Schon der dritte Fall Arbeiter drohen erneut mit Werkssprengung

Bizarrer Arbeitskampf in Frankreich: Erneut droht eine Belegschaft, ihre Fabrik in die Luft zu sprengen. Es ist bereits der dritte Fall dieser Art. Den Anfang machten die Mitarbeiter eines Autozulieferers, jetzt könnten im ganzen Land Nachahmer folgen.


Paris - Erst beim Autozulieferer New Fabris, dann beim Telekom-Ausrüster Nortel und nun auch beim Maschinenbauer JLG - im Kampf um Sozialpläne und Abfindungen greifen französische Arbeitnehmer zu harten Methoden. Ihren Forderungen verleihen sie Nachdruck, indem sie drohen, ihre Fabriken zu sprengen.

Protestierende New-Fabris-Beschäftigte: Zugespitzter Arbeitskampf
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Protestierende New-Fabris-Beschäftigte: Zugespitzter Arbeitskampf

Das Beispiel der New-Fabris-Beschäftigten aus Châtellerault macht Schule. Am Donnerstag verteilten Mitarbeiter von JLG in Tonneins Gasflaschen und Paletten mit brennbarer Flüssigkeit um fertiggestellte Hebebühnen. Zuvor war bekanntgeworden, dass Angestellte des Kommunikationskonzerns Nortel Chart zeigen, die am Standort Châteaufort vor der Entlassung stehen, etwa ein Dutzend Gasflaschen installiert haben.

Unklar ist, wie ernst es den Protestierenden mit ihren Drohungen ist. Beim insolventen Telekom-Ausrüster Nortel, wo 467 Stellen wegfallen sollen, sprachen die Beschäftigten von einer symbolischen Tat: "Wir sind keine Terroristen." Dagegen erklärten die JLG-Werker, sie meinten es ernst.

JLG war 2006 vom amerikanischen Schwermaschinenhersteller Oshkosh Truck übernommen worden. Das Unternehmen streicht 53 Stellen und bietet den Betroffenen jeweils 16.000 Euro Abfindung. Die fordern hingegen 30.000 Euro. Denselben Betrag wollen auch die Mitarbeiter des insolventen Unternehmens New Fabris erzwingen. Die Nortel-Beschäftigten kämpfen für je 100.000 Euro.

"Kein akzeptables Element des sozialen Dialogs"

In der französischen Regierung hat man indes wenig Verständnis für die Arbeitskämpfer. "Eine Erpressung mit Gasflaschen wird weder Prämien bringen noch eine Umwandlung des Werks ermöglichen", erklärte der Staatssekretär für Beschäftigung, Laurent Wauquiez, dem Nachrichtensender LCI. "Die Gasflasche nehmen heißt, sich mit dem Rücken zur Wand zu stellen und das Risiko einer totalen Explosion einzugehen. Das ist kein akzeptables Element des sozialen Dialogs."

Etwa 150 der 366 Fabris-Werker demonstrierten am Donnerstag vor der Zentrale des Autokonzerns Renault bei Paris. "Willkommen bei unseren Mördern", sagte der Fabris-Betriebsrat Guy Eyermann. Die Demonstranten wollen, dass Renault Chart zeigen und sein Konkurrent PSA Peugeot Citroën Chart zeigen jeweils 15.000 Euro zu den Abfindungen beitragen. Die Autohersteller hätten Fabris fallengelassen. Der Staat ist Großaktionär bei Renault. Wauquiez erklärte dazu, es sei "nicht Aufgabe des Staates, Druck auszuüben, damit diese oder jene Prämie gezahlt" werde.

Renault teilte unterdessen mit, dass der Konzern dem insolventen Unternehmen New Fabris einen Teil der Lagerbestände abnehmen werde. Bedingung sei allerdings, dass das Geld dafür in die Abfindungen für die Mitarbeiter fließe. Renault war zusammen mit PSA Peugeot Citroën Hauptkunde des Unternehmens.

tko/dpa



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