Werbechancen für Tennisstar Lisicki: Lächeln für Millionen
Authentisch, glaubwürdig, attraktiv: Tennisstar Sabine Lisicki taugt nach Einschätzung von Marketingprofis gut zum Werbeträger. Experten empfehlen ihr Verträge für Shampoos, Deos oder Sportgetränke. Für die ganz großen Deals reiche es aber noch nicht.
Hamburg - Jetzt strahlt sie wieder, die "Bum Bum Bine". Die Tränen des verkorksten Wimbledon-Endspiels sind getrocknet, Sabine Lisicki lächelt so breit in die Kameras, als hätte sie das Turnier der Turniere gewonnen. Ein schickes Kostüm hat sie sich für den Interview-Marathon angezogen, kein einziges Sponsorenlogo verunstaltet ihren Kragen. Denn bislang wollte kein großes Unternehmen so offensiv mit ihr werben. Aber das könnte sich bald ändern, nun, da sie das neue Fräuleinwunder ist.
Seit Jahrzehnten hat Deutschland nicht mehr so mit einer Sportlerin gefiebert wie mit Sabine Lisicki. Als die junge Berlinerin in Wimbledon zuerst die Weltranglistenerste Serena Williams und dann die Polin Agnieszka Radwanska niederkämpfte, da war Tennis urplötzlich wieder Gesprächsthema im ganzen Land, wie vor 20, 25 Jahren bei Boris Becker und Steffi Graf. Und Sabine Lisicki war die Heldin der Nation - zumindest für sechs Tage. Aber reicht der Hype, um Kapital daraus zu schlagen, den Ruhm in hochdotierte Sponsorenverträge umzusetzen?
Das Zeug zur Werbefigur hätte sie. Im Sympathie-Ranking des Kölner Markforschungsinstituts Repucom rangierte die 23-Jährige schon Ende Juni auf Platz 27 unter 299 Top-Promis - und dann startete sie in der zweiten Wimbledon-Woche richtig durch. Authentisch und glaubwürdig kommt sie bei den Deutschen rüber, wie ein Held der guten alten Zeit. "Mich erinnert das an Boris Becker", sagt Dirk Schimmel, Chef der Agentur Ethos, die Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und der Unterhaltungsbranche vermarktet. "Lisicki kämpft, sie zeigt ihre Gefühle auf dem Tennisplatz, und die Zuschauer leiden und jubeln mit ihr mit. Diese Emotionen kann man leicht in Werbung transportieren."
"Lisicki kann Deutschland erwecken"
Im Tennis wurden solche Persönlichkeiten lange vermisst. "Lisicki kann Deutschland erwecken", sagt Ion Tiriac, der langjährige Becker-Manager. Als Boris und Steffi zurücktraten, verschwand Tennis von den Titelseiten und aus den Hauptabendnachrichten. Heute fristet es ein Dasein in Spartenkanälen und im Pay-TV, die Öffentlich-Rechtlichen und die großen Privatsender zeigen nicht mal mehr Wimbledon.
Das könnte sich bald ändern. "Tennis ist ein schlafender Riese", sagt der frühere Daviscup-Spieler Carl-Uwe Steeb, der heute selbst Events und Sportler vermarktet. Zuletzt fehlten nur die Helden. "Viele Menschen, die in ihrer Jugend Tennis intensiv erlebt haben, sind heute in Entscheider-Positionen", sagt Schimmel. "Sie wissen genau, wie dieser Sport die Menschen bewegen kann, welches Werbepotential er hat."
Wie man Tennis zu Geld macht, demonstriert Marija Scharapowa. Auf dem Platz hat die ehemalige Weltranglistenerste schon einmal gegen Lisicki verloren, in Sachen Vermarktung spielt die blonde Russin in einer anderen Liga. Scharapowa wirbt für Weltmarken wie Porsche, Nike und Samsung, sie ist Covermodel. Nun hat sie sogar ihr eigenes Fruchtgummi auf den Markt gebracht: "Sugarpova", kleine bunte Candies in Tennisballform, die sie in einer Boutique auf der New Yorker Fifth Avenue verkauft.
Jedes Jahr 20 Millionen Euro durch Sponsoring
Die rund 20 Millionen Euro, die Scharapowa an Preisgeld im Laufe ihrer gesamten Karriere zusammengespielt hat, holt sie als Werbeikone durch Sponsoring Jahr für Jahr rein. Ihr Manager Max Eisenbud, der sie seit ihrem Teenageralter betreut, hat die 26-Jährige systematisch zum globalen Promi aufgebaut. Dass Scharapowa auf dem Platz schon mal mit 110 Dezibel stöhnt, macht sie offenbar nur noch beliebter: auf Facebook hat Scharapowa 10,3 Millionen Freunde. 30-mal so viele wie Lisicki.
Auch die Deutsche ist in professionellen Händen. Ihre Agentur IMG ist der weltgrößte Sportvermarkter. 3000 Mitarbeiter haben die Amerikaner, und gerade im Tennis sind sie stark. Sie vermarkten die Fernsehrechte für Wimbledon ebenso wie die Australian Open, betreuen Asse wie Roger Federer und Chinas Spitzenspielerin Li Na. Beide kassieren von ihren Sponsoren laut Schätzungen mindestens 15 Millionen Euro pro Jahr.
Von solchen Dimensionen ist Lisicki noch weit entfernt. Nach Einschätzung von Marketingexperten eignet sie sich momentan am ehesten als Werbeträgerin für Sportgetränke, Shampoos oder Deos: kurzlebige, preiswerte Konsumgüter, passend zu ihrem schnellen Aufstieg. "Um an die großen Verträge, die richtig spannenden Marken zu kommen, muss sie jetzt erst mal ihre Erfolge bestätigen", sagt Oliver Drost, Kreativchef der Hamburger Kommunikationsagentur deepblue, die unter anderem Schalke 04 und den FC St. Pauli vermarktet hat. "Sonst sinkt die Wiedererkennung, dann muss man in der Werbung unter ihr Bild schreiben: 'Sabine Lisicki, Tennisspielerin'. Und in einem Jahr interessiert sich kein Mensch mehr für sie."
Am kommenden Montag kehrt Lisicki in den Alltag zurück. Dann startet sie das Training für die US-Open, das nächste Grand-Slam-Turnier in New York. Ende August will sie es allen beweisen - ihren neuen Fans und den Sponsoren von morgen.
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