Schokoladenkonzern Ritter Sport "Wir haben die unteren Lohngruppen abgeschafft"

2. Teil: "Marktanteil von 20 Prozent für Bio-Schokolade"


SPIEGEL ONLINE: 1990 begann Ritter, in den Anbau biologisch erzeugten Kakaos in Nicaragua zu investieren. 2008 haben Sie Ihre Bio-Schokolade auf den Markt gebracht. Hätten Sie dieses langfristige Engagement durchgehalten, wenn es bei Ritter Quartalsberichte gäbe?

Ritter: Nein, 18 Jahre Investitionen ohne vorzeigbaren Gewinn auf diesem Feld hätte ich mir nicht leisten können. Hätten wir aber auf die jahrelangen Investitionen in Bio-Kakao verzichtet, wäre uns ein strategischer Vorteil gegenüber der Konkurrenz verlorengegangen. Manche Produktentwicklungen brauchen Geld über mehrere Jahre. Damit steht man immer schlechter da, wenn man die Kosten vierteljährlich ausweisen muss.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist Ihnen Bio so wichtig?

Ritter: Wir dürfen die Böden der Welt nicht länger zu Müll verarbeiten. Die ökologische Landwirtschaft geht vorsichtiger mit der Umwelt um. Sie verzichtet beispielsweise auf Kunstdünger.

SPIEGEL ONLINE: Nur die Weltanschauung spielt eine Rolle, das ökonomische Kalkül keine?

Ritter: Natürlich fühle mich wohl in der Rolle des Marktführers, der früh ein Bio-Produkt herausbringt. Diese Position verbessert nachweislich unsere Ertragssituation. Es passt also gut zusammen. Aber irgendwann wird die Konkurrenz nachziehen. Auch sie kann die ökologische Notwendigkeit und die neuen Verbraucherbedürfnisse nicht ignorieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß kann das Marktsegment der Bio-Schokolade werden?

Ritter: Einen Marktanteil von 20 Prozent halte ich für erreichbar. Heute ist es weniger als ein Prozent. In Deutschland ist Bio noch nicht sehr verbreitet. In Österreich dagegen haben ökologische Lebensmittel bereits einen Marktanteil von über zehn Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Wieso entwickelt sich der Bio-Markt in Deutschland langsamer als in Österreich, der Schweiz oder Großbritannien?

Ritter: Das hängt auch mit den politischen Rahmenbedingungen zusammen. In Österreich etwa hat der Staat die Bio-Landwirtschaft früher unterstützt als hier. Deshalb sind auch die Verbraucher dort schon mehr an Bio-Produkte gewöhnt.

SPIEGEL ONLINE: Aber auch die Firmen tragen Verantwortung. Ritter hat sich mit dem Bio-Kakao viel Zeit gelassen. Warum haben Sie nicht früher angefangen?

Ritter: Nicaragua ist unser Entwicklungsfeld für guten Kakao. Wir mussten erst lernen, wir hatten unter anderem Schwierigkeiten mit Pflanzenkrankheiten. Deshalb hat es länger gedauert. Es hat keinen Sinn, ein Projekt schnell zu vergrößern, wenn man es nicht beherrscht. Am Anfang haben wir uns vielleicht auch nicht ausreichend darum gekümmert. Aber das ist Vergangenheit.

Das Interview führte Hannes Koch



insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
samsonax, 13.11.2008
1.
Zitat von sysopHersteller von Bio-Produkten kämpfen mit Rohstoffengpässen. Deshalb setzen sie mitunter auch auf Produkte aus herkömmlichem Anbau. Droht damit der Bio-Branche ein Image-Schaden? Welche Maßnahmen können getroffen werden, um sicherzustellen, dass Bio auch wirlich Bio ist?
Bio ist nur, wenn mans selbst entsprechend anbaut. Alles andere ist Betrug.
Klymer 14.11.2008
2.
Zitat von samsonaxBio ist nur, wenn mans selbst entsprechend anbaut. Alles andere ist Betrug.
kann man so nicht sagen. denken sie nur an die diversen biobauern die nicht nur durch das eu-biosiegel sondern auch durch die wesentlich strengeren kontrollierten siegel wie demeter oder bioland als nachhaltig biologisch anbauende betriebe ausgezeichnet sind
cobra77 14.11.2008
3.
Zitat von sysopHersteller von Bio-Produkten kämpfen mit Rohstoffengpässen. Deshalb setzen sie mitunter auch auf Produkte aus herkömmlichem Anbau. Droht damit der Bio-Branche ein Image-Schaden? Welche Maßnahmen können getroffen werden, um sicherzustellen, dass Bio auch wirlich Bio ist?
Es gibt einfach noch keine ausreichend starken Biosektor. Preistechnisch könnten auch Biolebensmittel durchaus konkurrieren, wenn sie die Stückzahlen von Massenprodukten aufbrächten. Dazu bräuchte es eine europaweite Förderung. Die Möglichkeit besteht im Agrarsektor durchaus, angesichts der Überproduktion in Europa. Aber "Masse statt Klasse" scheitn im globalisierten Markt ja wohl noch immer zu dominieren.
Jost Burger 14.11.2008
4. Mit Absolutheitsansprüchen kommen wir nicht weiter
Klar ist Bionade nicht 100% Bio. So werden die Flaschen mit benzinbetriebenen LKWs verschickt. Überhaupt die Flaschen: Ob die wirklich aus glücklichem, freilaufenden Glas sind? Und am Ende sind wahrscheinlich die Farben der Etiketten gar nicht vollständig recyclebar. Dass da die paar Litschis nicht "Öko" sind, stört dann auch nicht mehr. Tatsache ist doch: Bionade hat NIE behauptet, zu 100% bio oder öko oder sonstwas zu sein. Wer ein bisschen aufpasst, hat mitgekriegt, dass sich die Firma nie an verwuschelte Ökospießer gewandt hat, sondern an moderne Menschen, die mit Kompromissen leben können. Und der ist bei Bionade wirklich auszuhalten. Schließlich ist das Zeug immer noch meilenweit weniger gesundheitsgefährdend als das Zeug, was sich die dicken Kinder von Marzahn sonst so reinziehen. Und wenn die Ostheimer es dann schaffen, Bio-Litschi selbst zu produzieren - das ist doch prima. Dafür muss man aber erstmal Geld verdienen. Was einem Organisationen wie Food Watch vermutlich grundsätzlich verdächtig macht. Und, ja, es ist in Ordnung, wenn man dann eben nicht auf Litschi-Bionade verzichtet, wenn es die nicht in Öko-Qualität gibt. Im übrigen kann ich mir kaum vorstellen, dass die mit dem Litschi-Kram viel Umsatz machen, egal wo man hinkommt, trinken die Leut das rote Holundrige. Zwei Sachen noch: Die wenigstens EU-Bio-Siegel-Produkte dürften 100% bio sein. Der Artikel insinuiert aber, dass es gerade Bionade sei, die die berühmte 5%-Regel "ausnütze". Das ist tendenziös und nicht haltbar. Und dann, Herrschaftszeiten: Der Slogan heißt nicht "...für eine bessere Welt", sondern "...einer besseren WElt." Das ist doch ein himmelweiter Unterschied und sollte einer SPON-Autorin bekannt sein. So. Und darauf jetzt eine Bionade.
derreibert 14.11.2008
5.
Die Bionade ist aus Franken!
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