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Schwarzer, Hoeneß, Quinn: Zitate prominenter Steuersünder

Alice Schwarzer fühlt sich nach Offenlegung ihrer Steuersünden zu Unrecht angegriffen. Ein Blick auf andere prominente Ertappte zeigt: Ihre öffentlichen Äußerungen widersprechen meist eklatant ihrem heimlichen Tun.

Hamburg - Nun also auch sie: Alice Schwarzer bunkerte jahrelang Geld auf einem Schweizer Konto und versteuerte die Zinserträge nicht. Der SPIEGEL machte den Vorfall öffentlich - und Schwarzer reagierte erbost auf die Enthüllung.

"In eigener Sache" schreibt sie auf ihrer Homepage und bezichtigt die Medien unter anderem der "Denunziation" und "Rufschädigung". Sie habe ihren Fehler wieder gutgemacht, schreibt Schwarzer. Und fordert ihr Recht auf Persönlichkeitsschutz.

Aber gerade Prominente müssen damit leben, dass sie an ihren öffentlichen Aussagen gemessen werden. Und die stehen mitunter in einem eklatanten Widerspruch zu dem, was sie privat leben.

Schwarzer, Hoeneß, Sommer, Quinn: Wir haben Zitate von berühmten Steuersündern gesammelt - vor und nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen sie. Klicken oder wischen Sie sich durch die Bildergalerie!


DPA

Alice Schwarzer

"Das Private ist politisch."

Alice Schwarzer selbst nennt den Spruch einen "der berühmtesten Slogans der Frauenbewegung". Sie hat ihn in Interviews zitiert und zuletzt am 20. Januar dieses Jahres einen Text auf ihrer Homepage damit betitelt. Es ging um Frankreichs Präsident Hollande und seine Frauengeschichten. Im Mai 2006 sprach Schwarzer mit dem SPIEGEL, es ging dabei unter anderem über Politiker in der Öffentlichkeit: "Ich, Alice Schwarzer, kann Ihnen aus der Summe meiner gerüttelten Erfahrungen sagen: Es geht nicht darum, wie man es macht oder wie man aussieht, es geht darum, was man tut."

DPA

Alice Schwarzer

"Ich habe die Steuer für die Zinsen nachgezahlt und das Konto aufgelöst. Das Konto war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen."

Mit dieser Stellungnahme reagierte Schwarzer auf einen Bericht des SPIEGEL, in dem erstmals über ihr Schweizer Konto berichtet wurde.

REUTERS

Uli Hoeneß

"Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern."

Das betonte FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß 2005 in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Nun muss sich Hoeneß ab dem 10. März vor dem Landgericht München wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verantworten. Vielleicht hätte er besser einen Satz beherzigen sollen, den er 2011 gegenüber der Zeitschrift "Brand Eins" geäußert hatte: "Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein."

DPA

Uli Hoeneß

"Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch."

Im Mai 2013 zeigte sich Hoeneß gegenüber der "Zeit" reuig. Die Vorwürfe gegen ihn waren im April bekannt geworden.

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Theo Sommer

"Doch muss sich die Verantwortung der Managerklasse nicht nur bei den Einkommensansprüchen erweisen. Sie muss sich darüber hinaus in einer sauberen, ehrlichen Geschäftsmoral widerspiegeln, wenn Big Business nicht schlechthin mit organisierter Kriminalität in eins gesetzt werden soll."

Der frühere "Zeit"-Herausgeber Theo Sommer hielt im September 2006 einen 45-minütigen Vortrag bei E.on Düsseldorf. Dabei ging es um "Die Verantwortung von Großkonzernen in der globalisierten Welt" - und Sommer schwang die Moralkeule.

DPA

Theo Sommer

"Das war eine Torheit, die ich bereue. Ich habe aber inzwischen die gesamte Steuerschuld abgetragen, und zwar unter Inkaufnahme großer Opfer für meine Altersversorgung und die meiner Frau. Ich habe aus der Sache meine Lehre gezogen und kann nur wünschen, dass auch andere sie beherzigen."

