Schwacher Fotomarkt Kodak plant Massenentlassungen

EastmanKodak leidet unter dem Boom der digitalen Fotofrafie. Der weltgrößte Fotokonzern will in den kommenden drei Jahren 12.000 bis 15.000 Arbeitsplätze streichen, weil das herkömmliche Papierfotogeschäft schlecht läuft. Das entspricht bis zu 23 Prozent der Gesamtbelegschaft weltweit.


Kamera-Produktion bei Kodak: Die Zukunft ist digital
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Kamera-Produktion bei Kodak: Die Zukunft ist digital

Rochester - Wie Konzernchef Daniel Carp am Donnerstag in Rochester mitteilte, solle das Unternehmen damit auf mehr Profitabilität getrimmt und zu einem erfolgreichen Anbieter bei der digitalen Fotografie gemacht werden.

Die Maßnahme werde die Konzernbilanz mit etwa 1,3 bis 1,7 Milliarden Dollar belasten, hieß es. Hinzu kämen etwa 600 bis 800 Millionen Dollar für den Verkauf von Gebäuden und Ausrüstung und 700 bis 900 Millionen Dollar für Abfindungszahlungen. EastmanKodak erhofft sich nach Abschluss des Umbaus jährliche Einsparungen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Dollar.

Keine Auskünfte wollte Carp darüber geben, wie viele Jobs im Heimatwerk in Rochester abgebaut werden sollen. Dort wird der größte Teil der traditionellen Filmprodukte hergestellt. Doch in der Stadt bereitet man sich bereits auf den nächsten Schock vor. Erst im vergangenen Jahr hatte Kodak als der größte Arbeitgeber in der Gegend die Produktion für Wegwerfkameras geschlossen. Zurzeit arbeiten in den Werken lediglich noch 21.000 Menschen. Vor knapp zwei Dekaden waren es noch rund 60.000.

Mit den Maßnahmen reagiere EastmanKodak lediglich auf Realitäten, begründete Carp die harten Einschnitte. Der Markt der traditionellen Fotografie sei in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft. Im Übrigen, so Carp müsse sich das Unternehmen mit großer Kraft auf die Digitalfotografie ausrichten, in der noch viel größere Gewinnspannen zu erzielen seien. Das Problem sei nur, dass die dafür erforderliche Technik keine Raketenwissenschaft sei. Auf dem Markt gebe es deshalb sehr scharfe Konkurrenz.

"Um im digitalen Markt konkurrenzfähig zu sein, brauchen wir ein Geschäftsmodell, das uns erlaubt, schneller zu werden. Nur so können wir die Möglichkeiten für ein profitables Wachstum, das dieses Geschäft bietet, ausschöpfen."

Das bis dahin eher flaue Digitalgeschäft hat seit Herbst 2003 nach Angaben des Unternehmens angezogen. Allein der Verkauf von Digital-Kameras brachte bei Kodak Easyshare ein Umsatzplus von 87 Prozent. Carp zeigte sich zuversichtlich, dass Kodak im Digitalbereich mit dem Rückenwind einer anziehenden Konjunktur 2004 weiter zulegen werde. Gut positioniert habe sich der Konzern in diesem Geschäft zudem durch diverse Zukäufe.

Im vergangenen rutschte der Reingewinn von 770 Millionen oder 2,64 Dollar je Aktie auf 265 Millionen oder 0,92 Dollar je Aktie. Für das vierte Quartal ergab sich ein Rückgang von 113 Millionen auf 19 Millionen Dollar. Vor allem Maßnahmen zur Kostensenkung sowie Verkäufe hätten das Ergebnis belastet, hieß es. Gleichwohl war der Umsatz im vierten Quartal um zehn Prozent auf 3,79 Milliarden und im Gesamtjahr um vier Prozent auf 13,32 Milliarden Dollar gestiegen. Der Schuldenstand erhöhte sich 2003 um 642 Millionen auf 3,25 Milliarden Dollar. EastmanKodak rechnet jedoch damit, in diesem Jahr genügend Mittelzuflüsse zu erzielen, um Schulden abzubauen.



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