Von Christian Teevs
Berlin - Für Sandra Gensch klang die Sache mit dem Haus wie ein Märchen. Ihr Mann Oliver und sie sollten ihr Eigenheim bekommen - und das an Weihnachten. Beim Gewinnspiel "Haustraum unterm Weihnachtsbaum" hatten sie mitgemacht und gewonnen. Verlost wurde der Gewinn im Dezember 2008 vom "Berliner Kurier" und der Privileg Massivhaus AG.
Doch knapp 16 Monate später ist Gensch ernüchtert: "Wir haben unser Haus immer noch nicht, dafür 155.000 Euro Schulden und einen Riesenärger." Die 29-jährige Berlinerin klagt an: "Die Baufirma Privileg vertröstet uns immer wieder und betreibt eine Verzögerungsstrategie." Obwohl die Familie seit August 2009 alle Bauherrenleistungen erfüllt hat - sprich Grundstück gekauft, Bodengutachten erstellen und Statik prüfen lassen -, sei der Bau nach wie vor im Anfangsstadium.
"Laut den Geschäftsbedingungen soll das Fertighaus in der Regel nach acht Monaten stehen", sagt Gensch. Doch bislang seien die Bauarbeiter nur insgesamt acht Tage da gewesen. Auf der Baustelle in Dallgow-Döberitz stehen bislang nur das Fundament und die Wände des Erdgeschosses. "Dabei war uns bekannt, dass man das Haus innerhalb von sechs bis acht Wochen fertigstellen könnte. Aber Privileg hat uns immer wieder hingehalten."
Privileg Massivhaus weist die Vorwürfe auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE vollständig zurück, will sich ansonsten aber im Detail nicht zu dem Vorgang äußern.
Auch gegen den "Kurier", eine Boulevardzeitung, die vor allem im Osten Berlins gelesen wird, erhebt die 29-Jährige schwere Vorwürfe. "Der 'Kurier' hat uns immer das Gefühl gegeben, wir bräuchten uns keine Sorgen zu machen, obwohl wir schon von Anfang an ein komisches Gefühl bei der Sache hatten." Aber wegen der Beteuerungen der Zeitung, alles werde gut, habe die Familie sich für den Kauf eines Grundstücks entschieden - und dafür einen Kredit von 155.000 Euro aufgenommen.
Seit acht Monaten Doppelbelastung Miete und Kredit
Hans-Peter Buschheuer, Chefredakteur des "Berliner Kuriers", weist die Vorwürfe zurück. Es bestehe ein "ständiger Kontakt der Familie Gensch zur Redaktion als auch seit März zur Rechtsabteilung" der Zeitung. "Privileg Massivhaus wurde bereits durch mehrere Schreiben und Anrufe unsererseits dazu aufgefordert, den Hausbau für die Familie Gensch unverzüglich fortzusetzen." Dabei sei stets deutlich auf die bestehenden vertraglichen Verpflichtungen hingewiesen worden.
Er habe sich persönlich vor Ort in Dallgow-Döberitz vom Zustand des Rohbaus überzeugt, sagt Buschheuer. Weil Gensch das Grundstück erst im August zur Verfügung gestellt hat und wegen des "langen und harten Winters" empfinde er "den Baufortschritt als angemessen".
Doch Gensch will das Argument der Verzögerungen wegen des Wetters nicht gelten lassen. "Schon seit Wochen ist das Wetter wieder okay, doch seit dem 8. März ist an dem Haus nichts gemacht worden."
Für Familie Gensch wird der Gewinn immer mehr zum Alptraum. "Seit acht Monaten haben wir nun die Doppelbelastung Miete und Kreditrückzahlung", sagt Gensch. "Lange können wir uns das nicht mehr leisten." Sie muss schon jetzt Vollzeit bei der evangelischen Kirche arbeiten, obwohl das Paar zwei Kinder hat - einen dreijährigen Sohn und eine einjährige Tochter. Sandra Gensch würde lieber nur halbtags arbeiten. "Doch ohne ihr Einkommen wären wir schon pleite", sagt der Ehemann.
"Wir wollten den Leuten nicht auf die Nerven gehen"
Oliver Gensch erzählt, wie der gegenwärtige Tagesablauf der Familie aussehe: "Jeden Morgen um vier Uhr aufstehen, um 5.20 Uhr den Sohn in den Kindergarten bringen, dann um sechs Uhr die Tochter zu den Schwiegereltern, dann zur Arbeit. Abends die Kinder wieder einsammeln und dann noch an den Rechner setzen, um E-Mails an den 'Kurier' und Privileg zu schreiben." Über 250 habe er inzwischen verfasst.
"Kurier"-Chefredakteur Buschheuer sagte SPIEGEL ONLINE, der Verlag bemühe sich, "bestmöglich zu einer raschen Lösung beizutragen". Sollte dies nicht durch Vermittlung zwischen den Genschs und Privileg möglich sein, "ziehen wir in Erwägung, zu gegebener Zeit weitere Schritte gegen Privileg Massivhaus einzuleiten". Derzeit seien keine weiteren Projekte mit dem Unternehmen geplant.
Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE betont Oliver Gensch immer wieder, er wolle nicht undankbar erscheinen. "Wir wollten den Leuten nicht auf die Nerven gehen. Wir waren ja wahnsinnig froh, das Haus gewonnen zu haben." Doch mittlerweile belaste der Gewinn seine Ehe. Seine Frau sei zeitweise schwer erkrankt, in den Gesprächen der Familie gehe es fast nur noch um das Haus.
Und dann sagt Sandra Gensch einen Satz, der ihre ganze Lage zusammenfasst: "Wir haben das Haus nicht gewonnen, sondern teuer mit den Nerven bezahlt."
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Oh wie schön! Und was will uns der Besitzer außer selbstgefälliger Protzerei mit einem guten Fressen für einen Aasgeier damit sagen? Mit dem Fall Gensch hat es wohl weniger zu tun. Dann züchten Sie mal Schafe. Da haben Sie [...] mehr...
Also das ist ja nun Blödsinn.Unabhängig davon, wie es nun in der Praxis gelaufen ist, hat die Familie einen kostenlosen Hausbau gewonnen.Egal ob dieser Bau nun 50.000 oder 100.000 Eur kostet, von einem "lächerlichen" [...] mehr...
dass wir nur in den Kommentaren hier erfahren, wie die Sache ausgegangen (weitergegangen) ist. Ich habe es googlen muessen, weil ich mich nicht mehr gnau erinnern konnte an die Namen, war aber neugierig auf den weiteren Verlauf [...] mehr...
wurde eigenlich dann von der betroffenen Familie keine Unterlassungserkärung verlangt, sondern nur von Kerner/Sat1 und Spiegel? na ja Fragen über Fragen finde ich schon seltsam. Als Unternehmen hätte ich eine andere Art der [...] mehr...
Sat 1/Kerner sowie Spiegel TV haben eine Unterlassungserklärung abgegeben udn somit bestätigt das der Bericht nicht der Wahrheit entspricht. Der entstandene Schaden ist nicht wieder gut zu machen. Es lebe die Presse mehr...
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