Schweiz Zürich schafft Steuerprivilegien für reiche Ausländer ab

Pech für superreiche Steuerflüchtlinge wie den Milchbaron Theo Müller: Ausländer genießen im Schweizer Kanton Zürich künftig keine Steuerprivilegien mehr. Die Entscheidung könnte Signalwirkung haben.


Zürich - Zürich ist kein Paradies mehr für Reiche: Mit einer Mehrheit von 52,9 Prozent stimmten die Einwohner des Kantons Zürich am Sonntag für eine Volksinitiative zur Abschaffung der so genannten Pauschalbesteuerung. Vermögende Ausländer, die in der Schweiz nicht arbeiten, mussten bisher nur die Höhe ihres Aufwandes, etwa für Instandhaltung oder ihrer Villa, besteuern. Jetzt werden sie wie jeder Schweizer nach Vermögen und Einkommen veranlagt.

Zürich: Reiche zahlen marktverzerrende Fantasiepreise für Immobilien
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Zürich: Reiche zahlen marktverzerrende Fantasiepreise für Immobilien

Die Aufhebung betrifft nur die Kantons- und Gemeindesteuern, nicht aber die direkte Bundessteuer. Damit durchbricht der größte Kanton des Landes die Spirale der Steuersenkungen, mit denen Schweizer Kantone um Reiche buhlen.

Zürich stimmte als erster Kanton über die Pauschalbesteuerung ab. Das Nein könnte auch eine Signalwirkung für andere Kantone haben. Die Kantonsregierung und die Mehrheit der Parteien im Parlament hatten das Volksbegehren allerdings abgelehnt. Sie warnten unter anderem vor dem Exodus reicher Ausländer in andere Kantone oder ins Ausland, wo wie in Großbritannien, den Benelux-Staaten, Österreich und Liechtenstein ebenfalls besondere Steuerregelungen für Ausländer bestünden. Eine Abwanderungsdrohung des deutschen Milchbarons Müller wurde bereits in den Schweizer Medien verbreitet.

Die Initiatoren argumentierten vor allem damit, dass das 1999 eingeführte Steuerprivileg gegen das Gebot der Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verstoße. Ursprünglich für Rentner gedacht, die ihren Lebensabend in der Schweiz verbringen, werde die Pauschalbesteuerung vermehrt von "Steuer-Nomaden und Schein-Erwerbslosen" beansprucht, die von Zürich aus teilweise weltweite Firmenkonglomerate steuerten.

Pauschal besteuerte Millionäre zahlten zudem für Immobilien marktverzerrende Fantasiepreise, was für die Bevölkerung einiger Kantonsteile schlimme Folgen habe.In der Statistik wurden Ende 2006 im Kanton Zürich 137 pauschal besteuerte Personen gezählt. Sie zahlten insgesamt 20,11 Millionen Franken.

cvk/dpa/Reuters



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querdenker13 23.10.2008
1.
Zitat von sysopEinst galt die Schweiz in der Finanzwelt als unerschütterliche Bastion - jetzt geraten die beiden größten Banken des Landens, UBS und Credite Suisse, im Zuge der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Ist der Finanzplatz Schweiz in seiner alten Form am Ende?
Wen außer Steuerflüchtlingen interessieren die Schweizer Banken. Die sind für mich doch eines der El Doraden der Schwarzgelder und sollten deswegen ruhig bankrott gehen!
juergw. 23.10.2008
2. Wohl kaum !!
Schwarzgelder brauchen immer einen sicheren Hafen ! Wenn die Schweiz pleite ist fangen wir alle wieder bei null an !
nikffm 23.10.2008
3.
Zitat von querdenker13Wen außer Steuerflüchtlingen interessieren die Schweizer Banken. Die sind für mich doch eines der El Doraden der Schwarzgelder und sollten deswegen ruhig bankrott gehen!
So kommt es, wenn deutsche Finanzminister Blödsinn quatschen. Dann plappern andere dies nach. Die Schweiz hat eine günstigere Besteuerung als Deutschland. Deshalb will Steinbrück denen ans Leder. Dass Deutsche dort Geld anlegen und die Steuern hierzulande nicht abführen, ist nicht die Schuld der Schweiz, sondern der Deutschen. Möglicherweise sogar des deutschen Steuersystems. Bevor man andere beschimpft, sollte man in der eigenen Bude für Ordnung sorgen. Wie war das nochmal mit den Parteikassen der CDU und der SPD? Wo waren die? Aber ein kluger Politiker ist der Herr Steinbrück nicht. Was will er denn? Noch mehr Deutsche aus dem Land jagen? Vor allem die mit Vermögen? So richtet man ein Land zu Grunde...
Frank Wagner, 23.10.2008
4.
Zitat von sysopEinst galt die Schweiz in der Finanzwelt als unerschütterliche Bastion - jetzt geraten die beiden größten Banken des Landens, UBS und Credite Suisse, im Zuge der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Ist der Finanzplatz Schweiz in seiner alten Form am Ende?
Ich schätze mal der Untergang war besiegelt als die Schweizer sich ( war das nicht sogar ne Volksabstimmung ? ) von ihrer goldgedeckten Währung verabschiedet haben. Nun haben sie auch nur noch Papiergeld, das früher oder später ( mit Sicherheit früher ) auf seinen inneren Wert reduziert werden wird.
Pamina 23.10.2008
5. Schweizer Bankgeheimnis
In der Schweiz ist Steuerhinterziehung keine Straftat ! Ist das ein zivilisiertes Land ? Und diese maßlose Arroganz der Schweizer !
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