S.P.O.N. - Die Spur des Geldes: Jetzt hilft nur der Staatsbankrott

Ein Kommentar von Wolfgang Münchau

Proteste vor dem zyprischen Parlament: Eine Insel vor der Pleite Zur Großansicht
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Proteste vor dem zyprischen Parlament: Eine Insel vor der Pleite

Das Parlament in Nikosia hat mit seinem Nein zur Enteignung von Bankkunden das Schlimmste verhindert. Der miese Trick der EU-Partner ist zunächst gescheitert. Warum die Staatspleite jetzt nicht das Schlimmste wäre.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble waren die Drahtzieher eines finanzpolitischen Attentats auf die zyprischen Sparkonten. Ich finde es erstaunlich, wie brav die deutschen Oppositionsparteien diesen von der Bundesregierung initiierten Beinahe-Super-GAU kommentieren. Erst als das Haus brannte, meldeten sie sich höflichst zu Wort. So konnte Wolfgang Schäuble völlig ungestört in den deutschen Medien die Ausrede wiederholen, das sei alles die Schuld des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Die Zyprer hätten schließlich die Heranziehung der Vermögen der Kleinsparer befürwortet. Doch es war Schäubles Ministerium, das die Vermögensabgabe überhaupt ins Spiel brachte.

Die Beteiligung der Kleinsparer ergab sich dann als Konsequenz des deutschen Vorschlags gepaart mit den Zwängen zyprischer Innenpolitik. Der spanische Ökonom José Carlos Diaz kommentierte das mit dem Satz, in Europa gebe es kein Zeichen intelligenten Lebens.

Zypern steuert jetzt auf einen Staatsbankrott zu - es sei denn, irgendeiner der Beteiligten gibt nach. Ein Bankrott mit Euro-Austritt ist keineswegs das schlimmste Szenario. Das schlimmste ist, wenn man Deutschland und Zypern in einer Währungsunion zusammenleben lässt, die beide Länder nicht wirklich mittragen.

Zypern verbittet sich eine Einmischung in interne Angelegenheiten

Die Zypern-Krise ist das klassische Beispiel, warum eine Währungsunion eine zentrale Bankenunion zwingend erfordert. Damit meine ich nicht die Bankenaufsicht, die man jetzt in Frankfurt zentralisiert, sondern eine zentrale Bankenabwicklung und Einlagensicherung. In einer echten Währungsunion käme nicht Wladimir Putin zu Hilfe, wenn er denn überhaupt kommt, sondern die Damen und Herren von der Bankenaufsicht.

Sie würden bei Nacht und Nebel einmarschieren, ausgestattet mit voller exekutiver Gewalt. Sie würden die Banken übernehmen, den Kuckuck auf die Tür kleben und die Kleinsparer bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungsobergrenze auszahlen. Alles andere, was an Vermögen noch da ist, würden sie kassieren - erst die Aktien, dann die nachrangigen festverzinslichten Wertpapiere, dann die vorrangigen und schließlich die Sparkonten oberhalb der Einlagensicherungsgrenze.

Die beträgt in Zypern 100.000 Euro. Ich finde, man sollte diese Grenze auf 50.000 Euro reduzieren, aber das geht natürlich nicht nachträglich. Damit wären die meisten Probleme gelöst.

Das Problem in Europa ist, dass Deutschland nicht hinter der Bankenunion steht und Zypern sich eine Einmischung in interne Angelegenheiten verbittet. Damit ist für mich das Problem jetzt nicht mehr lösbar, zumindest nicht innerhalb einer Währungsunion.

Die zyprischen Banken brauchen Kapital, keinen Kredit

Selbst ein weiterer Kredit von Russland würde nicht helfen, da Zypern unter der Gesamtschuldenlast erdrückt würde. Die zyprischen Banken brauchen Kapital, keinen Kredit. Wenn man die Abgabe für höhere Sparguthaben ablehnt, dann sehe ich nicht, wo das Geld herkommen sollte. Es sei denn, die Russen betrachten einen Zypern-Zuschuss als eine strategisch-militärische Investition, die ihr erlaubt, mitten im Euro-Raum eine Militärbasis zu unterhalten. Denjenigen, die das als Lösung ins Auge fassen, wünsche ich viel Spaß.

