Berlin/Frankfurt am Main - In Deutschland werden massenhaft Kreditkarten ausgetauscht. Einzug und Ersatz der Karten seien "rein präventiv und dienen dazu, eventuellen Missbrauch der Daten auszuschließen", teilte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) von Banken und Sparkassen am Montag in Berlin mit. Befürchtet wird ein Betrug mit gefälschten Überweisungen. Bislang wurden noch keine Schadensfälle bekannt.
Die deutsche Kreditwirtschaft habe auf eine Warnmeldung von Visa und Mastercard reagiert. Demnach sei ein "Angriff bei einem spanischen Unternehmen auf Kreditkartendaten deutscher Kunden" möglich. "Die als potentiell gefährdet gemeldeten Karten werden von den deutschen Banken und Sparkassen kurzfristig kostenlos ausgetauscht", erklärte der ZKA. Die Kunden müssten für Schäden nicht haften.
Das Kreditkartenunternehmen Mastercard wollte nicht bestätigen, dass die Unregelmäßigkeiten bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister aufgetreten seien. Man habe die Kreditinstitute über Verdachtsmomente gegen ein Unternehmen in Europa informiert, sagte ein Sprecher. Damit ist klar, dass es sich nicht um vereinzelte Skimming-Fälle handelt, bei denen Kriminelle einzelne Kundendaten ausgespäht hätten.
Der Mastercard-Sprecher machte keine Angaben zum entstandenen Schaden und zu möglichen Fall- und Austauschzahlen. Er wies aber darauf hin, dass das Schadensrisiko bei den Banken und nicht bei den Kunden liege. Die Institute entschieden auch eigenständig, ob sie die Karten austauschen.
Auch Lufthansa betroffen
Ausgetauscht wurden nun auch Tausende Kreditkarten des Lufthansa
-Programms Miles & More. Nach Darstellung des Unternehmens ist den Kunden dabei kein Schaden entstanden. Sie hätten neue Mastercard-Kreditkarten mit neuen Kreditkartennummern erhalten. "Es handelt sich um eine reine Präventivmaßnahme", erklärte eine Sprecherin am Montag in Frankfurt. Zu Einzelheiten des Sicherheitslecks machte die Sprecherin keine Angaben.
Im Dunkeln blieb, wie viele Karten und Kunden betroffen sind und wie groß die Gefahr einzuschätzen ist, dass Betrüger Geld von fremden Konten abbuchen. Weder die Kreditkartenunternehmen noch die Bankenverbände noch einzelne Institute machten dazu konkrete Angaben.
Der Bankenexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Frank-Christian Pauli, sprach von einer "kriminellen Industrie", die Daten bei Dritten abfange und dann betrügerische Buchungen auslöse. "Davor können wir uns nicht schützen", sagte er.
Bundesweit haben mehrere Banken und Sparkassen Kreditkarten aus dem Verkehr gezogen. Bereits Ende Oktober hatte die KarstadtQuelle-Bank die Karten von 15.000 Kunden ausgetauscht. Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass auch die deutsche Niederlassung der britischen Bank Barclays
mehrere tausend Karten auswechselt, die kürzlich in Spanien verwendet wurden.
fro/dpa/AFP
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