Illegale Preisabsprachen: Hersteller von Bahnschwellen unter Kartellverdacht
Schon wieder stehen Bahn-Zulieferer unter Kartellverdacht. Neben den Schienenproduzenten sollen sich auch die Hersteller von Bahnschwellen untereinander abgesprochen und vom Großkunden Deutsche Bahn überhöhte Preise verlangt haben.
Nach Schienen und Weichen ermittelt das Bundeskartellamt nun auch in Sachen Bahnschwellen gegen mehr als ein halbes Dutzend Unternehmen wegen illegaler Preisabsprachen.
Bereits im Juli durchsuchten Mitarbeiter der Behörde die Lieferanten von Betonschwellen, die im Streckennetz der Deutschen Bahn, aber auch im privaten Markt verbaut wurden. Schon im Mai hatten sich die Bonner Wettbewerbshüter die Produzenten von Holzschwellen vorgenommen. Insgesamt wurde bei acht Unternehmen durchsucht, wie ein Sprecher des Amtes bestätigte.
Ausgangspunkt der Razzien waren die Ermittlungen der Bonner Behörde gegen die sogenannten Schienenfreunde. Im Juli hat das Kartellamt die ersten Bußgeldbescheide in Millionenhöhe unter anderem gegen den österreichischen Stahlproduzenten Voestalpine und ThyssenKrupp wegen illegaler Absprachen beim Verkauf von Schienen an die Bahn verschickt. Mitglieder des Kartells sollen sich, über Jahre hinweg, auf Flughäfen und in Restaurants getroffen und dort überhöhte Gleis-Preise festgelegt haben.
Und offenbar nicht nur dort. In der vergangenen Woche waren Unterlagen in die Öffentlichkeit gelangt, die den Verdacht nahelegen, dass die Kartellbrüder ihre Absprachen auch bei gemeinschaftlichen Rotlichtbesuchen planten. Ein Mitarbeiter von Voestalpine reichte allein zwischen April 2005 und Mai 2009 35 Bewirtungsbelege aus Erotik- oder Nachtclubs in Höhe von 71.276 Euro ein. Neben Lokalen in Münster und Ratingen vorzugsweise Quittungen des Berliner Nobelbordells "Bel Ami".
Inzwischen ist zwischen den Stahlkonzernen und der Deutschen Bahn eine Schlammschlacht um die Besuche im Rotlichtmilieu entbrannt. Auf den Bordellrechnungen sollen zumindest auch die Namen von zwei bewirteten Bahn-Mitarbeitern aus der Logistik-Sparte stehen. Ob diese aber bei den Treffen tatsächlich dabei waren, oder ihre Namen nachträglich den Weg in den Bewirtungsunterlagen fanden, steht noch nicht fest. Zumal die Logistiker eigentlich nicht mit dem Schieneneinkauf befasst waren. Oder kam den Bahnern in der Rotlicht-Runde etwa eine andere Aufgabe zu?
Sollte sich jedenfalls herausstellen, dass Mitarbeiter der Bahn mit den Kartellbrüdern gemeinsame Sache gemacht haben, könnte dies zum Problem werden für die Bahn. Eine mögliche Schadensersatzklage, die Rede ist von bis zu einer halben Milliarde Euro, wäre dann kaum durchsetzbar.
Der Rechtsvorstand der Bahn, Gerd Becht, jedenfalls wehrt sich gegen solche Vorwürfe. "Weder uns noch den Ermittlungsbehörden liegen Hinweise vor, dass es Absprachen zwischen der Bahn und dem Kartell gegeben hat."
Auch gebe es keine Belege dafür, dass Bahner an den illustren Bordellrunden dabei waren.
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