Ernte 2016 Regen, Pilze, Krankheiten - schlechtes Wetter lässt Bauern verzweifeln

"Die Nerven liegen blank": Die Erträge der deutschen Landwirte fallen. Die Ernte ist wegen der häufigen Regenschauer noch immer nicht abgeschlossen.

Ernte in Deutschland
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Ernte in Deutschland


Zu viel Regen, zu viele Unterbrechungen während der Feldarbeit: Deutschlands Bauern leiden unter dem wechselhaften Sommer-Wetter in diesem Jahr. Die Stimmung sei "wegen der Niederschläge bei den Ackerbauern alles andere als gut", klagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands. Vielerorts lägen inzwischen "die Nerven blank".

Die Ernte der deutschen Landwirte fällt in diesem Jahr deutlich schlechter aus. Bei Getreide zeichnet sich laut Bauernverband ein Minus von elf Prozent auf 43,5 Millionen Tonnen ab. Bei Raps liegt die Menge mit 4,5 Millionen Tonnen wohl ebenfalls um elf Prozent unter dem Vorjahresniveau.

"Ohne Pflanzenschutzmittel hätten wir keine Kartoffeln"

Weil die Ernte wegen immer neuer Regenschauer noch nicht abgeschlossen ist, konnte die Bilanz diesmal nur geschätzt werden. In Bayern stünden noch rund 15 Prozent des Weizens auf dem Feld. In den vergangenen Wochen habe es oft "nur wenige Stunden" für die Ernte gegeben. Die wirtschaftliche Lage vieler Höfe spitze sich damit zu, erläuterte der Verband. Hintergrund sind auch niedrige Weltmarktpreise, die Landwirte für Getreide erzielen können

Durch die geringeren Erntemengen sinken laut Rukwied auch die Erlöse der Ackerbauerbetriebe stark: "Die Agrarkrise hat nicht nur die Milchbauern und Schweinehalter erfasst, sondern auch die Ackerbauern."

Der verregnete Sommer sorgte bei Kartoffeln für Probleme mit Pilz- und Infektionskrankheiten. "Wir sind froh, dass wir heute mit Pflanzenschutzmitteln, die Pilzinfektionen bekämpfen können. Hätten wir diese nicht gehabt, gäbe es in diesem Jahr keine Kartoffeln", sagte Rukwied dem Bayrischen Rundfunk. Der Bauernverband legt am Vormittag die Erntebilanz für dieses Jahr vor.

beb/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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Velbert2 19.08.2016
1. Ideales Wetter?
Gibt es denn überhaupt ein ideales Wetter für die Landwirtschaft? Mal klagt man über zu niedrige Temperaturen, mal ist es zu heiss, mal zu nass, mal zu windig, mal zu trocken. Das Wetter kann es den Landwirten nie recht machen. Und wenn das Wetter wirklich mal ideal ist, klagt man über Überproduktionen, die die Preise so senken, dass die Landwirte nicht wirtschaftlich arbeiten können.
kalle blomquist 19.08.2016
2. Klima (und kein Ende)
Ich bin nicht so dumm zu behaupten, dass der kalte Sommer ein Beweis für die Nicht-Existenz der globalen Erwärmung wäre. Ist er nicht, okay. Mir fällt nur auf, dass in dem Meinungsstreit mit ungleicher Elle gemessen wird: Wäre der Sommer stattdessen nämlich ungewöhnlich heiß und trocken, würde bei SPON und in allen Gazetten stehen: Vorbote der kommenden Klima-Apokalypse. Wissenschaftler würden gefragt: Können Sie ausschließen, dass der heiße Sommer in Norddeutschland, der die Ernte auf dem Halm verdorren lässt, mit dem Klimawandel zusammenhängt? Darauf der Wissenschaftler: Äh, ausschließen kann ich es nicht. Darauf in Riesenlettern: "Kommt alles noch schlimmer? Wissenschaftler schließt nicht aus, dass heißer Sommer Vorbote der kommenden Klimakatastrophe". Bei den Leuten bleibt es hängen, wenn der Sommer heiß war; war er kalt, ist alles kein Thema.
marthaimschnee 19.08.2016
3.
Im Osten ist alles wie immer, es ist zu warm und viel zu trocken. Nein, es gibt keinen Klimawandel, die inzwischen hier zu findenden mediterranen Schmetterlinge und erste Steppenpflanzen waren bestimmt schon immer da, es hat sie nur nie einer beachtet.
Zetsche 19.08.2016
4. @Velbert2
Astreiner Kommentar. Besser hätte ich es nicht schreiben wollen. Genau meine Gedanken. Ergänzen möchte ich zwei Punkte: Subventionen aus Brüssel gibt es genug, für Milch-, Schweine- und Getreidebauern. Der Einsatz von Pestiziden jeglicher Art sollte mal wieder von den völlig verseuchten Feldern verschwinden.
held_der_arbeit! 19.08.2016
5. Klimawandel
Es war meines Erachtens der größte Fehler das ganze globale *Erwärmung* zu taufen. Denn auch wenn das stimmt - auf die Erde imsgesamt gesehen steigt die durchschnittliche Temperatur - kann es lokal durch die globale "Erwärmung" auch durchaus kälter werden. Oder regnerischer, oder, oder, oder. Das Klima ist halt ein komplexes, globales Wechselspiel. Und nicht einfach nur "so wie bisher +2°C". Leider wurde das von Anfang an schlecht kommuniziert und so haben Populisten leichtes Spiel. Gerade auch weil es in den westlichen Ländern als Hauptverursacher tendenziell eher kälter wird. Die Erwärmung spüren sie in Afrika, aber davon bekommen wir nur indirekt (Flüchtlinge) etwas mit...
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