SdK-Affäre Prozess um Insiderhandel beginnt mit Geständnis

Die Prozessserie gegen eine Clique von Aktionärsschützern und Finanzjournalisten hat begonnen. Mit einer Bewährungsstrafe davonkommen dürfte ein Angeklagter, der Aktien kaufte und sie dann in seinem Börsenbrief empfahl. Er gab sich reumütig und legte ein Geständnis ab.


München - Im Prozess um manipulierte Aktienkurse hat ein 47-Jähriger Herausgeber eines Börsenbriefs am Donnerstag vor dem Landgericht München ein Geständnis abgelegt. Der Diplom-Kaufmann gab zu, in seinen Briefen vor allem Aktien zum Kauf empfohlen zu haben, die er selbst besaß - um damit Kasse zu machen. Er empfinde starke Reue für das, was er getan habe, ließ er über seinen Anwalt erklären.

Das Gericht verständigte sich mit dem Angeklagten und der Staatsanwaltschaft auf einen Strafrahmen. Die Vorsitzende Richterin Jutta Zeilinger sagte, der 47-Jährige werde eine Bewährungsstrafe von mindestens einem Jahr und neun Monaten bis maximal zwei Jahren bekommen. Zusätzlich dürfte es eine Geldbuße geben, deren Höhe noch nicht feststeht. Dieser Deal ist aber an ein umfassendes Geständnis geknüpft. Höchststrafe für Marktmanipulation und Insiderhandel wären jeweils fünf Jahre Gefängnis gewesen.

Die Anklage wirft einer Gruppe von Spekulanten vor, von 2005 bis 2008 durch gezielte Veröffentlichungen Anleger zum Kauf oder Verkauf von Aktien bewegt zu haben. Damit sollen sie Aktienkurse nach oben oder unten getrieben haben, um mit zuvor getätigten Käufen oder Leerverkäufen hohe Gewinne zu erzielen. Bei Leerverkäufen leihen sich Spekulanten Aktien, verkaufen sie und kaufen sie später zu einem geringeren Preis wieder ein - um sie dem Ausleihenden zurückzugeben. Die Angeklagten sollen dabei teils mehrere Millionen Euro eingesetzt haben.

Der Prozess gegen den Finanzjournalisten ist nur der Auftakt: Die Verhandlungen gegen einen weiteren Herausgeber des Börsenbriefs sowie zwei ehemalige Funktionäre der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger beginnen Ende Januar. Im Vergleich zu den übrigen Angeklagten war der 47-Jährige aus Sicht seines Anwalts ein kleiner Fisch. Einer der Angeklagten habe den 47-Jährigen als Handlanger für seine Aktiengeschäfte benutzt. Er habe ihn in den meisten Fällen damit beauftragt, die Artikel über bestimmte Unternehmen zu veröffentlichen und ihn dafür am Gewinn beteiligt.

Der angeklagte Kaufmann räumte die Vorwürfe in vollem Umfang ein, ohne Details zu nennen. Rechtsanwalt Alexander Kleinert sagte, sein Mandant sei damals in einer wirtschaftlich schwierigen Situation gewesen und habe deswegen den Job angenommen, die Börsenbriefe mit einer Reichweite von zusammen 18.000 Nutzern herauszugeben. In dieser Funktion habe er bei den umstrittenen Aktiengeschäften geholfen, am Ende selbst aber einen Verlust von 50.000 Euro gemacht.

cte/Reuters/dpa



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