Schockwerbung "Hitler ist okay - aber bitte keinen Saddam"

Er ist happy, die Konkurrenz empört: In Dubai wirbt ein Makler mit einem Feldherrnbild von Adolf Hitler für seine Immobilien. Jetzt will er für die Kampagne mit anderen Ex-Diktatoren fortsetzen - nur Fotos von Saddam Hussein wurden ihm verboten.

Von , Dubai


Dubai - Ein knappes Kilo bringt die Tageszeitung "Gulf News" in Dubai an einem durchschnittlichen Wochentag auf die Waage, und so schwer die Nachrichten aus dem Nahen Osten auch wiegen mögen – schwerer noch wiegt der Immobilienmarkt von Dubai. 300 Seiten Wohnungs- und Häuseranzeigen sind keine Seltenheit. Da bedarf es pfiffiger Ideen, um noch aufzufallen.

So jedenfalls sieht das David Dakak, 45, Geschäftsführer des Maklerbüros "Conqueror" ("Eroberer") an der Stadtautobahn nach Abu Dhabi. Am vergangenen Sonntag schaltete er eine Anzeige, die ihm genau die gewünschte Aufmerksamkeit brachte: Zu sehen ist eine Auflistung von 15 Privat- und Geschäftsimmobilien mit Meeresblick, am Jachthafen oder mit Seezugang – darunter ein Bild von Adolf Hitler mit Schirmmütze und Ledermantel, daneben die Zeile "Conqueror – The World is yours."

Kaum war die Hitler-Anzeige erschienen, begann das Telefon zu klingeln. Vier Beschwerden, sagt Dakak, seien eingegangen. Ivy, seine Sekretärin, hat deutlich mehr abbekommen: "Ich bin dankbar für jeden Anrufer, der mich am Telefon überhaupt noch zu Wort kommen lässt." Am Montag nahm sich die lokale Presse des Themas an. "Wut über Hitler-Anzeige", titelte "Emirates Today", von empörten Lesern berichtete das Boulevardblatt "7days". Die Anzeige sei "unakzeptabel", kritisierte die deutsche Botschaft in Abu Dhabi.

Für Dakak, einen Franzosen kurdisch-ungarisch-albanischer Herkunft, ist trotz der Aufregung alles bestens. "Ich bin happy", sagt er. "Ich wollte mit wenig Geld diese Firma berühmt machen, das ist mir gelungen." Angewidert blättert er die aktuellen Immobilienbeilagen durch: "Häuser, Häuser, nichts als Häuser, stinklangweilig dieses Zeug". Er hingegen habe ein kreatives Team, und zwar eine Gruppe von Design-Studenten an der Universität in Damaskus, die schickten ihm eine gute Idee nach der anderen. "Wir hatten Alexander den Großen, Julius Cäsar, Maradona, Neil Armstrong, jeweils mit einem guten Spruch dazu. Da schauen die Leute hin."

"Moralisches Vakuum"

Und weitere sollen folgen: Josef Stalin ist bereits erschienen, Fotos von Mohammed Ali, Winston Churchill, Benito Mussolini sollen folgen. Dass Leute sich aufregten, klar, aber das sei genau Sinn der Sache, sagt Dakak: "Im Business zählen keine Überzeugungen, als Geschäftsmann bin ich ein moralisches Vakuum." Sein Vorbild sei der italienische Fotograf Oliviero Toscani, der mit dem Bild eines sterbenden Aids-Kranken für die Textilfirma Benetton warb. "Diese Idee könnte ich eigentlich auch verwenden", überlegt Dakak: "Links ein Aids-Kranker, das ist dann einer unserer Konkurrenten. Rechts ein Kondom, das sind dann wir. Vergleichende Werbung – wie fänden Sie das?"

Seine Kunden seien in erster Linie Russen, Italiener und Briten, sagt er. Dass ein Deutscher ihn anrief und ihm schwor, nie Geschäfte mit "Conqueror" machen zu wollen, lässt ihn kalt. Er liebe Dubai, sagt er, es sei eine offene Stadt, "genau so eine Mixtur wie ich selbst – da gibt es keine kleinlichen Rücksichten."

Was nicht ganz der Wahrheit entspricht: Eines der Fotos, das er bei der "Gulf News" eingereicht hat, wurde abgelehnt: Saddam Hussein mit einem Karabiner in der Hand. "Na ja, da sind sie empfindlich." Weshalb auch Politiker aus der Nachbarschaft für Werbezwecke nicht in Frage kämen, der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi zum Beispiel oder der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Auch beim Gedanken an den Propheten kommt der Makler ins Grübeln: "Ja stimmt, da war doch etwas vor gut einem Jahr."

Der erste Sturm ist vorüber, Dakak hat den ganzen Tag lang Drei-Zimmer-Appartements und opulente Villen unter die Leute gebracht. Nun sitzt er allein in seinem eichengetäftelten Büro, die Stühle der Telefonistinnen rundherum sind leer, es ist Ramadan, die Muslime sind zum Fastenbrechen nach Hause gegangen.

Funktioniert seine Traumstadt Dubai nicht gerade deshalb, weil die vielen Völkerschaften hier auf einander Rücksicht nehmen? Hat er nicht genau gegen das eine ungeschriebene Gesetz verstoßen, welches das kleine Golf-Emirat zu einer friedlichen Insel in einer turbulenten Nachbarschaft macht? "Vernünftig ist es vielleicht nicht, was ich gemacht habe. Aber erfolgreich."



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