Ende Januar dieses Jahres wurde Theo Sommer wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er eine Geldbuße von 20.000 Euro zahlen. Er hatte zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649.000 Euro nicht bezahlt. Mit dem "Hamburger Abendblatt" sprach er über den Fall. Neben der oben genannten Erklärung sagte Sommer auch: "Ich habe mich immer in erster Linie um meine Arbeit gekümmert, nicht um meine Finanzen."

REUTERS

Klaus Zumwinkel

"Führungskräfte sind Vorbilder."

Ein schlechteres Timing hätte es für Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel nicht geben können. An einem Mittwoch im Februar 2008 wurde die Mitarbeiterzeitung "Premium Post" mit oben genanntem Zitat bundesweit verteilt. Einen Tag später fand eine Razzia in Zumwinkels Privatvilla statt. Der Vorwurf: Zumwinkel soll mit Hilfe einer Liechtensteiner Stiftung massiv Steuern hinterzogen haben.

DPA

Klaus Zumwinkel

"Das war der größte Fehler meines Lebens."

Das sagte Zumwinkel im Januar 2009 über die Gründung der Liechtensteiner Stiftung - und zwar während des Prozessauftaktes. Am Ende wurde Zumwinkel zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von einer Million Euro verurteilt.

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Freddy Quinn

"Meine große Stärke ist die absolute Ehrlichkeit."

Im September 2001 sagte Schlagersänger Freddy Quinn diesen Satz im Interview mit der "Welt am Sonntag". Es war kurz vor seinem 70. Geburtstag - und drei Jahre vor seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung.

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Freddy Quinn

"Das war eine Untat. Es tut mir leid."

2004 hat Quinn vor Gericht gestanden, Steuern in Höhe von umgerechnet rund 900.000 Euro hinterzogen zu haben. Er wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von 150.000 Euro verurteilt. "Zu Finanzen und Geld habe ich überhaupt keine Relation", sagte Quinn.

aar

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insgesamt 262 Beiträge
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1. Heuchlerisch
kladderadatsch 04.02.2014
ist die ganze Diskussion. Man denke an die CDU-Politiker Kanter, Kiep und Kohl (?) und dann die Steuerverschwendung der Politiker: in der Wiedervereinigung, beim Euro und vieles mehr. Wie heißt es: Wer frei ist von ..., der werfe den ersten Stein. Allerdings muss man auch sagen, dass Frau Schwarzer vielleicht oft ein paar Stein zu viel geworfen hat.
2. Ich bin sehr froh,
ralf wagner 04.02.2014
dass diese Art der Kriminalität aufgedeckt wird. Steuern sind in den allermeisten dieser Fälle eine Bringschuld gegenüber der Gesellschaft, die deren hohe Einkommen erst ermöglicht hat. Und die Heere von Steuerbratern, die jene beschäftigen, sind gut beraten ihre "Steuersparmodelle" zu überdenken. Eine Verschärfung der Sanktionen ist dringend geboten!
3. optional
thomas_gr 04.02.2014
Alice Schwarzer quält einen schon seit Jahren mit ihren polemischen und gnadenlosen Aussagen. Spätestens seitdem sie für die BILD schreibt ist ihre Glaubwürdigkeit im Minusbereich und jetzt zeigt sich das ganze Ausmaß ihrer Bigotterie.
4. "Alice Schwarzer fühlt sich ... zu Unrecht angegriffen"
Na Sigoreng 04.02.2014
Klar - weil sie meint, dass nur sie das Recht hat, andere anzugreifen. Sie glaubt diktatorisch immmer die oberste Instanz zu sein - da kann kein Papst mithalten!
5. Immer die gleiche Leier...
dernachdenklich 04.02.2014
keine Affinität zu Geld und Finanzen.... nur an Arbeiten gedacht... keine Zeit für so profane Dinge wie Geld und Steuern... Deswegen haben diese Wohlstands-Asozialen wohl so viel davon "versehentlich" gebunkert.
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