Illegale Preisabsprachen: Hersteller von Bahnschwellen unter Kartellverdacht

Von Jörg Schmitt

Schon wieder stehen Bahn-Zulieferer unter Kartellverdacht. Neben den Schienenproduzenten sollen sich auch die Hersteller von Bahnschwellen untereinander abgesprochen und vom Großkunden Deutsche Bahn überhöhte Preise verlangt haben.

Bahnstrecke Hamburg-Berlin: Illegale Preisabsprachen auch bei Bahnschwellen Zur Großansicht
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Bahnstrecke Hamburg-Berlin: Illegale Preisabsprachen auch bei Bahnschwellen

Nach Schienen und Weichen ermittelt das Bundeskartellamt nun auch in Sachen Bahnschwellen gegen mehr als ein halbes Dutzend Unternehmen wegen illegaler Preisabsprachen.

Bereits im Juli durchsuchten Mitarbeiter der Behörde die Lieferanten von Betonschwellen, die im Streckennetz der Deutschen Bahn, aber auch im privaten Markt verbaut wurden. Schon im Mai hatten sich die Bonner Wettbewerbshüter die Produzenten von Holzschwellen vorgenommen. Insgesamt wurde bei acht Unternehmen durchsucht, wie ein Sprecher des Amtes bestätigte.

Ausgangspunkt der Razzien waren die Ermittlungen der Bonner Behörde gegen die sogenannten Schienenfreunde. Im Juli hat das Kartellamt die ersten Bußgeldbescheide in Millionenhöhe unter anderem gegen den österreichischen Stahlproduzenten Voestalpine und ThyssenKrupp wegen illegaler Absprachen beim Verkauf von Schienen an die Bahn verschickt. Mitglieder des Kartells sollen sich, über Jahre hinweg, auf Flughäfen und in Restaurants getroffen und dort überhöhte Gleis-Preise festgelegt haben.

Und offenbar nicht nur dort. In der vergangenen Woche waren Unterlagen in die Öffentlichkeit gelangt, die den Verdacht nahelegen, dass die Kartellbrüder ihre Absprachen auch bei gemeinschaftlichen Rotlichtbesuchen planten. Ein Mitarbeiter von Voestalpine reichte allein zwischen April 2005 und Mai 2009 35 Bewirtungsbelege aus Erotik- oder Nachtclubs in Höhe von 71.276 Euro ein. Neben Lokalen in Münster und Ratingen vorzugsweise Quittungen des Berliner Nobelbordells "Bel Ami".

Inzwischen ist zwischen den Stahlkonzernen und der Deutschen Bahn eine Schlammschlacht um die Besuche im Rotlichtmilieu entbrannt. Auf den Bordellrechnungen sollen zumindest auch die Namen von zwei bewirteten Bahn-Mitarbeitern aus der Logistik-Sparte stehen. Ob diese aber bei den Treffen tatsächlich dabei waren, oder ihre Namen nachträglich den Weg in den Bewirtungsunterlagen fanden, steht noch nicht fest. Zumal die Logistiker eigentlich nicht mit dem Schieneneinkauf befasst waren. Oder kam den Bahnern in der Rotlicht-Runde etwa eine andere Aufgabe zu?

Sollte sich jedenfalls herausstellen, dass Mitarbeiter der Bahn mit den Kartellbrüdern gemeinsame Sache gemacht haben, könnte dies zum Problem werden für die Bahn. Eine mögliche Schadensersatzklage, die Rede ist von bis zu einer halben Milliarde Euro, wäre dann kaum durchsetzbar.

Der Rechtsvorstand der Bahn, Gerd Becht, jedenfalls wehrt sich gegen solche Vorwürfe. "Weder uns noch den Ermittlungsbehörden liegen Hinweise vor, dass es Absprachen zwischen der Bahn und dem Kartell gegeben hat."

Auch gebe es keine Belege dafür, dass Bahner an den illustren Bordellrunden dabei waren.

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1. Ich fahr nicht mehr mit der Bahn
hanfiey 19.09.2012
Aber das ist fast überall das gleiche, wer kann stopft sich die Taschen bevor es nicht mehr geht. Unrechtsbewusstsein?, fehl anzeige!.
2. Nicht nur Holzschwellen
erpo 19.09.2012
auch für die Post Holzmasten. Es wurde für 80 DM / cbm Rohmaterial eingekauft und nach dem imprägnieren für 800 DM / cbm verkauft. Das geht seit mind. schon 50 Jahre so.
3. Tja der Markt, besser doch nicht!
prince62 20.09.2012
Tja, so isses eben in der Marktwirtschaft, die gleichen Leute, die uns tagtäglich die Vorzüge des Marktes vorbeten, die gleichen Leute versuchen dann in den Hinterzimmern alles, um genau diese Vorzüge des Marktes auszuhebeln. Wäre mal eine Fleißaufgabe für SPON nachzuzählen, wieviel Kartellverfahren, die auch abgeschlossen wurden in den letzten Jahrzehnten nur in Deutschland so aufgelaufen sind. Oder anders ausgedrückt, in welchen Bereichen gab es denn überhaupt noch keine Verfahren? Wäre vielleicht einfacher und schneller zu erledigen.
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  • Mittwoch, 19.09.2012 – 15:59 Uhr
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