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Schokoladenkonzern Ritter Sport: "Wir haben die unteren Lohngruppen abgeschafft"

Er setzt auf höhere Löhne für die Angestellten, tadelt renditeverliebte Kollegen: Schoko-Produzent Alfred Ritter geht als Unternehmer eigene Wege. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht er über kurzfristiges Profitstreben und sagt, wie er mit Öko-Schokolade wachsen will.

SPIEGEL ONLINE: Herr Ritter, als Inhaber einer der größten Schokoladenmarken Deutschlands sagen Sie, mit Betriebswirtschaft könne man kein Unternehmen führen. Meinen Sie das ernst?

Ritter: Natürlich muss ich als Unternehmer auch auf das Geld achten. Aber das alleine reicht nicht. Ein Unternehmen steht im sozialen Austausch mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Diese Aspekte deckt die reine Betriebswirtschaftslehre nicht ausreichend ab.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach Kollegenschelte. Blenden andere Manager und Unternehmer aus Ihrer Sicht die sozialen Faktoren zu sehr aus?

Ritter: Jeder soll es so machen, wir er es für richtig hält. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Ein gutes Verhältnis der Firmenleitung zu den Mitarbeitern, ist von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht am Markt erfolgreich zu bestehen. Deshalb haben wir bei Ritter die unteren Lohngruppen des Tarifvertrages abgeschafft, die Leute werden besser bezahlt.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch müssen Sie als Unternehmer ja immer noch Gewinne erzielen. Wie vereinbaren Sie das mit Ihrem sozialen Führungsanspruch?

Ritter: Es gibt eine gerechtfertigte Gewinnerwartung, die ein Unternehmen erfüllen kann, ohne andere zu schädigen. Das ist mein Weg. Und es gibt ein Renditestreben, das nur darauf baut, jemanden über's Ohr zu hauen. Dazu zähle ich beispielsweise die hohen Gewinnziele von Banken und Hedgefonds der vergangenen Jahre. Die Fixierung auf diese Vorgaben ist ein Grund für die Finanzkrise, die wir jetzt erleben. Das musste irgendwann schiefgehen.

SPIEGEL ONLINE: Wer muss für die Fehler der Finanzbranche zahlen?

Ritter: Wenn ein Markt nur um fünf Prozent wächst, das Unternehmen aber 25 Prozent Gewinn anstrebt, muss es diesen Profit irgendwem abnehmen. Das sind dann in der Regel: Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Kunden.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht denn Ihr Gegenentwurf einer nachhaltigen Unternehmenspolitik aus?

Ritter: Der Dreiklang aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten muss stimmen. Ein Unternehmen, aber auch eine Volkswirtschaft sollte so funktionieren, dass niemand geschädigt wird - weder heute noch morgen.

SPIEGEL ONLINE: Tragen die Erfahrungen der Finanzkrise dazu bei, dass diese Einschätzung an Boden gewinnt?

Ritter: Zumindest hat das Kalkül, im Finanzsektor gigantische Extrarenditen zu erzielen, einen Dämpfer erhalten. Dieser neue Realismus dürfte einige Zeit überdauern. Das ist ein Segen.

SPIEGEL ONLINE: Wird eine langfristige, nachhaltige Unternehmenspolitik die Orientierung auf schnellen Gewinn ablösen?

Ritter: Das bezweifele ich. Börsennotierte Aktiengesellschaften müssen weiterhin jedes Vierteljahr ihre Zahlen veröffentlichen. Der Zwang zur Quartalsbilanz ist aber der Feind jeder langfristigen Orientierung. Denn Investition und Planung mit Weitblick gehen oft auf Kosten des kurzfristigen Ertrages. Ich als Inhaber eines nicht börsennotierten Familienunternehmens kann ohne den Berichtszwang arbeiten.

