Schutz des "Avatar"-Stammes: Indien stoppt Bau von Milliarden-Minenprojekt
Es war ein ungleicher Kampf: Der milliardenschwere Konzern Vedanta wollte eine riesige Mine auf dem Land eines kleinen indischen Stammes errichten und Aluminium produzieren. Die 800 Ureinwohner wehrten sich - mit Erfolg. Die Regierung stoppte das Bauprojekt.
Neu Delhi - Es sollte ein milliardenschweres Bergbauprojekt werden und saftige Gewinne abwerfen. Der britische Konzern Vedanta wollte in Indien eine Minenanlage errichten, um Bauxit zu fördern, jenen wertvollen Rohstoff, aus dem Aluminium hergestellt wird. Alles war geplant. Vedanta, zweitgrößter Aluminiumhersteller Indiens, hatte bereits 2005 die Konzession beantragt. Beliefert werden sollte eine nahe gelegene Aluminiumfabrik.
Doch jetzt stoppte die indische Regierung das Bauvorhaben, das einen Umfang von umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Euro haben sollte. Sie stoppte es aus Rücksicht auf einen Ureinwohner-Stamm, der gegen das Vorhaben gekämpft hatte.
Indiens Umweltminister Jairam Ramesh gab bekannt, dass die Zustimmung für die riesige Mine im Osten des Landes aufgrund schwerwiegender Gesetzesverstöße verweigert worden sei. In einem Untersuchungsbericht der indischen Regierung heißt es, der Bau würde die in der Region lebende indigene Bevölkerung in ihrer Existenz bedrohen.
Denn Vedanta wollte für die Mine ein Waldgebiet in den Niyamgiri-Bergen im Bundesstaat Orissa roden lassen. Es ist die Heimat des Stammes Dongria Kondh; rund 800 Ureinwohner leben dort, ihnen ist der Wald heilig - sie sehen ihn als Heimat des Erntegottes Niyam Raja.
"Die Ära der Bergbaukonzerne geht zu Ende"
Der Stamm hatte jahrelang gegen die geplante Mine protestiert und bekam dabei Unterstützung aus der ganzen Welt - unter anderem von internationalen Organisationen zum Schutz indigener Völker und zum Schutz der Umwelt. Der Regisseur James Cameron verglich den bedrohten Stamm mit dem fiktiven Volk der Na'vi aus seinem Film "Avatar", die der Ausbeutung eines für die Menschheit wertvollen Metalls im Wege stehen.
Die indische Umweltschützerin Sunita Narain begrüßte die Entscheidung der Regierung als "mutig und bedeutend". Der Chef der Menschenrechtsorganisation Survival International, Stephen Corry, sagte: "Die Ära, in der Bergbaukonzerne alles und jeden aus dem Weg räumen konnten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, geht zu Ende." Die Organisation hatte in den vergangenen Jahren im Namen der Ureinwohner immer wieder gegen die Bauxit-Mine protestiert.
Der Oberste Gerichtshof Indiens untersagte bereits 2007 den Bauxitabbau im Waldgebiet des Niyamgiri, da die "nachhaltige Entwicklung" der Region in Gefahr sei. Nun folgte das Umweltministerium in Neu Delhi einer Empfehlung der indischen Waldkommission, wonach der Bauxitabbau Ökosystem und Wasserversorgung der Region "drastisch verändern" würde und damit das Überleben der Dongria Kondh gefährdet hätte. Umweltminister Jairam Ramesh erklärte, die Firma Vedanta habe eine "schockierende und eklatante Verachtung" für die Rechte indigener Völker gezeigt. Der Minister für Bergbau und Stahl in Orissa dagegen nannte die Entscheidung "sehr unglücklich".
Vedanta äußerte sich am Dienstag nicht zu dem Fall. Der Konzern hatte versichert, der Bauxitabbau werde nur geringe Auswirkungen haben; der Wald könne nach dem Abbau wieder aufgepflanzt werden. Die Mine könne zudem zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in der armen Region beitragen; Vedanta wollte die Gesundheitsversorgung und Bildungsprojekte übernehmen. Angesichts des Widerstands hatte Firmenchef Agarwal aber zuletzt gesagt, Vedanta suche nach anderen Bauxitvorkommen.
otr/dpa/AFP
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Fläche: 3.166.414 km²
Bevölkerung: 1213,370 Mio.
Hauptstadt: Neu-Delhi
Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee
Regierungschef: Manmohan Singh
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