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15.03.2010
 

Ampelkennzeichnung

Kinderärzte mobilisieren gegen Lebensmittelindustrie

Von Susanne Amann

Lebensmittel: 90 Prozent aller Eltern sind für eine einfache AmpelkennzeichnungZur Großansicht
AP

Lebensmittel: 90 Prozent aller Eltern sind für eine einfache Ampelkennzeichnung

Kinderärzte aus ganz Europa haben an die EU-Parlamentarier appelliert, sich für eine farbliche Kennzeichnung bei Lebensmitteln einzusetzen - und gegen die Interessen der Industrie. Eine Umfrage der AOK zeigt, dass das im Sinn der Eltern ist.

Hamburg - Es ist ein heftiger Streit, der um die Lebensmittelverpackungen der Zukunft tobt: Wie transparent werden Fett, Salz und Zucker gemacht, wie verbraucherfreundlich die Produkte künftig gekennzeichnet? Kinderärzte aus ganz Europa haben vor der Sitzung des EU-Parlaments zur Nährwertkennzeichnung an die Abgeordneten appelliert, sich nicht einseitig von den Lebensmittelkonzernen beeinflussen zu lassen.

"Wir bitten Sie dringend, nicht nur die Interessen der Nahrungsmittelindustrie zu unterstützen", heißt es in einem Brief des deutschen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte sowie der Vereinigung der europäischen Kinderärzte. Im Kampf gegen Übergewicht bräuchten vor allem Familien aus weniger gebildeten Schichten eine leicht verständliche, farblich untermalte Kennzeichnung von Fett, Zucker und Salz.

Am Dienstag stimmt der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlaments über den Verordnungsentwurf zur Nährwertkennzeichnung ab. Ärzte, Versicherungen und Verbraucherschützer laufen seit Monaten Sturm gegen die von der Industrie forcierte Regelung, die die sogenannte Ampelkennzeichnung nicht zulassen würde.

Die Folgekosten von Übergewicht und anderen Krankheiten, die durch den steigenden Konsum von Fertig- und Fast-Food-Gerichten zustande kämen, seien immens, heißt es in dem Brief. Auch der Verband der Europäischen Sozialversicherungen hat sich der Forderung der Kinderärzte angeschlossen: "Intransparenz über die Zusammensetzung eines Lebensmittels konterkariert das Engagement der Krankenversicherer für einen gesunden Lebensstil", heißt es in einem Positionspapier von über 40 nationalen Sozialversicherern.

Wirkungsvoller als jede Gesundheitsreform

Dass die farbliche Kennzeichnung exakt den Wünschen der Eltern entspricht, zeigt auch eine Umfrage der AOK: Demnach wünschen sich mehr als 90 Prozent aller Eltern eine einfache Kennzeichnung mit Ampelfarben etwa bei Getränkepackungen. So könnten sie mit nur einem Blick den Zuckergehalt eines Getränks erkennen und zuckerärmere Alternativen wählen. Die Untersuchung der Krankenkasse hatte gezeigt, dass nur knapp ein Viertel der befragten Eltern den Zuckergehalt von Cola und anderen Softdrinks richtig einschätzten.

"Ernährungsbedingte Krankheiten verursachen allein in Deutschland Kosten von rund 70 Milliarden Euro im Jahr", sagt Jürgen Graalmann, Vize-Chef des AOK-Bundesverbandes. "Bei der Prävention von Übergewicht ist eine verbraucherfreundliche und für alle Menschen leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung wie die Ampel unverzichtbar."

Auch von politischer Seite kommt Unterstützung: "Mit der Ampelkennzeichnung würde mehr für die Gesundheit der Verbraucher erreicht als mit jeder Gesundheitsreform", sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Gerade für Migranten und Menschen aus bildungsfernen Schichten mache die leicht verständliche Kennzeichnung einen enormen Unterschied. "Von der Ampel hängt die künftige Zahl von Bluthochdruck, Zuckererkrankungen, Schlaganfällen und Herzinfarkten ab."

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09.08.2010 von tobilechat: All the same to me

Nicht unehrlicher als jeder Kapitalist. Aber auch das ist schlimm genug. mehr...

07.06.2010 von rabenkrähe:

...... Vor allem sind die Waren vom Discounter besser, jedenfalls was die Korrektheit der Angaben betrifft, denn Discounter stehen unter besonders kritischer Beobachtung, Zulieferer können sich gar keine Verstöße leisten, [...] mehr...

07.06.2010 von Zuversicht: 746 Beiträge...

..aber die Kernaussage fehlt immer noch: Der normale Deutsche legt keinen gesteigerten Wert auf sein Nahrungsangebot. Hauptsache es sieht schön aus, macht wenig Arbeit, gibt was her und schmeckt ihm. Und genau das liefert ihm die [...] mehr...

31.05.2010 von enwaja: Muß mich hier mal ganz kurz einklinken...

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28.05.2010 von Obotrit: Werden Zusatzstoffe überhaupt kontrolliert?

Titandioxid (E171 bzw. CL 77891) ist vielen Nahrungsergänzungsmitteln (Vitamin- und Mineralstoffpräparaten) und Arzneimitteln, aber auch Dragees, Kaugummis und Überzügen, Zahnpasta und Sonnenschutzmitteln zugesetzt. Titandioxid [...] mehr...

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Nährwertkennzeichnung

Zwischen Industrie, Politik, Gesundheitsexperten und Verbraucherschützern wird seit langem erbittert über die Nährwertkennzeichnung gestritten: Gesundheitsexperten und Verbraucherorganisationen fordern eine farbliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe nach einem Ampelsystem. Mit den Farben grün (niedrig), gelb (mittel) und rot (hoch) soll dem Verbraucher einfach und schnell signalisiert werden, was er isst. Die Lebensmittelindustrie lehnt dieses System jedoch ab - weil es bestimmte Lebensmittel diskriminiere. Sie hat sich stattdessen auf das sogenannte GDA-System (Guideline daily amount) verständigt, das den Nährwert bezogen auf Portionsgrößen angibt. Die aber sind laut Kritikern so willkürlich gewählt, dass sie den Vergleich schwierig machen. Außerdem geht das GDA-System von unrealistischen Portionsgrößen aus: So empfehlen sie etwa eine halbe Tiefkühlpizza oder eine winzige Handvoll von 25 Gramm bei Erdnüssen. Im Juni 2010 hat das EU-Parlament die Einführung einer europaweiten Ampelkennzeichnung abgelehnt.


Übergewicht und Fettsucht

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