Von Susanne Amann
Hamburg - Es ist ein heftiger Streit, der um die Lebensmittelverpackungen der Zukunft tobt: Wie transparent werden Fett, Salz und Zucker gemacht, wie verbraucherfreundlich die Produkte künftig gekennzeichnet? Kinderärzte aus ganz Europa haben vor der Sitzung des EU-Parlaments zur Nährwertkennzeichnung an die Abgeordneten appelliert, sich nicht einseitig von den Lebensmittelkonzernen beeinflussen zu lassen.
"Wir bitten Sie dringend, nicht nur die Interessen der Nahrungsmittelindustrie zu unterstützen", heißt es in einem Brief des deutschen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte sowie der Vereinigung der europäischen Kinderärzte. Im Kampf gegen Übergewicht bräuchten vor allem Familien aus weniger gebildeten Schichten eine leicht verständliche, farblich untermalte Kennzeichnung von Fett, Zucker und Salz.
Am Dienstag stimmt der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlaments über den Verordnungsentwurf zur Nährwertkennzeichnung ab. Ärzte, Versicherungen und Verbraucherschützer laufen seit Monaten Sturm gegen die von der Industrie forcierte Regelung, die die sogenannte Ampelkennzeichnung nicht zulassen würde.
Die Folgekosten von Übergewicht und anderen Krankheiten, die durch den steigenden Konsum von Fertig- und Fast-Food-Gerichten zustande kämen, seien immens, heißt es in dem Brief. Auch der Verband der Europäischen Sozialversicherungen hat sich der Forderung der Kinderärzte angeschlossen: "Intransparenz über die Zusammensetzung eines Lebensmittels konterkariert das Engagement der Krankenversicherer für einen gesunden Lebensstil", heißt es in einem Positionspapier von über 40 nationalen Sozialversicherern.
Wirkungsvoller als jede Gesundheitsreform
Dass die farbliche Kennzeichnung exakt den Wünschen der Eltern entspricht, zeigt auch eine Umfrage der AOK: Demnach wünschen sich mehr als 90 Prozent aller Eltern eine einfache Kennzeichnung mit Ampelfarben etwa bei Getränkepackungen. So könnten sie mit nur einem Blick den Zuckergehalt eines Getränks erkennen und zuckerärmere Alternativen wählen. Die Untersuchung der Krankenkasse hatte gezeigt, dass nur knapp ein Viertel der befragten Eltern den Zuckergehalt von Cola und anderen Softdrinks richtig einschätzten.
"Ernährungsbedingte Krankheiten verursachen allein in Deutschland Kosten von rund 70 Milliarden Euro im Jahr", sagt Jürgen Graalmann, Vize-Chef des AOK-Bundesverbandes. "Bei der Prävention von Übergewicht ist eine verbraucherfreundliche und für alle Menschen leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung wie die Ampel unverzichtbar."
Auch von politischer Seite kommt Unterstützung: "Mit der Ampelkennzeichnung würde mehr für die Gesundheit der Verbraucher erreicht als mit jeder Gesundheitsreform", sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Gerade für Migranten und Menschen aus bildungsfernen Schichten mache die leicht verständliche Kennzeichnung einen enormen Unterschied. "Von der Ampel hängt die künftige Zahl von Bluthochdruck, Zuckererkrankungen, Schlaganfällen und Herzinfarkten ab."
Auf anderen Social Networks posten:
Nicht unehrlicher als jeder Kapitalist. Aber auch das ist schlimm genug. mehr...
...... Vor allem sind die Waren vom Discounter besser, jedenfalls was die Korrektheit der Angaben betrifft, denn Discounter stehen unter besonders kritischer Beobachtung, Zulieferer können sich gar keine Verstöße leisten, [...] mehr...
..aber die Kernaussage fehlt immer noch: Der normale Deutsche legt keinen gesteigerten Wert auf sein Nahrungsangebot. Hauptsache es sieht schön aus, macht wenig Arbeit, gibt was her und schmeckt ihm. Und genau das liefert ihm die [...] mehr...
... und unseren Bäcker loben! Der macht mit Abstand die weltbesten Roggen-Brötchen die ich je gegessen habe. Selbst nach zwei Tagen schmecken die noch. Außer einem kleinen Verkaufsladen direkt an der kleinen Bäckerei gibt es [...] mehr...
Titandioxid (E171 bzw. CL 77891) ist vielen Nahrungsergänzungsmitteln (Vitamin- und Mineralstoffpräparaten) und Arzneimitteln, aber auch Dragees, Kaugummis und Überzügen, Zahnpasta und Sonnenschutzmitteln zugesetzt. Titandioxid [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Verbraucher & Service | RSS |
| alles zum Thema Lebensmittelampel | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH