Schering-Übernahme Bayer muss Sieg über Merck teuer bezahlen

Die Bahn für eine Übernahme des Berliner Schering-Konzerns durch Bayer ist frei. Konkurrent Merck, der zuletzt über 20 Prozent der Schering-Aktien kontrolliert hatte, gibt seinen Widerstand auf und verkauft die Anteile. Allerdings zahlt Bayer einen üppigen Preis.


Leverkusen - Bayer Chart zeigen werde das komplette Schering Chart zeigen-Aktienpaket von Merck KGaA Chart zeigen übernehmen, der Kaufpreis betrage 89 Euro je Aktie, teilte der Leverkusener Konzern mit. Darauf hätten sich beide Unternehmen geeinigt. Bayer muss nun drei Euro pro Anteilsschein mehr zahlen, als der Konzern den Schering-Aktionären zuletzt geboten hatte. Für die Leverkusener verteuert sich die bisher mit 16,5 Milliarden Euro veranschlagte größte Übernahme der Firmengeschichte noch weiter. 

Teurer Dreier: Für Merck hat sich das Störfeuer ausgezahlt
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Teurer Dreier: Für Merck hat sich das Störfeuer ausgezahlt

Merck aus Darmstadt bestätigte, man werde das Aktienpaket von 21,8 Prozent der Schering-Aktien an Bayer weiterreichen und den Weg für die Übernahme frei machen. Den Wert dieser Transaktion, mit der Merck Gewinn gemacht hat, bezifferten die Darmstädter mit brutto 3,7 Milliarden Euro. Der außerordentliche Ertrag von 400 Millionen Euro werde noch im zweiten Quartal 2006 verbucht, so Merck.

Damit nähert sich eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich aggressive Übernahmeschlacht dem Ende. Merck hatte das Bietergefecht begonnen, als die Darmstädter ein feindliches Gebot für Schering abgaben. Bayer war dann als "Weißer Ritter" aufgetreten, war Schering zur Seite gesprungen und hatte Merck überboten. Merck akzeptierte diese Niederlage nicht und kaufte in den letzten Tagen am freien Markt massiv Schering-Aktien auf. Dabei hatte Merck beinahe eine Sperrminorität von 25,1 Prozent der Anteile erreicht.

Einigung kurz vor Deadline-Ablauf

Bayer war von dem Störfeuer überrumpelt worden und hatte erst gestern in den USA Klage gegen Merck eingereicht. Bayer beschuldigte Merck, heimlich selbst ein eigenes Übernahmeangebot für Schering betrieben und damit gegen US-Vorschriften verstoßen zu haben. Die Geheimniskrämerei von Merck habe dazu geführt, dass das Unternehmen bedeutende Anteile von Schering künstlich niedrigen Preisen habe kaufen können und damit den Aktionären des Berliner Unternehmens genauso geschadet habe wie Bayer. Bayer will diese Klage nun aber wieder zurückziehen.

Merck teilte mit, man sei in den Gesprächen mit Bayer übereingekommen, "weitere Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen". Die getroffene Vereinbarung stärke damit die Zukunftsfähigkeit aller beteiligten Unternehmen, so der Vorsitzende der Merck-Geschäftsleitung, Michael Römer. "Kurzfristige Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel und sind wahrlich kein Handlungsmotiv für ein Unternehmen, das in Generationen denkt."

Bayer teilte zum erhöhten Kaufpreis pro Aktie mit: "Auch alle anderen Schering-Aktionäre, die ihre Aktien innerhalb des öffentlichen Angebotsverfahrens angedient haben oder dies noch bis zum Ablauf der Annahmefrist am Mittwoch um Mitternacht deutscher Zeit tun wollen, werden in den Genuss dieses Preises kommen, der um drei Euro über dem ursprünglichen Angebot liegt."

Merck-Aktionäre hoffen auf Sonderdividende

Bayer-Chef Werner Wenning zeigte sich "sehr froh über diese Entscheidung von Merck, denn ein langfristiger Bieterwettbewerb hätte die Zukunft von Schering stark beeinflusst". Die Zeit für Bayer war knapp geworden: Heute um Mitternacht wäre die Frist abgelaufen, bis zu der Bayer zumindest 75 Prozent der Aktien hätte kontrollieren müssen, um die Übernahme im ersten Anlauf wie geplant zu vollziehen.

An der Börse legte Bayer um fast 6,7 Prozent auf 32,60 Euro zu. Schering-Aktien notierten bei 88,99 Euro, ein Plus von 2,05 Prozent.

Merck-Aktien verteuerten sich um bis zu 6,3 Prozent auf 72,76 Euro. "Am Markt geht das Gerücht um, Merck will den Zusatzerlös aus dem Kampf um Schering an seine Aktionäre verteilen", sagte ein Händler. Ein Merck-Sprecher betonte: "Derartige Gerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht."

itz/AP/dpa-AFX/Reuters



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