Schmiergeldskandal Faurecia-Chef Lévi tritt ab

Wegen der Bestechungsvorwürfe in der Autoindustrie ist der Chef des französischen Zulieferers Faurecia, Pierre Lévi, zurückgetreten. Deutsche Ermittler werfen ihm vor, Schmiergeldzahlungen jahrelang gedeckt zu haben.


Paris - Lévi begründete seinen Schritt "mit der Entwicklung der gegenwärtig in Deutschland geführten Untersuchungen". Er wolle weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden.

Lévi: Schaden vom Unternehmen abwenden
AP

Lévi: Schaden vom Unternehmen abwenden

Lévi stand stark unter Druck, seitdem er zugegeben hatte, von Schmiergeldzahlungen seines Unternehmens an Einkäufer von VW, Audi, und BMW gewusst zu haben. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder soll daraufhin vom Chef der Faurecia-Mutter PSA, Jean Martin Folz, seine Ablösung gefordert haben. PSA hält 71,5 Prozent der Anteile an Faurecia.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft Faurecia vor, seit 1998 Schmiergelder im Umfang von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich gezahlt zu haben. Im Gegenzug soll Faurecia bei der Auftragsvergabe bevorzugt worden sein. Nach den Angaben der Staatsanwaltschaft war Lévi seit 2001 über die Schmiergeldzahlungen informiert gewesen. Er gelte in den Ermittlungen als Beschuldigter und habe auch ein Geständnis abgelegt.

Faurecia will im September einen neuen Chef vorstellen. Bis dahin wird das Unternehmen provisorisch von Verwaltungsratspräsident Jean- Claude Hanus sowie Finanzchef Frank Imbert geführt.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen elf Zulieferer und gegen mindestens drei Hersteller. Bei den Autofirmen, an deren Mitarbeiter Schmiergelder geflossen sind, handelt es sich um Volkswagen, Audi und BMW. Ob auch noch andere Hersteller in Mitleidenschaft gezogen sind, ließ die Staatsanwaltschaft bislang offen. Andeutungen zufolge könnte auch die spanische VW-Tochter Seat betroffen sein. Ermittelt wird gegen 20 Beschuldigte. Sie sollen Bargeld in Höhe sechsstelliger Summen pro Jahr an Einkäufer der Autokonzerne gezahlt haben, um Aufträge zu ergattern. Außerdem seien Möbel, Urlaubsreisen und Jobs zum Beispiel für eine Freundin eines Beschuldigten zur Verfügung gestellt worden.

Die Justizbehörden betrachten die bisher bekannten Fälle nicht isoliert. "Es liegt der Verdacht nahe, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern dass ähnlich wie in der Baubranche, auch in der Autoindustrie Schmiergeldzahlungen an der Tagesordnung sind und stillschweigend geduldet werden", hatte Gottwald betont.

tim/dpa



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