Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schürf-Rausch in Mosambik: Sklaven des Goldes

Aus Manica berichtet Thilo Thielke

In den Bergen Mosambiks graben Tausende Glücksritter nach Gold - mit bloßen Händen, gegängelt und gequält von ihren Herren. Sie träumen von märchenhaften Schätzen. Doch die meisten erwartet nichts anderes als Sklavenarbeit, Seuchen, Tod.

Manica - Schwül ist es in der mosambikanischen Hafenstadt Beira und unerträglich heiß. 36 Grad zeigt das Thermometer. Dann und wann weht ein feuchtwarmer Wind vom Indischen Ozean herüber. Wir haben tatsächlich die schlimmste Zeit für unseren Besuch gewählt, nie ist es heißer, nie ist die Niederschlagsmenge in Beira höher als im Februar und März.

1887 war diese Stadt als portugiesischer Militärstützpunkt gegründet worden; später, während des 16-jährigen Bürgerkriegs, war das hier die Hochburg der grausamen Renamo-Guerilla, die das sozialistische Regime in Maputo bekämpfte. Noch immer erkennt man die Spuren dieses Gemetzels: Granatsplitter in Plattenbauten.

DER SPIEGEL

Ausgerechnet hier stehen wir jetzt also und schwitzen: Toby Selander, schwedischer Fotograf mit Wohnsitz in Kapstadt, ein Freund und langjähriger Reisegefährte, und ich, ein SPIEGEL-Korrespondent aus Nairobi. Wir warten auf zwei Mosambikaner und ein Auto. Wir wollen in das legendäre Goldgebiet nahe der Chimanimani-Berge an der Grenze zu Simbabwe. Vor Jahren ist in dieser Hügellandschaft ein wahrer Goldrausch ausgebrochen, und Frank und Yussuf, die beiden Mosambikaner (die wirklich so heißen), sollen uns in dieses afrikanische Klondike führen. Die zwei sind nett und zuverlässig und sprechen neben Englisch auch Shona, die Sprache der Simbabwer.

Flucht aus Mugabes Reich

Sie sind also unersetzlich: In den Goldgräbercamp wimmelt es nämlich von Simbabwern, die den Herrschaftsbereich des durchgeknallten Tyrannen Robert Mugabe verlassen haben, um hier ihr Glück zu suchen.

In Simbabwe beträgt die Inflationsrate fast 70.000 Prozent, und mehr als 80 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Mittlerweile sollen von den 20.000 Goldsuchern, die im Grenzland die rote mosambikanische Erde umpflügen, mindestens 15.000 aus dem ehemaligen Rhodesien stammen.

Nach einer Weile erscheinen Yussuf, Frank und ein Toyota-Pick-up, wie er in diesen Regionen gerne gefahren wird. Wir laden unser Gepäck auf und machen uns auf den Weg in die malariaverseuchten Fiebersümpfe des Westens. Erstaunlicherweise sind die Straßen gut, sehr viel besser als in Kenia jedenfalls. Nach vier Stunden erreichen wir unser Ziel, ein heruntergekommenes Hotel in der Stadt Manica.

Unsere beiden Reisebegleiter hatten diese leicht verlauste Absteige mit Billardtisch und Bar ausgesucht. Abends beim Bier können wir verstohlen das Gefeilsche der libanesischen Händler mit ihren mosambikanischen Geschäftspartnern verfolgen, die den Ort zu ihrer Börse erkoren haben. Der eine oder andere Nugget wechselt hier seinen Besitzer, bevor er den Weg auf die Goldmärkte in London, Zürich oder New York findet.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf in die Camps der Desperados. Sie sind nicht weit entfernt, 15 Kilometer vielleicht. Wir fahren auf engen Pfaden durch meterhohe Bambusfelder. Aber schwer sind die Glücksritter wirklich nicht zu finden, jeder kennt diese illegalen Minen, gegen die der mosambikanische Staat schon lange nichts mehr unternimmt. Zu groß ist der Druck der Flüchtlinge aus Simbabwe, zu schwach die örtliche Polizei, deren korrupte örtliche Vertreter zudem ganz gut mitverdienen an der Bonanza.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Die Suche nach dem Glück: Schmutziges Gold


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: