Schützenhilfe für Boeing: US-Politiker fordern Ausrüstung des A380 mit Raketenabwehr

Im US-Repräsentantenhaus wird an einem Gesetz gearbeitet, das für alle "Jets mit mehr als 800 Sitzen" ein Raketenabwehrsystem vorschreibt. Weltweit gibt es genau ein Flugzeug, das dieses Kriterium erfüllt: den A380. Derweil kritisierte Singapore Airlines, dass sich die Auslieferung des neuen Super-Airbus verzögert.

Airbus A380: Präsentation auf der Pariser Luftfahrtshow in Le Bourget
DPA

Airbus A380: Präsentation auf der Pariser Luftfahrtshow in Le Bourget

Hamburg - Im Wettbewerb mit dem europäischen Flugzeughersteller Airbus kann sich der US-Konkurrent Boeing nach einem Bericht des SPIEGEL auf Schützenhilfe aus dem amerikanischen Parlament verlassen. Der Vorsitzende im Luftfahrtausschuss des Repräsentantenhauses, John Mica, hat eine Gesetzesinitiative gestartet, die allein auf den Airbus A380 zielt, der in Toulouse montiert wird und in Hamburg seine Innenausstattung erhält: Neue Jets "mit einer maximalen Passagierkapazität von mindestens 800 Sitzen" oder einem Abfluggewicht von mindestens 450 Tonnen müssten nach dieser Lex A380 mit Schutzsystemen gegen tragbare Flugabwehrraketen ausgestattet werden.

"Unwiderstehliches Ziel für Terroristen

Die Regelung soll spätestens zwei Jahre nach Zulassung solcher Schutzsysteme durch die US-Luftfahrtbehörde FAA wirksam werden. Sie beträfe allein den neuen Super-Airbus, den Mica ein "unwiderstehliches Ziel für Terroristen" nannte. Die bisherigen Jumbojets von Boeing bleiben unter den Grenzen.

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Jungfernflug im April: Der A380 hebt erstmals ab
Im Auftrag der US-Regierung untersucht Northrop Grumman, wie militärische Schutzsysteme, etwa Laser, zum Ablenken wärmesuchender Raketenköpfe in zivile Airliner eingerüstet werden könnten. Die Rüstungsschmiede hatte Mica mit Wahlkampfspenden unterstützt. Der Vorgang erinnert an Zeiten, da US-Behörden dem europäischen Überschallflieger "Concorde" aus Lärmschutzgründen den Anflug auf New York untersagen wollten. Ärger droht dem Airbus-Konzern auch aus Asien. Die Luftfahrtgesellschaft Singapore Airlines (SIA) zeigte sich am Wochenende äußerst verärgert, dass sich die Auslieferung des Airbus-Super-Jumbos A380 um voraussichtlich acht Monate verzögert. "Ich hätte mir mehr Ehrlichkeit gewünscht", sagte SIA-Chef Choon Seng Chew in einem Interview. Singapore Airlines ist die erste Fluggesellschaft, die das größte Passagierflugzeug der Welt kommerziell einsetzen will. "Airbus hat ziemlich lange gebraucht, um zuzugeben, dass das A380-Programm dem Zeitplan hinterherhinkt", sagte der Chef dem Magazin "Focus".

"Hätte mir mehr Ehrlichkeit gewünscht"

Nach den Worten des SIA-Chefs kann der europäische Flugzeugbauer die ersten Maschinen statt im März 2006 erst Ende November 2006 ausliefern. Die verspätete Lieferung "stört unsere Kapazitätsplanung gewaltig", sagte Chew. So seien alle Pläne für das Training von Piloten, Stewardessen und Technikern fertig und die SIA habe ältere Boeing 747-400 aus dem Verkehr ziehen wollen. "Die fliegen jetzt länger", sagte Chew. Auf die Frage nach Konsequenzen antwortete er: "Ich bin ein seriöser Kunde. Und ich möchte weiter glauben, dass Airbus ein seriöses Unternehmen ist. Es sei denn, Airbus will mir signalisieren, dass ich bei ihnen kein einziges Flugzeug mehr kaufen soll." Chew wies ferner darauf hin, dass der SIA nach den Vertragsklauseln eine Entschädigung zusteht. "Es ist wie bei einer Taxifahrt: Je länger die Fahrt, desto teurer. Jeder weitere Monat Verspätung wird für Airbus teurer", sagte der Unternehmenschef.

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