Folgen des Ukraine-Konflikts Russische Zentralbank bereitet Notmaßnahmen vor

Im Zuge der Krim-Krise geraten Russlands Banken offenbar immer stärker unter Druck. Investoren ziehen massenhaft Anlagen aus dem einstigen Boom-Land ab. Die staatliche Notenbank will den Finanzinstituten des Landes notfalls mit Geldspritzen helfen.

Russische Zentralbank in Moskau: Bereit, um zu helfen
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Russische Zentralbank in Moskau: Bereit, um zu helfen


Moskau - Der rasche Kapitalabzug aus Russland bereitet der Notenbank des Landes offenbar zunehmend Sorgen. Angesichts der heiklen Lage hat sie den russischen Banken Hilfsmaßnahmen in Aussicht gestellt.

Man werde die Institute falls nötig mit Geld versorgen, teilte Zentralbank-Chefin Elwira Nabiullina am Donnerstag mit. "Wir sind dazu bereit, alle Standardwerkzeuge zu nutzen, um unsere Banken mit Liquidität zu versorgen."

Finanzminister Anton Siluanow sagte, die Regierung sei bereit, den Banken mit allen Nothilfen unter die Arme zu greifen, die auch in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 eingesetzt worden seien. Derzeit sei das aber noch nicht erforderlich.

Viele Investoren ziehen sich derzeit aus dem einst boomenden Russland zurück, weil sie die zunehmende Isolation des Landes verunsichert. Die EU und die USA haben Sanktionen verhängt, nachdem die zuvor zur Ukraine gehörende Krim im Eilverfahren in die russische Föderation eingegliedert worden war.

Die westlichen Sanktionen zielen zwar hauptsächlich auf Einzelpersonen und nicht auf Unternehmen - lediglich die kleinere Bank Rossija ist direkt betroffen. Dennoch leidet die gesamte russische Wirtschaft unter den Kapitalabflüssen. Allein im ersten Quartal 2014 sollen die Investoren rund 70 Milliarden Dollar abgezogen haben. Laut einer Prognose der Weltbank könnten es im Gesamtjahr bis zu 150 Milliarden Dollar werden. Der Rubel-Kurs war schon Mitte März auf ein historisches Tief gefallen.

Die Krim-Krise ist jedoch nicht der einzige Grund für die Flucht der Anleger aus Russland. Bereits 2013 hatten sie rund 63 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen. Auch andere Schwellenländer wie Brasilien oder die Türkei haben Probleme, Investorengelder im Land zu halten.

Die russische Wirtschaft war im vergangenen Jahr nur um 1,3 Prozent gewachsen. Das war der niedrigste Wert seit 13 Jahren. Dieses Jahr dürfte es noch schlimmer kommen: Die Weltbank erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,8 Prozent sinken wird. Wegen des Rubel-Verfalls müssten sich die Verbraucher zudem auf eine höhere Inflation einstellen.

Während Russland sich bei all diesen Problem wohl selbst helfen muss, kann die wirtschaftlich noch viel schwächere Ukraine auf Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) hoffen. Der von den USA dominierte Fonds will dem pleitebedrohten Land Hilfen in Höhe 14 bis 18 Milliarden Dollar bereitstellen. An diese Finanzhilfen seien Bedingungen zur Reform der Wirtschaft des Landes geknüpft, teilte der IWF am Donnerstag mit. Insgesamt könnten sich die internationalen Hilfszahlungen an die Ukraine damit auf 27 Milliarden Dollar in zwei Jahren summieren.

stk/Reuters

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abc-xyz 27.03.2014
1. Es sind sogar 150MRD
Zitat von sysopDPAIm Zuge der Krim-Krise geraten Russlands Banken offenbar immer stärker unter Druck. Investoren ziehen massenhaft Anlagen aus dem einstigen Boom-Land ab. Die staatliche Notenbank will den Finanzinstituten des Landes notfalls mit Geldspritzen helfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/russland-notenbank-will-russische-banken-stuetzen-a-961032.html
Die bisherigen Zahlen sind bisher nur konservative Annahme. Der Kapitalabluss dürfte noch weit höher und damit verherrender liegen. Manche gehen schon von bis zu 150 MRD aus, was auch Rezession von 1,8% Wirtschaftsabnahme noch optimistisch erscheinen lässt. Sollte der Überfall auf die Rest-Ukraine starten, wird es kein Halten mehr geben. Dann bricht der Laden in Moskau völlig zusammen. Wer in Russland zur Zeit investiert ist nur ein Hasardeur.
DasBrot 27.03.2014
2. "Boom-Land" reicht um nicht....
Zitat von sysopDPAIm Zuge der Krim-Krise geraten Russlands Banken offenbar immer stärker unter Druck. Investoren ziehen massenhaft Anlagen aus dem einstigen Boom-Land ab. Die staatliche Notenbank will den Finanzinstituten des Landes notfalls mit Geldspritzen helfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/russland-notenbank-will-russische-banken-stuetzen-a-961032.html
....weiterzulesen. Ich hoffe nicht das Deutschland mal so boomt.
durchblick2004 27.03.2014
3. Russland hat fertig!
Russland ist höchstens eine Regionalmacht, wie Obama ganz richtig festgestellt hat. Russland ist wirtschaftlich am Boden. Das Land gehört faktisch einigen Oligarchen, die die Rohstoffe eines der innovativlosesten Länder der Erde ausbeuten. Putin ist ein armer kleiner Mann.
RenegadeOtis 27.03.2014
4.
Zitat von sysopDPAIm Zuge der Krim-Krise geraten Russlands Banken offenbar immer stärker unter Druck. Investoren ziehen massenhaft Anlagen aus dem einstigen Boom-Land ab. Die staatliche Notenbank will den Finanzinstituten des Landes notfalls mit Geldspritzen helfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/russland-notenbank-will-russische-banken-stuetzen-a-961032.html
Ich bin gespannt, wie das hier verargumentiert wird. Schließlich ist Rußland ein schuldenfreies, unabhängiges Land voller Glück und Rohstoffe - laut Forum.
huberwin 27.03.2014
5. Wenn sogenannte Investoren Geld abziehen
scheint der Begriff Investor falsch zu sein. Ein Investor legt Geld an. Das kann man dann nicht einfach abziehen, außer er macht die Investition nicht. Also, wer zieht hier Geld ab?
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