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01.12.2009
 

Absurde Gadgets

Solar-Sexyness gegen Akku-Angst

Von Stefan Schultz

Energie-Gadgets: Rucksack, Schiff, Solar-Gorilla
Fotos
Getty Images

Handy-Hüllen werden Ladegeräte, Zelte und Bikinis produzieren Strom - Designer spicken immer mehr Geräte mit Solarzellen und schaffen so Ökoprodukte zwischen Absurdität und Avantgarde. SPIEGEL ONLINE zeigt die schrägsten Gadgets und sagt, was Experten von den Sonnenfängern halten.

Hamburg - Der Akku ist eine Erfindung, die uns das Leben erleichtert und uns zugleich stresst. Leert sich die Batterie, steigt die soziale Spannung. Etwa wenn das Handy schlapp macht, während man sich mit der Freundin zofft. Oder wenn der Laptop plötzlich runterfährt und ein Dokument in der digitalen Twilight-Zone verschwindet.

"Akku-Phobie" nennen Nutzer das bisweilen in Online-Foren: die Angst vor der Energie-Leere. Überhaupt ist das Zu- und Abnehmen des Akkus tief in unser kollektives Bewusstsein vorgedrungen. Gestresste Büromenschen sagen gern mal: "Mein Akku ist leer." Dann fahren sie in den Urlaub, wahlweise um "die Batterien wieder aufzuladen" oder um zu "entspannen".

Findige Produktevermarkter freuen sich. Sie nutzen die Akku-Angst, um den eigenen Absatz anzukurbeln.

Das geht ganz leicht: Einfach Solarzellen auf Handys, Tische oder Rucksäcke raufpropfen, schon verkauft sich vieles besser. "Der Zugang zur unerschöpflichen Energie scheint eine tief verwurzelte Sehnsucht zu sein", sagt Christopher Hebling, Abteilungsleiter Energietechnik am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). "Entsprechend verkaufsfördernd sind Solarzellen."

Mancher nutzt die glitzernden Plättchen als Mode-Accessoire und verwandelt Alltagsgegenstände damit erfolgreich in ökologisch korrekte Angeberprodukte. Das Unternehmen Voltaicsystems hat nach eigenen Angaben schon Hunderttausende mit Solarzellen gespickte Rucksäcke und Tragetaschen verkauft.

Image-Aufwertung durch Solar-Sexyness

Andere Firmen nutzen die Sexyness der Sonne als Werbegag. So entwarf der Dessous-Hersteller Triumph 2007 Prototypen eines Solar-Bikinis. Dessen Bilder gingen um die Welt, das energiegeladene Wäschestück selbst aber nie in Serie. "Nachfrage und Preis waren im ersten Moment leider schwer zu vereinbaren", teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Aufsehen erregte der Bikini dennoch.

Auch das Konzept eines Solarzelts, das das britische Mobilfunkunternehmen Orange 2008 präsentierte, bekam viel Aufmerksamkeit. Für begeisterte Berichte reichte das am Computer gebastelte Bild eines im warmen orangefarbenen Licht fluoreszierenden Zelts, dessen Form natürlich-organisch an ein Gürteltier erinnert.

Doch nicht nur Marketing-Strategen inspiriert der Solar-Boom. Auch Tüftler treibt die Vision unerschöpflicher Energie bisweilen in den technologischen Machbarkeitswahn. Französische Studenten haben einen Solarzeppelin gebaut und wollen damit bald den Ärmelkanal überqueren. Ein Team der Delft Technical University entwarf den Prototypen eines solargetriebenen Speed-Boots und brauste mit bis zu 30 Knoten zum Öko-Regatta-Sieg:

Praktisch dachte ein Wissenschaftler-Team der Thayer School of Engineering am Dartmouth College im US-Bundesstaat New Hampshire. Es schraubte ein sonnenlichtgetriebenes Schneemobil zusammen: eine Kiste mit Rädern untendran, die im langen antarktischen Sommer schwere Gegenstände hinter sich herziehen kann. Aufsehen erregte das Gefährt durch ein Bild, auf dem es einen Mann mit Laptop auf einem Snowboard durchs ewige Eis schleppt.

An die Grenzen des Machbaren - und des Geschmacks - ging auch der US-Tüftler Bob Schneeveis: Er baute eine Kutsche, die von einem solargetriebenen Roboter mit George-W.-Bush-Maske gezogen wird und "die Welt vor sich selbst retten" soll (zum Video).

Zwei bis 15 Prozent Energie-Ausbeute

Für Image-Kampagnen und aufwendige Wissenschaftsprojekte eignen sich Solargeräte hervorragend - aber taugen sie auch im Alltag? Wie energieeffizient können ein paar futuristische Zellen auf der Rückseite eines Telefons wirklich sein? Warum hat Samsungs Solar-Handy E1107 kürzlich im SPIEGEL-ONLINE-Test kläglich versagt?

"Der Wirkungsgrad der Solarzellen, die in Gadgets verwendet werden, schwankt zwischen zwei und 15 Prozent", sagt Fraunhofer-Experte Hebling. "Und das auch nur, wenn die Sonne ungehindert auf sie scheint." Unter einer Halogenlampe scheint auf eine Solarzelle dagegen gerade mal ein Hundertstel der solaren Einstrahlung. Bei der Einspeisung des Solarstroms in einen Akku gingen, je nachdem wie effizient die Spannungsumwandlung arbeite, noch einmal zehn bis 20 Prozent der erzeugten Energie verloren.


Handys können sich bei solch geringer Energieausbeute kaum allein aus Sonnenenergie speisen. Gute Chancen räumt Hebling dagegen Gadgets mit großer Oberfläche ein. "Zelte, Sonnenschirme, Teppiche - alles, was sich ausrollen oder aufspannen lässt, kann auch mit Billig-Solarzellen eine spürbare Strommenge erzeugen. Zumindest wenn das Wetter mitspielt."

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insgesamt 7 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.12.2009 von Datenscheich: Auch viel vernünftiges...

Die Kritikpunkte des Artikels sind zwar berechtigt - seine Gesamttendenz allerdings etwas einseitig. Als Beweis für sehr viele funktionierende und sinnvolle Einsatzbereiche empfehle ich einen Blick auf die folgende [...] mehr...

01.12.2009 von user_tha: Au weia: mehrmals 'Watt pro Stunde'

wer eine Fotostrecke wie die zu den Solarzellen-Bikinis etc. untertitelt, sollte doch bitte etwas Ahnung von Physik haben - und nicht mehrmals 'Watt pro Stunde' schreiben! Der Hammer ist die Beschriftung von Foto 15: [...] mehr...

01.12.2009 von user_tha: Au weia: mehrmals 'Watt pro Stunde'

wer eine Fotostrecke wie die zu den Solarzellen-Bikinis etc. untertitelt, sollte doch bitte etwas Ahnung von Physik haben - und nicht mehrmals 'Watt pro Stunde' schreiben! Der Hammer ist die Beschriftung von Foto 15: [...] mehr...

01.12.2009 von joachim84: re: Watt pro Stunde

Danke deleye! Aber wie ich Spiegel kenne sind die wieder zu faul das zu korrigieren... mehr...

01.12.2009 von deleye: "...pro Stunde zwischen vier und 15 Watt Strom" ?

Watt ist eine Leistung und keine Energie/Stromstärke. Also wohl eher 4 Watt Stunden [Wh]?! Wenn dem so wäre, könnte man zumindest einen Handy-Akku innerhalb ~ 1 Std laden. Bildunterschrift Bild 4: "...pro Stunde zwischen [...] mehr...

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