Die Aktien sinken, der Mann wird verhaftet, ein Strohmann übernimmt Bashneft billig und auf einmal taucht es im Portfolie von Rosneft wieder auf. Und Putin, der ja an allen relevanten Staatsunternehmen Aktien hält ist ganz nebenbei wieder ein Stückchen reicher.
Immanuel_Goldstein 17.09.2014
4.
Er will in Russland alle rechtlichen Mittel ausschöpfen? Ja, hat ihm denn niemand gesagt, dass es in Putinistan keine rechtlichen Mittel gegen den Regierungswillen gibt? Bekanntlich handelt es sich in Russland nicht um einen Rechtsstaat mit unabhängiger Justiz.
Kosmopolit08 17.09.2014
5.
Zitat von hobbyleserEin Oligarch soll Geldwäsche betrieben haben? Das ist doch absurd! Das ist alles politisch! Jetzt soll nur noch einer behaupten, dass man auf legalem Wege nicht hätte Oligarch werden können. Das schlüge dem Fass wirklich den Boden aus.
Sie haben den kern des Artikels nicht verstanden. Ein Oligarch hat einem Putinvertautem Oligarchen das Filet vor der Nase weggeschnappt. Darum gehts. Oder meinen Sie das die Putinfreunde unter den Oligarchen sauber an ihr Geld gekommen sind? Wie naiv seid ihr Putinversteher eigentlich?
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