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26.10.2009
 

Vorwurf der Stiftung Warentest

Postbank lässt externe Berater Konten einsehen

Postbank-Werbetafel: Größte Privatkundenbank DeutschlandsZur Großansicht
ddp

Postbank-Werbetafel: Größte Privatkundenbank Deutschlands

Die Stiftung Warentest erhebt massive Vorwürfe gegen die Postbank: Rund 4000 freie Mitarbeiter sollen den Kontostand und sämtliche Kontobewegungen einsehen können - selbst wenn Kunden dies explizit untersagt haben. Auch Prominente sind betroffen, Datenschützer zeigen sich empört.

Berlin - In der deutschen Wirtschaft gibt es möglicherweise einen neuen Datenskandal. Laut der Zeitschrift "Finanztest", die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird, können Tausende freie Mitarbeiter die Konten von Postbank-Kunden einsehen. Rund 4000 freie Vermittler der Bank könnten Kontostand und sämtliche Kontobewegungen verfolgen.

Dazu müssten die freien Vertreter lediglich den Namen und das Geburtsdatum eines Kunden in eine Datenbank der Postbank eingeben. Dies sei auch dann möglich, wenn ein Postbank-Kunde der Weitergabe seiner Daten durch das Institut nicht zugestimmt habe. Die für die Postbank zuständige nordrhein-westfälische Datenschutzbehörde hält das Vorgehen des Instituts für illegal, berichtet "Finanztest".

Die Behörde überprüfe nun den Umgang der Postbank mit vertraulichen Kontodaten, sagte eine Sprecherin am Montag. Es habe einige Beschwerden von Kunden gegeben. Insbesondere werde untersucht, ob freie Berater Kontobewegungen einsehen konnten. Dies sei selbst dann unzulässig, wenn ein Kunde eine Einwilligungserklärung der Postbank zur Weitergabe von Daten unterschrieben habe.

Kontodaten von Matthias Döpfner und Gerd Niebaum

Dem Magazin liegen nach eigenen Angaben die Kontodaten und Briefwechsel zahlreicher Postbank-Kunden vor. Darunter befänden sich auch Prominente wie der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, oder der ehemalige Präsident von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum.

Mit der Weitergabe dieser Daten verstoße die Bank systematisch gegen Datenschutzbestimmungen, teilte die Stiftung Warentest mit. Die Postbank ist die größte Privatkundenbank Deutschlands. Rund 14 Millionen Verbraucher haben bei dem Institut ein Konto. Die Postbank gehört zu gut einem Viertel der Deutschen Bank, die eine Komplettübernahme anstrebt.

Bei den Vertretern, die Einsicht in die Konten haben, handelt es sich laut Stiftung Warentest um etwa 4000 freie Mitarbeiter der Postbank Finanzberatung AG. Das 2006 gegründete Vertriebsunternehmen verkauft Produkte der Postbank und der BHW Bausparkasse. Wie die Stiftung berichtet, sollen die Daten laut interner Postbank-Anweisung den freien Vertretern bei ihrer Arbeit helfen. Sobald ein höherer Geldbetrag auf einem Konto eingehe, könnten die Berater den Kunden anrufen, um Geldanlagen zu verkaufen.

Postbank weist Vorwürfe zurück

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE betont die Postbank, die Postbank Finanzberatung AG sei eine Konzerngesellschaft der Deutschen Postbank AG. Die für die Gesellschaft tätigen mobilen Handelsvertreter träten ausschließlich im Namen und im Auftrag der Deutschen Postbank AG als Finanzberater auf. Die Weitergabe von Kunden- oder Kontodaten erfolge "anlassbezogen unter strengster Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen". Dafür sei keine gesonderte Einwilligung des Kunden erforderlich, da die Datenerhebung, Verarbeitung und Nutzung im Rahmen der Vertragsbeziehung erfolge.

Sofern es zu Verstößen gekommen sei, zum Beispiel im Fall der genannten Prominenten, werde die Postbank entschieden dagegen vorgehen "und unmittelbar strafrechtliche Schritte ergreifen".

In der deutschen Wirtschaft wurden in den vergangenen Monaten immer wieder massive Datenskandale bekannt. In der Kritik standen unter anderem die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom Chart zeigen und Lidl. Erst an diesem Wochenende hat der SPIEGEL einen neuen Fall von Datenmissbrauch bei Lidl in Irland aufgedeckt.

Postbank-Berater standen schon einmal in der Kritik

Die Zeitschrift "Finanztest" hatte schon in der vergangenen Woche Vorwürfe gegen die Postbank erhoben. Dabei ging es um Falschberatung, Urkundenfälschung und sinnloses Umschichten von Verträgen. Im Zentrum der Kritik stand auch hier die Postbank Finanzberatung AG.

Deren Berater stehen laut "Finanztest" nicht auf der Gehaltsliste der Bank, sondern leben ausschließlich von Provisionen. Die fließen aber nur, wenn die Berater möglichst viele Verträge verkaufen.

Es werde "auf Teufel komm raus verkauft, auch wenn ein Kunde gar keine Verträge benötigt", schreibt "Finanztest". Opfer von Falschberatungen seien besonders oft Ältere. So seien Senioren verstärkt Bausparverträge aufgeschwatzt worden, obwohl sie weder bauen noch renovieren wollten.

In drei Fällen fälschte ein Berater sogar Unterschriften. Er unterschrieb für Kunden Verträge, die diese gar nicht haben wollten. Erst nach Einschalten eines Anwalts löste die Postbank die Verträge wieder auf. Der Berater durfte dem Bericht zufolge trotz der Urkundenfälschung weiter für die Postbank arbeiten.

wal/AFP/dpa/Reuters

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