Zürich - Der mögliche Kauf von Steuerdaten durch die deutschen Finanzbehörden macht die Kunden von Schweizer Vermögensverwaltern nervös. "Bei uns laufen die Telefone heiß", berichtete ein Berater bei einer ausländischen Privatbank, der vor allem vermögende Deutsche betreut. "Die Kunden sind besorgt, ob auch sie von der Datenaffäre betroffen sein könnten." Ein Vermögensverwalter berichtete von einem Kunden, der erwäge, sich selber anzuzeigen. "Vielen Deutschen steht der kalte Schweiß auf der Stirn", sagte er.
"Ich hatte in den letzten Tagen Telefongespräche mit sechs verängstigten Kunden, die wissen wollten, wie sie sich verhalten sollen", berichtet ein bankenunabhängiger Vermögensverwalter. Doch auch die Vermögensverwaltungsbranche ist nervös. Ein Zürcher Vermögensverwalter sprach von einer neuen "Einschüchterungswelle Deutschlands", die dem Geschäft schade.
Den deutschen Finanzbehörden sind für angeblich 2,5 Millionen Euro Daten von rund 1500 Bundesbürgern mit Depots in der Schweiz angeboten worden. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble befürworten den Kauf der Daten, vor dem aber noch Gespräche mit den Bundesländern geführt werden müssen.
Die Regierung in Berlin mache Druck mit Behauptungen, die bisher unbestätigt geblieben seien, sagte ein Privatbanker. "Damit sollen möglichst viele Steuersünder zur Selbstanzeige bewegt werden". Bei manchen Kunden dürfte diese Taktik Früchte tragen. Während ein Branchenvertreter hoffte, dass sich die Lage wie in der Vergangenheit wieder beruhige, warnten andere vor einem Flächenbrand. "Das ist eine Zeitbombe", sagte ein Informatikexperte einer Privatbank. Technisch sei es möglich, fast jede elektronische Datenbank zu knacken. "Und wenn das Schule macht, dass Regierungen für gestohlene Daten bezahlen, ist das eine glasklare Einladung, eine Anstiftung zum Diebstahl."
als/Reuters
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