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08.04.2010
 

Kostensteigerung seit Januar

Zocker treiben Benzinpreis um 14 Cent nach oben

Von Stefan Schultz

Tankstelle an Ostern: Spekulanten treiben den SpritspreisZur Großansicht
dpa

Tankstelle an Ostern: Spekulanten treiben den Spritspreis

Der Ölpreis steigt seit Monaten - daran sind laut einer Studie auch Banken und Hedgefonds Schuld: Sie kaufen Öl, das noch gar nicht gefördert wurde, und erzeugen einen künstlichen Nachfrage-Boom. Ohne die Spekulanten könnte Benzin rund 14 Cent billiger sein.

Hamburg - Die hohen Rohstoffpreise entwickeln sich immer stärker zur Belastung für die Verbraucher. Der Ölpreis hat sich seit Januar 2009 mehr als verdoppelt - von knapp über 40 auf gegenwärtig 85 Dollar je Fass. Mittelfristig treibt das die Heizkosten und die Herstellungskosten vieler Produkte hoch - und damit letztlich die Verbraucherpreise. Auch der Benzinpreis hat kräftig angezogen: Um die Ostertage riss er an einigen Orten gar die 1,50-Euro-Marke.

Ein Gutachten des Hamburger Ölexperten Steffen Bukold zeigt nun: Die satten Preiszuschläge gehen zu einem erheblichen Teil auf Spekulationen zurück. "Traditionelle Erklärungen, die nur auf den physischen Ölmarkt schauen, sind nicht hilfreich", heißt es in der Studie, die Bukold im Auftrag der Grünen erstellt hat. "Ein Überangebot an Rohöl, schwache Nachfrage und überquellende Lager hätten zu sinkenden, bestenfalls stagnierenden Rohölpreisen führen müssen."

Die Erklärung liegt im starken Engagement von Finanzinvestoren, die an Terminbörsen im großen Stil sogenannte Öllieferkontrakte kaufen. Das sind Dokumente, die sie, vereinfacht gesagt, auf dem Papier zum Besitzer einer bestimmten Menge Öl machen, die in Zukunft erst noch gefördert werden muss.

Ursprünglich dienten solche Kontrakte dazu, Unternehmen Planungssicherheit bei der Ölversorgung zu geben, doch die Papiere lassen sich auch vortrefflich als Spekulationsobjekte einsetzen: Man kann beispielsweise auf steigende Ölpreise wetten, also auf dem Papier eine gewisse Menge Öl günstig einkaufen - und den Kontrakt, sobald der Preis gestiegen ist, gewinnbringend weiterverkaufen.

Öl könnte ohne Spekulation bis zu 35 Prozent billiger sein

Bukold zufolge ist der Handel mit Ölkontrakten bedenklich angeschwollen. An den großen Ölbörsen - insbesondere an der Nymex in New York und der ICE in London - würden inzwischen an einem durchschnittlichen Handelstag 1,1 Milliarden Barrel im Wert von 93 Milliarden Dollar "umgeschlagen". Dieses Handelsvolumen sei 13-mal größer als die Menge Erdöl, die tatsächlich physisch gefördert werde.

Das treibe den Ölpreis massiv: "Nach unserer Analyse werden die Rohölpreise im Moment durch eine kurzfristige Spekulationswelle um 8 bis 12 Dollar pro Barrel und durch langfristige Spekulationswellen um zusätzliche 17 bis 23 Dollar pro Barrel erhöht", schreibt Bukold in der Studie. Der Rohölpreis von derzeit 85 Dollar pro Barrel erhalte dadurch eine Spekulationsprämie von rund 30 Dollar pro Barrel. Öl könnte dieser Rechnung zufolge ohne Spekulation rund 35 Prozent billiger sein.

Auf den Spritpreis hat das laut Bukold ebenfalls eine große Wirkung. Die Benzin- und Dieselpreise seien im Schnitt um 0,14 Euro je Liter noch oben verzerrt, heißt es in der Studie. "Deutsche Autofahrer werden dadurch bei einer Tankfüllung von 50 Litern mit sieben Euro zusätzlich belastet", heißt es in der Studie. Auf ein Jahr hochgerechnet seien das - bei 13.000 km Fahrleistung und einem durchschnittlichen Verbrauch von 7,5 Litern - 136 Euro Mehrkosten pro Fahrzeug. Addiere man die Belastung aller Autos in deutschen Privathaushalten, ergäben sich Mehrkosten von fünf Milliarden Euro.

Benzinpreis von zwei Euro pro Liter möglich

Und das ist noch nicht alles. Bukold geht davon aus, dass die Kosten in den kommenden Monaten noch kräftig steigen werden. Die globale Nachfrage nach Öl ziehe in diesem Jahr an, parallel dazu schrumpften die Reservekapazitäten der Opec-Staaten. Eine mittelfristige Angebotsverknappung sei unausweichlich. Gleichzeitig versorgten die Zentralbanken durch ihre Niedrigzinspolitik auch Spekulanten mit billigem Geld. Das alles spreche für steil steigende Ölpreise. Rekordpreise von mehr als 150 Dollar pro Fass und Benzinpreise von mehr als zwei Euro pro Liter seien "wahrscheinlich".

In der Grünen-Fraktion sorgen solche Ausblicke für Verärgerung. Die Spekulation von Banken und Hedgefonds richte einen immensen Schaden an, sagt Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, SPIEGEL ONLINE. Besonders für die Mobilitätsfähigkeit von unteren Einkommensschichten habe die Ölspekulation weitreichende negative Folgen.

Direkte Abhilfe sei nicht einfach, da die Hebel zur Eindämmung der Spekulation bei der amerikanischen und britischen Regierungen lägen - und die zierten sich, ihre Finanzplätze zu reformieren. "Die Bundesregierung muss über die EU Druck aufbauen", fordert Höhn. Gefragt sei mehr Transparenz und eine Einschränkung der Spekulationsmöglichkeiten. Auch eine Steuer auf Transaktionen wäre denkbar, um ausufernde Spekulationen zu erschweren.

Die Branche selbst sieht die Zusammenhänge anders. Nicht Zocker bestimmten die Preise, sondern das Kartell der erdölproduzierenden Staaten (Opec). "Die Erhöhung des Ölpreises lässt sich nur durch gezielte Produktionsverknappung der Opec erklären", sagte Christoph Rühl, Chefökonom des britischen Mineralölkonzerns BP, der "Süddeutschen Zeitung". "Finanzinvestoren können existierende Entwicklungen verstärken, sie können sie aber nicht auslösen."

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Die neuesten Beiträge:
19.05.2010 von Thraex: Es nervt einfach nur noch

Es ist einfach nur noch ekelhaft wie die Konzerne uns abzocken, der Ölpreis fällt und fällt (derzeit 71,15€ pro Barell, der Spritpreis bleibt aber konstant hoch (im schnitt 1,42€). Warum wird da nicht mal wieder drüber berichtet? [...] mehr...

22.04.2010 von pesi82: Existenzielle Grundlage

Nun ja, ob das Autofahren in dem Masse, wie wir alle es betreiben, existenziell ist, sei mal dahingestellt. Die Frage ist doch immer, ob es Alternativen gibt. Es ist ja z.B. offensichtlich, dass wir keinen Reis mehr kaufen [...] mehr...

11.04.2010 von Ulsto11: Zeit für eine grössere Geldtasche

Der Autofahrer - Die Melkkuh der Nation! Sind wir ja schon gewohnt! Wenn Vater Staat dies macht, kommt es der Allgemeinheit zugute oder wird für die Fehler eines so manchen, vom Volk gewählten Politiker verwendet! Wenn einige [...] mehr...

10.04.2010 von Lazarus Long: Arbeitssklaven

...aber nicht doch. Wenn's zu teuer wird spannen wir halt Arbeitssklaven vor die Deichsel, so gleicht sich das wieder aus. Mal im Ernst: GLAUBEN Sie eigentlich an die primitiven Vereinfachungen die Sie da von sich geben? Der [...] mehr...

10.04.2010 von Rudolf_56: Nur Verbote helfen

Haben Sie mich wohl nicht verstanden oder ich habe mich falsch ausgedrückt. Auch Sie kennen mindestens einen 2-Personenhaushalt, in dem nur einer berufstätig ist und mit dem Auto zur Arbeit fährt, und der andere zur Kurzweil [...] mehr...

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