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Schwarzer-Peter-Spiel: Volkswirt Horn gibt Managern Schuld an NPD-Auftrieb

Erst schob Edmund Stoiber die Schuld für jüngste Erfolge der NPD der Bundesregierung zu - nun kommt aus dem Gewerkschaftslager die Retourkutsche: Der Volkswirt Gustav Adolf Horn wirft der deutschen Wirtschaft vor, mit ihren dauernden Rufen nach Sozialreformen den Nährboden für Neonazis bereitet zu haben.

Berlin - Jetzt ist Josef Ackermann also auch noch Schuld an den Erfolgen der Neonazis: Auch der Deutsche-Bank-Chef habe dazu beigetragen, sagte Horn der "Berliner Zeitung", die Menschen im Land zu verunsichern - und sie möglicherweise für Forderungen radikaler Parteien empfänglich gemacht.

Volkswirt Horn: Wo sind sie, die geistigen Brandstifter?
DPA

Volkswirt Horn: Wo sind sie, die geistigen Brandstifter?

Horn, ehemals beim DIW in Berlin, ist heute Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung. Er bezog sich auf die Ankündigungen Ackermanns, über 6000 Stellen zu streichen, was zur Steigerung der Rendite beitragen soll. Horn sagte weiter, Teile der Wirtschaft hätten durch ständige Rufe nach immer neuen Sozialreformen den rechtsradikalen Parteien Auftrieb verschafft.

Der Volkswirt warnte die Unternehmen, sie sollten sich sehr genau überlegen, mit welchem Feuer sie spielen. Die Wirtschaft habe die Globalisierung zu einem Drohmittel gegen Arbeitnehmer entwickelt, um Lohnverzicht herbeizuführen.

Schröder-Berater: Unternehmen in der Pflicht

Nach Einschätzung Horns sind viele Bürger empfänglich für die Parolen rechtsradikaler Parteien, weil sie verunsichert seien angesichts der ökonomischen Schwäche des Landes, der Einbußen an sozialer Sicherung sowie aus Sorge um ihre Arbeitsplätze. Der Konjunkturexperte forderte die Wirtschaft auf, künftig mehr auf ihre Ziele und ihre Sprache zu achten. Diese müsse in einen gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext passen.

Wegen der gestiegenen Unternehmensgewinne in Deutschland hat die Bundesregierung unterdessen ein stärkeres Engagement der Wirtschaft gegen die Arbeitslosigkeit gefordert. Wirtschafts-Staatssekretär Bernd Pfaffenbach, der zu den wichtigsten Beratern von Bundeskanzler Gerhard Schröder gehört, sagte der "Welt", die Zurückhaltung der Tarifparteien in den vergangenen Jahren habe den Unternehmen geholfen, trotz schwieriger konjunktureller Lage ihre Gewinnsituation wieder zu verbessern.

"Ich finde schon, dass die Unternehmen in Deutschland eine gewisse moralische Verpflichtung haben, ihre stark gestiegenen Gewinne jetzt möglichst bald zu investieren und damit neue Arbeitsplätze zu schaffen", betonte Pfaffenbach.

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