Hamburg - Europa will verstärkt gegen Ölspekulanten vorgehen. Der britische Premier Gordon Brown und der französische Präsident Nicolas Sarkozy fordern in einem Schreiben, das dem "Wall Street Journal" vorliegt, ein gemeinsames Vorgehen der Regierungen gegen den "gefährlich schwankenden" Ölpreis. Die beiden Politiker warnen eindringlich davor, dass das Auf und Ab am Ölmarkt in der aktuellen Konjunkturphase "das Vertrauen in eine Erholung untergraben könnte".
Der europäische Appell stößt in den USA auf Zustimmung: Die US-Rohstoffbehörde CFTC kündigte bereits am Dienstag an, die Kontrollen im Handel mit Ölterminkontrakten zu verschärfen. Das berichten das "Wall Street Journal" und die "New York Times". So müssen Händler - darunter Hedgefonds und Investmentbanken - künftig mit Obergrenzen für Spekulationsgeschäfte rechnen. Schon jetzt hat die CFTC die Möglichkeit, bei Verdacht auf Manipulationen einzugreifen. Künftig könnten diese Kompetenzen auf Spekulationsgeschäfte ausgeweitet werden.
Das Vorgehen der Behörde kommt zur rechten Zeit. Denn die Angst vor weltweiten Spekulation auf den Ölpreis hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. So hatte erst vergangene Woche ein einzelner Händler der Londoner Ölhandelsfirma PVM mit nicht genehmigten Geschäften den Ölpreis kurzfristig um zwei Dollar nach oben getrieben. Die Ermittlungen dazu dauern an.
Experten fürchten, dass ein anhaltend steigender Preis um zehn Prozent das weltweite Wachstum um 0,4 Prozent jährlich eindämmen kann. Sie fordern daher wie die europäischen Politiker, dass Spekulanten, die den Ölpreis künstlich in die Höhe treiben, schärfere Grenzen auferlegt werden.
Dennoch gibt es in der Branche auch Zweifel, ob Spekulationen den Ölpreis hochtreiben. Der Chefökonom des britischen Konzerns BP, Christof Rühl, erklärte jüngst in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Spekulanten bestimmen nicht die Richtung, in die der Zug fährt. Der entscheidende Faktor bei der Preisbildung ist die Relation von Angebot und Nachfrage."Er kenne keine einzige Studie, die nachgewiesen hätte, dass Ölpreisschwankungen fundamental von Finanzinvestoren beeinflusst worden wären. "Der systematische Zusammenhang, so gern er auch kolportiert wird, existiert nicht", so Rühl.
Nach einem Rekordhoch von 147 Dollar pro Barrel (159 Liter) im Juli 2008 war der Ölpreis nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise rapide gefallen - auf zwischenzeitlich nur noch 34 Dollar. In den vergangenen Wochen stieg der Preis dann jedoch wieder. Momentan kostet ein Barrel Öl der US-Sorte WTI rund 62 Dollar.
"Ich glaube, dass wir alle Mittel nutzen müssen, um die Stabilität des Marktes zu sichern", sagte CFTC-Chef Gary Gensler laut "New York Times. Sarkozy und Brown setzen nun alle Hoffnungen in den G-8-Gipfel, der an diesem Mittwoch im italienischen L'Aquila beginnt. Dort wollen sie mit den anderen Staats- und Regierungschefs der insgesamt acht führenden Industrienationen über gemeinsame Maßnahmen sprechen.
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