Sarkozys Wirtschaftspolitik Frankreich bremst Europas Wachstum

Frankreich verpasst Europa einen negativen Schock: Die lahme Wirtschaft des Landes zieht das Wachstum in ganz Europa nach unten. Präsident Sarkozy ist unter Druck - wegen seiner Wirtschaftspolitik gab es schon einen Eklat mit dem deutschen Finanzminister Steinbrück.


Brüssel/Berlin - Für Bundesfinanzminister Peer Steinbrück müssen die Zahlen eine Genugtuung sein. Gerade erst ist bekannt geworden, wie ihn der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Streit um die Haushaltspolitik rüde angegangen war. Da springt dem Deutschen die EU-Kommission zu Hilfe: In keinem Land der Europäischen Union werde sich das Wirtschaftswachstum so stark abschwächen wie in Frankreich, teilte Brüssel heute mit.

Frankreichs Präsident Sarkozy: Negativer Schock statt Wachstumsschock
AFP

Frankreichs Präsident Sarkozy: Negativer Schock statt Wachstumsschock

Im Mai hatte die EU-Kommission für Frankreich noch ein Wachstum von 2,4 Prozent vorausgesagt. Nun geht sie für dieses Jahr nur noch von 1,9 Prozent aus. Zum Vergleich: Die Prognose für Deutschland wurde lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent gesenkt. Im europäischen Durchschnitt zieht Frankreich damit das Wachstum deutlich nach unten.

Ein Grund für die negative Entwicklung seien die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten, sagte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia. Daneben gebe es aber auch "negative Überraschungen" aus Italien, den Niederlanden und namentlich Frankreich.

Almunia sprach von einem regelrechten "negativen Schock". Damit spielte er in ironischer Weise auf den "Wachstumsschock" an, den Sarkozy eigentlich angestrebt hatte.

Nach Darstellung des EU-Kommissars ist die Verbrauchernachfrage zwar gestiegen. Davon habe die französische Wirtschaft aber kaum profitiert. Denn statt heimische Produkte zu kaufen, hätten die Franzosen vor allem Waren aus dem Ausland importiert. Zugleich exportierten französische Unternehmen vergleichsweise wenig.

Auch im Verhältnis zu Deutschland sorgt die französische Wirtschaftspolitik für Verstimmung. Laut "Rheinischer Post" ist Sarkozy bei einem Treffen mit den EU-Finanzministern mit dem deutschen Ressortchef Steinbrück aneinandergeraten.

Der Bundesfinanzminister habe Sarkozy vorgeworfen, lieber milliardenschwere Steuergeschenke an die Wähler zu verteilen, als sich an den auf Europa-Ebene vereinbarten Sparplan zu halten. Daraufhin habe der Präsident den Finanzminister angefahren: "Was fällt Ihnen ein, in diesem Ton mit mir zu reden!"

