Schwindende Rohölbestände: Ölpreis markiert erneut Rekordhoch

Keine Pause beim Preisanstieg des Öls: In New York erreichte das Barrel Light Sweet Crude mit zweitweise 100,12 Dollar einen neuen Rekord. Experten rechnen jetzt mit einer kurzen Entspannungsphase - bevor der Preis erneut kräftig anzieht.

New York/Hamburg - Auslöser für den Preissprung waren Daten der US-Regierung, wonach die Rohöl-Bestände deutlich mehr gefallen sind als erwartet. An der New Yorker Rohstoffbörse legte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Light Sweet Crude mit Lieferdatum Februar zeitweise um 50 Cent auf 100,12 Dollar zu. In London kostete das Barrel 98,32 Dollar. Gestern hatte der Ölpreis in New York erstmals die Marke von 100 Dollar erreicht.

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Auch in Deutschland waren bereits erste Auswirkungen an den Tanksäulen zu spüren. Benzin kostete im Bundesschnitt 1,38 Euro pro Liter und damit 2 Cent mehr als im Dezember, Diesel lag weitgehend unverändert bei 1,27 Euro. Laut Branchenverband MWV hat Benzin aber in Rotterdam bereits einen Rekordpreis erreicht. Dieser Anstieg werde voraussichtlich auch nach Deutschland kommen.

Inflationsbereinigt bewegt sich der Ölpreis nun auf dem Rekordniveau der frühen achtziger Jahre. Zu dem Anstieg trugen nach Einschätzung von Analysten auch Spekulationskäufe bei. Ein Ende der Teuerungswelle ist Experten zufolge langfristig nicht in Sicht. "Die Ölvorräte werden zunehmend knapp und das wird die Preise weiter hochtreiben", sagte die DIW-Expertin Claudia Kemfert.

Spekulationen als Preistreiber

Ein Teil des derzeitigen Preises sei zwar auf Spekulation zurückzuführen; auch die Unruhen in Nigeria und Algerien spielten eine wichtige Rolle, sagte sie heute. Doch seien und blieben die Ölvorkommen knapp, sodass die Preise weiter nach oben gehen würden. "Spätestens 2020 wird der Punkt erreicht sein, wo das Angebot nicht mehr ausreicht, die Nachfrage zu decken, und dann kann der Preis auch in Richtung 200 Dollar gehen."

Ökonomen führender Banken rechnen aber für dieses Jahr erst einmal mit sinkenden Preisen. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, sagte der Zeitung "Die Welt": "Bis Ende 2008 werden wir einen Rückgang des Ölpreises auf rund 80 Dollar je Fass sehen." Für Entspannung sorge vor allem der bevorstehende Abschwung in den USA und die dadurch sinkende Nachfrage. Der Chefvolkswirt Europa bei der Bank of America, Holger Schmieding, erwartet dem Blatt zufolge bis zum Jahresende einen Ölpreis von "deutlich unter 90 Dollar, eher 80 Dollar".

Im Jahr 2007 war der Ölpreis um 57 Prozent gestiegen und hatte am 21. November vorübergehend 99,29 Dollar erreicht. Der Ölpreis wird seit Jahren vom steigenden weltweiten Verbrauch in die Höhe getrieben, vor allem der Boom in China sorgt dort für kräftigeren Öldurst. Gleichzeitig stützen viele geopolitische Sorgen den hohen Preis: Spannungen zwischen dem Westen und dem Groß-Förderer Iran, Unruhen und Attentate im ölreichen Irak, Rebellenangriffe auf Pumpanlagen in Nigeria. Das Weiße Haus erklärte am Mittwoch, es werde kein Öl der strategischen Reserve freigeben, um die Preise zu senken.

mik/AP

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