Schadstoff-Risiken So giftig ist der Euro

Geld stinkt nicht, aber krank machen kann es schon. Das gilt nach neuen Untersuchungen auch für die Euro-Münzen und -Geldscheine. Sie enthalten giftige Chemikalien und Metalle, die Allergiker belasten.


Gesundheitsrisiko Geldschein: Tückische Zinnverbindungen für dauerhafte Farben
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Gesundheitsrisiko Geldschein: Tückische Zinnverbindungen für dauerhafte Farben

Frankfurt am Main - Viele Ärzte gehören ins Lager der Euro-Skeptiker - aber nicht, weil sie der Mark hinterher trauern oder um die Stabilität des Währungsneulings fürchten. Vielmehr sorgen sie sich die Mediziner, weil in den Euro-Münzen hohe Mengen Nickel enthalten sind.

Schon warnt Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes der Allergologen, im Gespräch mit der Zeitschrift "Ökotest": "Kassierer, Bankangestellte und Personen, die beruflich viel mit Münzgeld in Berührung kommen, haben ein erhöhtes Risiko, eine Nickel-Allergie zu entwickeln."

Die Warnungen des Mediziners bekommen durch eine Untersuchung des Magazins neue Nahrung. Demnach enthalten die 1- und 2-Euro-Münzen nicht nur 25 Prozent Nickel, sondern geben auch bedeutende Mengen davon ab. Ein Labor habe ermittelt, dass die Münzen 50-mal mehr lösbares Nickel enthalten, als zum Beispiel bei Modeschmuck erlaubt seien.

Schäden am Immunsystem befürchtet

Nickelallergiker würden vermutlich mit Rötungen und Juckreiz auf zu häufigen Kontakt mit den Münzen reagieren. Und die Nickelallergie sei immerhin die häufigste Allergie in Deutschland: Bis zu sechs Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen seien allergisch gegen das Metall. Auch Menschen, die noch nicht gegen Nickel allergisch seien, könnten durch zu häufigen Kontakt eine Allergie entwickeln.

Auch die neuen Geldscheine sind nach Ergebnissen der Untersuchung mit gesundheitsgefährdenden Substanzen belastet. In der getesteten 10-Euro-Banknote seien 740 Mikrogramm zinnorganische Verbindungen pro Kilo gefunden worden, schreibt "Ökotest", darunter Tributylzinn, Mono- und Dibutylzinn. Diese Stoffe seien sehr giftig und könnten Immun- und Hormonsystem schädigen.

Handschuhe und andere Vorsichtsmaßnahmen

In den Geldscheinen würden die tückischen Stoffe eingesetzt, damit die Farben nicht verblassen. Der Hormonexperte Dietrich Klingmüller aber sagte dem Magazin: "Diese Hormongifte gehören nicht in Geldscheine". Die Textilindustrie habe längst bewiesen, dass es auch unschädliche Chemikalien gibt, um Farben zu stabilisieren.

Die gesundheitlichen Risiken der neuen Währung sind nur schwer zu vermeiden. Mögliche Vorsichtstipps wirken eher hilflos. So sollten Verbraucher darauf achten, die Münzen nicht allzu lang in der Hand zu halten. Kassierer und andere Gruppen mit häufigem Kontakt zu Münzen könnten überlegen, ob sie sich mit Handschuhen gegen die Allergiegefahr wappnen wollen.



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