Schlampige Buchführung US-Börsenaufseher schludern bei eigenen Finanzen

Peinlicher Fauxpas bei der US-Börsenaufsicht SEC: Die für ihre strengen Kontrollen bekannte Behörde hat ihre eigene Buchführung offenbar nicht im Griff. Laut "New York Times" soll sie in ihrer Bilanz 40 Millionen Dollar vergessen haben.

SEC-Chefin Mary Schapiro: Behörde seit der Finanzkrise in der Kritik
AFP

SEC-Chefin Mary Schapiro: Behörde seit der Finanzkrise in der Kritik


Washington - Ausgerechnet die US-Börsenaufsicht! Die gestrenge SEC soll ihre eigenen Finanzen nicht im Griff haben. Seitdem die Behörde 2004 erstmals eine eigene Bilanz erstellt hat, mäkelt der US-Rechnungshof fast durchgängig daran herum - auch kürzlich wieder. Die Bücher seien derart in Unordnung, dass nicht einmal genau ersichtlich sei, wie viele Strafgelder oder Gebühren die SEC eingenommen habe, rügen die staatlichen Prüfer in ihrem aktuellen Jahresbericht, über den die "New York Times" jetzt berichtet.

Wäre ein Unternehmen so schluderig, würde die SEC bestimmt eingreifen, merkt die Zeitung süffisant an. Unter anderem habe der Rechnungshof in seinem vorläufigen Report gerügt, dass die SEC die Ausgaben für ihre angemieteten Büroräume um satte 40 Millionen Dollar zu niedrig angesetzt habe. Die Prüfer unterstellen der SEC dabei nicht einmal bösen Willen oder werfen ihr gar Bilanzfälschung vor. Sie beklagen allerdings, dass die SEC wenig Anstalten mache, derlei peinliche Patzer zu vermeiden und dass nötige Korrekturen sich hinzögen.

Das miese Zeugnis kommt für die SEC zur Unzeit. Denn seit der Finanzkrise steht die Behörde unter Beschuss. Sie hatte weder die Bilanztricksereien bei der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers aufgedeckt noch das milliardenschwere Schneeballsystem des Milliardenbetrügers Bernard Madoff enttarnt. Als Entschuldigung führte die SEC stets an, sie habe zu wenig Mittel - und kämpft daher aktuell für ein höheres Budget.

800 neue Mitarbeiter sollen kommen

Im vergangenen Jahr hatte die Börsenaufsicht 1,1 Milliarden Dollar zur Verfügung. Mit der von Präsident Barack Obama durchgesetzten Finanzmarktreform wurde ihr eine Verdoppelung in den kommenden fünf Jahren zugesagt. Bisher wartet die Behörde allerdings noch auf das nötige Geld.

Die SEC wacht darüber, dass Unternehmen in den USA saubere Geschäfte machen. Siemens oder Daimler bekamen ihre Macht zu spüren, als Korruptionsfälle in den Konzernen aufflogen. Beide mussten Strafen in dreistelliger Millionenhöhe zahlen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen büßte im vergangenen Jahr dafür, dass sie ihren Anlegern bei einem Hypothekengeschäft wichtige Informationen vorenthalten hatte.

Bei komplexen Finanztransaktionen stößt die SEC aber schnell an ihre Grenzen. So fehlen die nötigen Computersysteme, um große Mengen an Daten analysieren zu können. Nach den Ursachen des plötzlichen Absturzes der New Yorker Börse am 6. Mai 2010 suchten die SEC-Rechner ganze drei Monate lang. Manchmal müssten die Mitarbeiter sogar Stift, Zettel und Taschenrechner zur Hand nehmen, weil sie keine geeigneten Computerprogramme hätten, zitiert die "New York Times" aus einem Kongressbericht.

Zurzeit arbeiten 3750 Menschen bei der SEC. An ihrer Spitze steht seit Anfang 2009 Mary Schapiro. Sie kämpft darum, 800 neue Mitarbeiter zu bekommen. Für den Staat dürfte sich eine Aufstockung sogar auszahlen: Die SEC gehört zu den wenigen Behörden, die dank Millionenstrafen und Gebühren mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben - auch wenn ihre Bilanzen das nicht immer so eindeutig zeigen.

yes/dpa



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.