Realistischer wäre es dann doch, sich langsam mit der Idee eines Staatsbankrotts anzufreunden. Ohne eine gemeinsame Einlagensicherung und eine gemeinsame Bankenabwicklung kann der Euro langfristig nicht zusammengehalten werden. Aus der desolaten Lage in Zypern, Griechenland, Spanien und Portugal gibt es kein Entrinnen. Diese Länder sind alle zu schwach, um ihren Bankensektor zu sanieren. Die europäischen Rettungsschirme helfen ihnen nicht. Die dafür vorgesehenen Budgets sind zu klein.

In Deutschland ist die Zypern-Krise der ideale Nährboden für die neue Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland". Ich teile deren Positionen nicht - im Gegenteil. Aber die Positionen sind zumindest in sich konsistent. Der von der Partei anvisierte Austritt ist eine konsequente Folge der von Angela Merkel aufgezeichneten Grenzen der Solidarität. Was nicht in sich konsistent ist, ist die Kombination von Merkels Euro-Politik und dem Versprechen, den Euro um jeden Preis zu erhalten.

An Zypern wird der Euro-Raum nicht zerbrechen. Dazu ist Zypern zu klein. Aber Zypern zeigt uns, wie er zerbrechen wird.

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insgesamt 424 Beiträge
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1. Ein krankes System ...
mexi42 20.03.2013
vor dem Kollaps. Danke, Herr Kohl, danke Frau Merkel.
2. Kanzler Merkel
pacificwanderer 20.03.2013
spuert den Widerstand der deutschen Steuerzahler gegen ihren Euro-Rettungskurs. Deshalb hat sie, richitger Weise, den Versuch gestartet auch die Verursacher zahlen zu lassen. Wenn dies nicht moeglich sein wird, wird der Euro am deutschen Austritt aus dem Euro zerbrechen. DL war bereits vor dem Euro ein Hochleistungs-Unternehmen. Die deutsche Wirtschaft und der deutsche Verbraucher kommt auch ohne die gemeinsame Waehrung gut klar. Sollen sich die Suedstaaten erst mal an diue 'Nordstaaten' angleichen, dann kann DL evtl wieder dem Euro beitreten. - mein Vorschlag.
3. Na und?
karlsiegfried 20.03.2013
Ist doch schon längst zerbrochen. Das Konstrukt war von Beginn an Müll. Zypern, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Irland und so weiter in der EU, sowie die masslosen Kreditaufnahmen ohne Deckung waren der programmierte Exitus der EU. Hoffentlich haben wir bald die DM wieder.
4. Die Börsen sind Ruhig SPON dreht durch....
andreasoberholz 20.03.2013
Zitat von sysopDas Parlament in Nikosia hat mit seinem Nein zur Enteignung von Bankkunden das Schlimmste verhindert. Der miese Trick der EU-Partner ist zunächst gescheitert. Doch der Fall zeigt, wo es langfristig mit der Euro-Zone hingeht. S.P.O.N. - Die Spur des Geldes: Hilfe durch Staatsbankrott - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/s-p-o-n-die-spur-des-geldes-hilfe-durch-staatsbankrott-a-889990.html)
Ein Artikel mit einer Überschrift alla Bildzeitung ....wir können in die Zukunft schauen. Na ja? SPON scheint nix mehr peinlich zu sein! Logik steckt da auch keine drinnen. Der Euroraum brach auch nicht wegen vieler anderer Krisenländer auseinander. Nun soll das kleine Zypern das große Europa zu Kippen bekommen.... ? Die Börsen sind Ruhig SPON dreht durch....
5.
muellerthomas 20.03.2013
Zitat von sysoperst die Aktien, dann die vorrangigen festverzinslichten Wertpapiere, dann die nachrangigen und schließlich die Sparkonten oberhalb der Einlagensicherungsgrenze.
Nein, erst natürlich nach den Aktien die nachrangigen Papiere, dann die vorrangingen. Und festverzinslichen, nicht festverzinslichten.
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Wolfgang Münchau

Wolfgang Münchau ist Associate Editor und Kolumnist der "Financial Times" und Mitbegründer von www.eurointelligence.com, einem Informationsdienst über den Euro-Raum. Er gründete die "Financial Times Deutschland" mit und war deren Co-Chefredakteur. Zuvor arbeitete Münchau als Korrespondent englischer Zeitungen in Washington, Brüssel und Frankfurt am Main. Er lebt und wohnt in Großbritannien und hat mehrere Bücher zur internationalen Finanzkrise veröffentlicht.


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