Schmiergeldaffäre US-Ermittler kommen bei Siemens nur schleppend voran

Die Aufklärung der Siemens-Schmiergeldaffäre gestaltet sich für die US-Fahnder mehr als schwierig: Die zehn Beamten des FBI, der Börsenaufsicht SEC und des Justizministeriums konnten nach SPIEGEL-Informationen bei ihrem Besuch in München weniger Zeugen vernehmen als geplant.


Hamburg - Statt in der vergangenen Woche im Beisein der Münchner Staatsanwaltschaft elf Zeugen zu vernehmen, waren bis zu ihrer Rückreise am Freitag gerade mal drei Gespräche möglich. Neben den beiden Verwaltern der schwarzen Kassen in der Siemens-Kommunikationssparte befragten die US-Ermittler auch einen Mitarbeiter der Siemens-Medizintechnik.

Hintergrund der Vernehmungen ist ein Rechtshilfeersuchen der drei US-Behörden vom Januar dieses Jahres. Die Amerikaner forderten umfangreiche Akteneinsicht in der Siemens-Affäre und baten ausdrücklich um Vertraulichkeit in der Angelegenheit.

Sie interessierten sich besonders für Erkenntnisse der deutschen Fahnder über die "Bestechung von Amtsträgern" zwischen 1998 und 2007, unter anderem in Nigeria und Griechenland. Am 25. Juli dieses Jahres schoben die US-Ermittler dann ein zweites Ersuchen nach - elf Personen würde man gern zu den Korruptionsfällen befragen. Darunter befinden sich allerdings keine ehemaligen Zentralvorstände.

Zudem interessieren sich die US-Fahnder nun auch für ein Siemens-Projekt in Argentinien, bei dem Ende der neunziger Jahre Millionen-Schmiergelder an Regierungsmitglieder geflossen sein sollen (SPIEGEL 33/2008).

Ende September wollen die amerikanischen Ermittler in München weitere Zeugen vernehmen – pünktlich zum Oktoberfest. Siemens-Insider rechnen damit, dass die US-Justizbehörden offizielle Ermittlungen gegen frühere Siemens-Manager aufnehmen könnten, sobald das Verfahren mit der SEC abgeschlossen ist.



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