Sensationeller Kofferfund Milliarden-Anleihen entpuppen sich als Fälschung

Die Summe war zu hoch, um wahr zu sein: Der Fund von US-Staatanleihen im Wert von 134 Milliarden Dollar hat sich als Fälschung herausgestellt. Das teilte das US-Finanzministerium mit - nachdem es Fotos der angeblichen Staatspapiere gesehen hat.


Washington - Der Verdacht hat sich bestätigt: Die US-Staatsanleihen im Wert von 134 Milliarden Dollar, die zwei Männern Anfang Juni an der italienisch-schweizerischen Grenze abgenommen wurden, sind nicht echt. "Wir haben Fotos der Papiere gesehen, sie sind eindeutig gefälscht - und das noch nicht mal gut", sagte Stephen Meyerhardt vom amerikanischen Finanzministeriums am Freitag in Washington.

Ein weiterer, eindeutiger Hinweis, dass die Papiere nicht echt sind: Insgesamt seien derzeit lediglich Staatsanleihen im Wert von 105 Millionen Dollar im Umlauf - so dass allein die Summe der gefundenen Papiere die Außenstände des US-Finanzministeriums bei weitem übersteige.

Am 3. Juni hatten die italienischen Finanzbehörden zwei Japaner in Chiasso festgenommen, die die gefälschten Papiere bei sich hatten. Die beiden Männer waren mit der Bahn in die Schweiz unterwegs. Als sie aus dem Zug stiegen, entdeckten die Finanzpolizisten bei einer Kontrolle im internationalen Bahnhof von Chiasso die Papiere in einem Koffer - unter einem doppelten Boden. Die beiden rund 50 Jahre alten Männer hatten die Unterlagen nicht beim Zoll deklariert.

Nach Angaben der Finanzpolizei handelt es sich bei den Papieren um 249 US-Staatsobligationen mit einem Nennwert von je 500 Millionen Dollar sowie zehn sogenannte Kennedy-Bonds zu je einer Milliarde Dollar.

Dass die Papiere jetzt als Fälschungen enttarnt wurden, überrascht nicht: Vergleichbare Funde der Finanzpolizei stellten sich in der Vergangenheit regelmäßig als unecht heraus. So verhandelt das Gericht in Como derzeit den Fall eines "Mister Miliardo": Der 58-jährige Unternehmer aus Neapel mit Wohnsitz in Vaduz versuchte vor zwei Jahren, in einem unauffälligen VW-Passat nach Italien einzureisen. Mit dabei hatte er US-Staatsanleihen im Nennwert von einer Milliarde Dollar, die er einer Großbank in Bologna andrehen wollte. Die Wertpapiere waren ebenso gefälscht wie die US-Bonds für 120 Millionen Dollar, die ein 68-jähriger Römer vor Jahresfrist im Zug nach Mailand bei sich hatte. Der Fall liegt ebenfalls beim Gericht in Como.

Nur einen Tag vor dem Rekordfund bei den beiden Japanern flogen am Autobahnzoll Como-Brogeda überdies zwei Italiener auf, bei denen die Finanzpolizei gemäß Agenturberichten luxemburgische Obligationen im Wert von 2,163 Millionen Euro sicherstellte. Die beiden Männer hatten die 16 Obligationen in ihrer Jackentasche verstaut. Diese Papiere haben sich mittlerweile allerdings als echt herausgestellt.

Dass sie die Obligationen illegal einführen wollten, kostet die Männer nun 40 Prozent der Summe, knapp 900.000 Euro. Denn Beträge über 10.000 Euro müssen beim Zoll angegeben werden. Könnte der italienische Staat den entsprechenden Anteil an den angeblichen 134 Milliarden Dollar einbehalten, wäre dies ein willkommenes Geschenk für die Haushaltskasse.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass gerade bei Wertpapieren mit besonders vielen Nullen Zweifel angebracht sind. Betrüger versuchen sie beispielsweise als Garantien einzusetzen, die hinterlegt werden, um von Banken oder Financiers einen Bruchteil des angeblichen Wertes in bar zu bekommen.

sam/Reuters



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