Schwache Nachfrage Daimler stoppt Produktion für fünf Wochen

Alle Räder stehen still, wenn die schwache Nachfrage es will: Fünf Wochen lang sollen bei Daimler laut einem Zeitungsbericht keine Autos mehr montiert werden. Auch Opel, BMW, und die VW-Töchter Seat und Skoda knicken unter der Finanzkrise ein und bauen weniger Fahrzeuge.


Stuttgart - Die Finanzkrise macht den Autoherstellern schwer zu schaffen. Der Stuttgarter Autohersteller Daimler will nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinem Sonntagszeitung" wegen des drastischen Einbruchs der Nachfrage für fünf Wochen die Produktion einstellen. Die Zeitung beruft sich auf einen Konzernsprecher und schreibt, dass die Weihnachtspause am 11. Dezember beginne, tags darauf folge noch eine Inventur. Danach würden fünf Wochen lang keine Autos montiert. Erst am Montag, 12. Januar, sollen die Daimler-Beschäftigten laut "FAS" die Arbeit wieder aufnehmen.

Produktionspause bei Daimler: Die Mercedes-C-Klasse wird fünf Wochen lang nicht gefertigt.
DPA

Produktionspause bei Daimler: Die Mercedes-C-Klasse wird fünf Wochen lang nicht gefertigt.

Zuvor hatte bereits der Autobauer Opel seine Produktion gedrosselt. Auch BMW will wegen der schwindenden Nachfrage weniger Fahrzeuge bauen. Ebenso fahren die VW-Töchter Seat und Skoda ihre Produktion zurück.

Daimler hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, seine Ziele für 2008 erneut massiv zurückzuschrauben und einen konsequenten Sparkurs zu fahren. Im dritten Quartal war der Ertrag des Premiumherstellers vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,9 Milliarden im Vorjahr auf 648 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz fiel laut Daimler um sieben Prozent auf 23,8 Milliarden Euro. Daimler-Chef Dieter Zetsche stimmte die Mitarbeiter am Donnerstag auf eine längere Durststrecke ein. Die Situation sei dramatisch und eine weitere Drosselung der Produktion nicht ausgeschlossen, hatte er betont.

Schon Anfang August hatte Daimler angekündigt, wegen der schwächelnden Autokonjunktur Schichten oder immer wieder einzelne Produktionstage in mehreren deutschen Werken sowie im US-Werk Tuscaloosa zu streichen. Bei den Einzelvereinbarungen mit den Werken war auch bereits die Möglichkeit erörtert worden, die Weihnachtsferien zu verlängern.

Nachfragerückgang fast überall in Europa

Auch der Opel-Mutterkonzern General Motors plant weitere Produktionsstopps in diesem Jahr. Der Kommunikationschef von General Motors Europe, Chris Preuss, sagte laut der Zeitschrift "Automotive News Europe" mit Blick auf die Folgen der Finanzkrise: "Wir werden unsere Kapazitäten weiterhin in Abhängigkeit von der zurückgehenden Nachfrage der Märkte managen. Das bedeutet so viele weitere Produktionspausen wie nötig."

Bei GM gibt es nach Preuss' Worten einen signifikanten Nachfragerückgang in fast allen Teilen Europas. "Bis zum Ende des Jahres müssen wir unsere Produktion absenken, um die Lagerbestände an die Marktnachfrage anzupassen", wurde er zitiert.

Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel befürchtet für sein Werk harte Zeiten: "Genaue Produktionsplanungen liegen noch nicht vor, aber es besteht durchaus die Gefahr, dass wir in Bochum ab Ende November für weitere zwei Wochen das Werk dicht machen und vielleicht auch in der Woche vor Weihnachten, sprich dass dieses Jahr nicht mehr viel produziert wird", sagte Einenkel dem Online-Dienst von "auto motor und sport" zufolge.

Stellen abbauen mit Abfindungen

Das sei ein "Wechselbad der Gefühle für die Belegschaft", wird Einenkel weiter zitiert. Die Situation sei so angespannt, dass Opel nicht mehr monatlich, sondern wöchentlich Absatz und Produktion prüfe, um "keine zu großen Halden beim Handel aufzubauen". Nach Worten Einenkels plant Opel keine betriebsbedingten Kündigungen, aber deutschlandweit ein neues Abfindungsprogramm: "Die Konzernführung hält sich an den Standortsicherungsvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis 2016 ausschließt. Allerdings ist gerade im Gespräch, dass wir in Deutschland ein neues Abfindungsprogramm auflegen."

Ein Opel-Sprecher bezeichnete die Äußerungen Einenkels am Wochenende auf AP-Anfrage als Spekulation und verwies auf die bislang geltenden Vereinbarungen. Demnach gibt es noch bis Ende kommender Woche Produktionsstopps in Bochum und Eisenach. Am Standort Rüsselsheim laufe dagegen alles nach Plan, sagte der Sprecher weiter.

Zwischen dem bayerischen Autohersteller BMW und seinem Händlerverband ist derweil nach einem Vorabbericht der "Automobilwoche" ein Streit über die Liefermengen für das restliche Jahr ausgebrochen. Wie das Magazin am Samstag meldete, sehen sich die Händler aufgrund der Absatzkrise nicht in der Lage, die vereinbarten Fahrzeugpakete bis Jahresende abzunehmen und verlangen eine entsprechende Reduzierung. Bei BMW hat man für das Verhalten des Verbands dem Bericht zufolge kein Verständnis.

hei/dpa/AP



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