wal/AP



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Seite 1
klaus1201, 11.09.2007
1. Was soll das Geschrei...
Zitat von sysopFrankreich verpasst Europa einen negativen Schock: Die lahme Wirtschaft des Landes zieht das Wachstum in ganz Europa nach unten. Präsident Sarkozy ist unter Druck - wegen seiner Wirtschaftspolitik gab es schon einen Eklat mit dem deutschen Finanzminister Steinbrück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,505112,00.html
...wenn die Prognosen von 2,4 auf 1,9 fallen. Vor allem das Großmaul Steinbrück sollte sich mit Kritik zurückhalten, er wird zum Jahresende seine Negativzahlen vor allem im Binnenmarkt auch präsentiert bekommen.
tzscheche, 11.09.2007
2. zeitverschiebung
Zitat von sysopFrankreich verpasst Europa einen negativen Schock: Die lahme Wirtschaft des Landes zieht das Wachstum in ganz Europa nach unten. Präsident Sarkozy ist unter Druck - wegen seiner Wirtschaftspolitik gab es schon einen Eklat mit dem deutschen Finanzminister Steinbrück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,505112,00.html
frankreich steht wirtschafts- und finanzpolitisch genau da, wo deutschland vor rund 5 jahren stand. damals haben sie die gleiche schlagzeile mit "D" statt "F" im titel gebracht...schon vergessen? also nicht immer gleich mit dem nackten finger auf angezogene leute zeigen !
marrrrtin 11.09.2007
3. Frankreich...
Ich finde die Position von Sarkozy gar nicht so verkehrt. Er will ja durch Investitionen der Wirtschaft positive Impulse geben. Wenn die Wirtschaft jetzt einbricht, heißt das doch, dass das Land jeden positiven Impuls brauchen kann. Gibt es kein angemessenes Wirtschaftswachstum, kann man Sparziele sowieso vergessen. Man muss kein Freund Sarkozys sein, um in diesem Sachverhalt den Franzosen zu stützen und Steinbrück zu rügen. Vorausgesetzt natürlich, die französischen Ausgaben gehen wie versprochen allein in Investitionen und nicht in den Konsum (was beispielsweise höhere Renten tun würden), um sich den Rückhalt beim Wahlvolk zu sichern. Sarkozy beweist anscheinend Wirtschaftskompetenz, Steinbrück ist zu sehr im Sparwahn gefangen (den Deutschland zwar braucht, aber nicht ohne Verstand), um wirtschaftspolitisch Vor- und Nachteiliges zu verstehen. Positiv sind in der aktuellen Anfangsphase des Aufschwunges i.d.R. alle sog. Investitionen, die künftiges Wachstum begünstigen, also etwa Verbesserung der Bildung, bessere Forschung, bessere Verkehrsinfrastruktur. Negativ sind hingegen Zusatzausgaben, die vorwiegend konsumptiver Natur sind, also höhere Zahlungen an Arbeitslose, Rentner, mehr Geld für Politiker, Steuersenkungen etc. Die Zusatzausgaben konsumptiver Natur sind dann gerechtfertigt, wenn es die Finanzen zulassen (also Überschüsse gefahren werden) und die Investitionen ein wünschenswertes Niveau erreicht haben. Wieder einmal sieht man bewiesen, warum *Frankreich langfristig stärker wächst als Deutschland*: Die Politiker sind einfach kompetenter in Wirtschaftsfragen, und vor allem sind sie pragmatischer. Zur Erinnerung: Zwischen 1996 und 2006 wuchs Deutschlands Wirtschaft jährlich um etwa 1%, die französische Wirtschaft um etwa 2%.
HessiJames, 11.09.2007
4. Nicht alles, was gleich aussieht, ist auch vergleichbar
Zitat von tzschechefrankreich steht wirtschafts- und finanzpolitisch genau da, wo deutschland vor rund 5 jahren stand. damals haben sie die gleiche schlagzeile mit "D" statt "F" im titel gebracht...schon vergessen? also nicht immer gleich mit dem nackten finger auf angezogene leute zeigen !
Oh, das ist mir aber neu. - Wußte gar nicht, dass es in Frankreich auch eine sauteure (und trotzdem wunderbare) Wiedervereinigung gab.
forumgehts? 11.09.2007
5. On verra!
Zitat von tzschechefrankreich steht wirtschafts- und finanzpolitisch genau da, wo deutschland vor rund 5 jahren stand. damals haben sie die gleiche schlagzeile mit "D" statt "F" im titel gebracht...schon vergessen? also nicht immer gleich mit dem nackten finger auf angezogene leute zeigen !
Nun, damals hat man eben auf uns gezeigt! Das ist sowieso eine der Lieblingsbeschäftigungen in der EU. Und ehrlich gesagt, mehr ist auch nicht drin im E uropa der U nfähigen. PS: Was Sarko betrifft, so schlage ich vor, dass wir uns über ihn in 2 oder 3 Jahren wieder unterhalten. Jetzt bringt das noch nichts. Wenn jemand sofort eine kompetente Meinung über ihn einholen will, so soll sie/er einfach mal seine Cécy fragen.
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