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Forum - Wann ist Bio wirklich Bio?
insgesamt 98 Beiträge
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1.
samsonax, 13.11.2008
Zitat von sysopHersteller von Bio-Produkten kämpfen mit Rohstoffengpässen. Deshalb setzen sie mitunter auch auf Produkte aus herkömmlichem Anbau. Droht damit der Bio-Branche ein Image-Schaden? Welche Maßnahmen können getroffen werden, um sicherzustellen, dass Bio auch wirlich Bio ist?
Bio ist nur, wenn mans selbst entsprechend anbaut. Alles andere ist Betrug.
2.
Klymer 14.11.2008
Zitat von samsonaxBio ist nur, wenn mans selbst entsprechend anbaut. Alles andere ist Betrug.
kann man so nicht sagen. denken sie nur an die diversen biobauern die nicht nur durch das eu-biosiegel sondern auch durch die wesentlich strengeren kontrollierten siegel wie demeter oder bioland als nachhaltig biologisch anbauende betriebe ausgezeichnet sind
3.
cobra77 14.11.2008
Zitat von sysopHersteller von Bio-Produkten kämpfen mit Rohstoffengpässen. Deshalb setzen sie mitunter auch auf Produkte aus herkömmlichem Anbau. Droht damit der Bio-Branche ein Image-Schaden? Welche Maßnahmen können getroffen werden, um sicherzustellen, dass Bio auch wirlich Bio ist?
Es gibt einfach noch keine ausreichend starken Biosektor. Preistechnisch könnten auch Biolebensmittel durchaus konkurrieren, wenn sie die Stückzahlen von Massenprodukten aufbrächten. Dazu bräuchte es eine europaweite Förderung. Die Möglichkeit besteht im Agrarsektor durchaus, angesichts der Überproduktion in Europa. Aber "Masse statt Klasse" scheitn im globalisierten Markt ja wohl noch immer zu dominieren.
4. Mit Absolutheitsansprüchen kommen wir nicht weiter
Jost Burger 14.11.2008
Klar ist Bionade nicht 100% Bio. So werden die Flaschen mit benzinbetriebenen LKWs verschickt. Überhaupt die Flaschen: Ob die wirklich aus glücklichem, freilaufenden Glas sind? Und am Ende sind wahrscheinlich die Farben der Etiketten gar nicht vollständig recyclebar. Dass da die paar Litschis nicht "Öko" sind, stört dann auch nicht mehr. Tatsache ist doch: Bionade hat NIE behauptet, zu 100% bio oder öko oder sonstwas zu sein. Wer ein bisschen aufpasst, hat mitgekriegt, dass sich die Firma nie an verwuschelte Ökospießer gewandt hat, sondern an moderne Menschen, die mit Kompromissen leben können. Und der ist bei Bionade wirklich auszuhalten. Schließlich ist das Zeug immer noch meilenweit weniger gesundheitsgefährdend als das Zeug, was sich die dicken Kinder von Marzahn sonst so reinziehen. Und wenn die Ostheimer es dann schaffen, Bio-Litschi selbst zu produzieren - das ist doch prima. Dafür muss man aber erstmal Geld verdienen. Was einem Organisationen wie Food Watch vermutlich grundsätzlich verdächtig macht. Und, ja, es ist in Ordnung, wenn man dann eben nicht auf Litschi-Bionade verzichtet, wenn es die nicht in Öko-Qualität gibt. Im übrigen kann ich mir kaum vorstellen, dass die mit dem Litschi-Kram viel Umsatz machen, egal wo man hinkommt, trinken die Leut das rote Holundrige. Zwei Sachen noch: Die wenigstens EU-Bio-Siegel-Produkte dürften 100% bio sein. Der Artikel insinuiert aber, dass es gerade Bionade sei, die die berühmte 5%-Regel "ausnütze". Das ist tendenziös und nicht haltbar. Und dann, Herrschaftszeiten: Der Slogan heißt nicht "...für eine bessere Welt", sondern "...einer besseren WElt." Das ist doch ein himmelweiter Unterschied und sollte einer SPON-Autorin bekannt sein. So. Und darauf jetzt eine Bionade.
5.
derreibert 14.11.2008
Die Bionade ist aus Franken!
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