Von Karen Schmidt
Die Arbeit auf dem Bau ist gefährlich: Ein falscher Schritt auf dem Gerüst, Halt verloren, abgestürzt. Das halten die wenigsten Knochen aus. Wie groß das Problem wirklich ist, zeigt eine Umfrage des Magazins " Das Investment". So berichtet Frank B. von einem Bekannten, dessen Ellenbogen bei einem Unfall zerstört wurde - und damit die Arbeitskraft (siehe Umfrage in der linken Spalte).
Auch der freiberuflich arbeitende Bauleiter Norbert N. wurde von seinem Körper zu einem Jahr Zwangspause verdonnert. Die Bandscheiben streikten, Norbert N. musste in den OP. Danach kamen die Reha und zwölf Monate Halbtagsarbeit - der Rücken hatte den Bauleiter berufsunfähig gemacht. Denn als berufsunfähig gilt, wer nicht mehr als 50 Prozent seiner vorherigen Arbeitsleistung erbringen kann.
Vom Staat konnte Norbert N. keine Hilfe erwarten: Weil er als Selbständiger nicht in die Rentenkasse einzahlte, bekam er auch keine staatliche Erwerbsminderungsrente. Aber der Bauleiter hatte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Sein Anbieter HDI-Gerling fragte bei Norbert N.s Ärzten nach, erkannte die Berufsunfähigkeit (BU) an und überwies ihm dann jeden Monat die vereinbarten 3500 Euro aufs Konto.
Norbert N. gehört damit einer Minderheit an. Eine Umfrage seines Anbieters HDI-Gerling zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Forsa unter 1000 Deutschen ergab, dass 56 Prozent sich nicht gegen eine Berufsunfähigkeit abgesichert haben. Den meisten von ihnen, fast 70 Prozent, ist die Absicherung schlicht zu teuer.
Die BU-Versicherung gehört in der Tat nicht zu den günstigsten Policen. Ein 35-jähriger Nichtraucher, der eine Rente von 1500 Euro für den Ernstfall vereinbart (60 Prozent des Bruttoeinkommens sollten es mindestens sein), zahlt pro Monat für eine gute Police rund 70 Euro. Die muss man erst einmal übrig haben.
Kerngesund ist kein Argument
Zweitwichtigster Grund für den Verzicht auf eine BU-Versicherung ist ein vermeintlich guter Gesundheitszustand: Mehr als jeder dritte BU-Verweigerer argumentiert, er sei kerngesund. Laut Deutscher Rentenversicherung Bund (DRV) wird aber jeder dritte Arbeiter und jeder fünfte Angestellte berufsunfähig, bevor er das Rentenalter erreicht. Und zwar zum Großteil nicht als Folge von Unfällen, wie die meisten Deutschen glauben, sondern wegen psychischen Drucks wie Stress, wegen Krebs- und wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So viel zur stabilen Gesundheit.
Wer seinen Beruf aber nicht mehr ausüben kann, bekommt auch kein monatliches Einkommen mehr. Und der Staat springt als Retter in der Not bei einer BU nur sehr begrenzt ein - insbesondere bei denen, die nach 1961 geboren sind. Sie bekommen nur eine Erwerbsminderungsrente, die knapp einem Drittel des letzten Bruttoeinkommens entspricht.
Diese Rente gibt es aber nur für diejenigen, die mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben und weniger als drei Stunden pro Tag arbeiten können - egal ob im eigenen oder in einem anderen Beruf. Wer drei bis sechs Stunden pro Tag in Büro und Co. verbringen kann, bekommt davon nur die Hälfte. Selbständige wie Norbert N. gehen komplett leer aus.
So müssen 68 Prozent der Männer, die eine Erwerbsminderungsrente vom Staat bekommen, mit maximal 750 Euro monatlich auskommen, bei den Frauen sind es laut DRV 77 Prozent. Wer seinen Lebensstandard auch ohne Arbeit halten will, kommt um eine BU-Versicherung also nicht herum.
Dass das so viele anders sehen, hat einen weiteren Grund: das Misstrauen. "Ich fürchte, der Versicherer würde sich vor der Zahlung drücken", sagen 15 Prozent in der Forsa-Umfrage. Gerade bei BU-Versicherungen hält sich das Image der geizigen Versicherer hartnäckig. Nicht ohne Grund: Anders als zum Beispiel bei der Risikolebensversicherung, bei der es kaum relevante Unterschiede in den Vertragsbedingungen gibt, ist das Kleingedruckte bei den BU-Policen oft besonders kompliziert und undurchsichtig. Und für den Versicherten damit voller potentieller Paragrafen, die regeln, dass die Versicherung trotz einer BU doch nicht zahlt.
Wichtig: der Bedingungscheck
Will sich jemand ernsthaft gegen Berufsunfähigkeit versichern, gehört der Blick in die Bedingungen daher zur wichtigsten Hausaufgabe. Ein entscheidendes Kriterium für eine gute Police ist etwa, dass ein Anbieter auf die sogenannte abstrakte Verweisung verzichtet. Tut er das nicht, kann er sich um die Zahlung der BU-Rente drücken, wenn sein Kunde theoretisch noch in einem vergleichbaren Beruf arbeiten könnte. (Weitere wichtige Kriterien für gute BU-Versicherungen finden Sie in der linken Spalte.)
Eine wichtige Kennzahl ist auch die Prozessquote. Sie gibt an, wie oft ein Versicherer von seinen Kunden vor Gericht gezerrt wurde (siehe linke Spalte). Je niedriger diese Prozessquote ist, desto kundenfreundlicher ist üblicherweise die Versicherungsgesellschaft. Und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Ernstfall zahlt, ohne lange zu mucken.
Das Magazin "Das Investment" fragte Passanten, was sie unter Berufsunfähigkeit (BU) verstehen, wie es dazu kommen kann und ob sie dagegen versichert sind. Ergebnis: Fünf der sieben Befragten schützen sich über eine Versicherung gegen das Risiko. Allgemeiner Irrglaube herrscht aber darüber, wie es zur BU kommt: Hier nannten die sieben fast allesamt Unfälle als Hauptursache.
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Eine (möglicherweise ketzerische) Frage in die Runde, auf die ich bisher keine Antwort gefunden habe: Lohnt sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Geringverdiener überhaupt? Angenommen, z.B. eine der [...] mehr...
... das ist ja schon ein Ding. Beim Lesen beschlich mich die ganze Zeit das Gefühl, keinen unabhängigen redaktionellen Text zu lesen. Es fehlt nur noch das "Anzeige" über dem Text. Und dann die Nennung von [...] mehr...
Wenn der Staat die Leistungen für EU soweit kürzt, dass man im Fall der Fälle nur mit einer privaten BUZ über die Runden kommt, dann sollte man sich auch versichern können. Falls man den Fehler macht und bei Gesundheitsfragen [...] mehr...
Die privaten Versicherer müssen Geld verdienen, die staatliche Absicherung gegen Berufs- und/oder Arbeitsunfähigkeit war solidatisch finanziert, da war kein Zwang zum Geldverdienen. Und selbstverständlich sitzen den [...] mehr...
Steht gleich ziemlich am Anfang: HDI-Gerling! Nachdem die rot-grüne Regierung heimlich die gesetztliche EU-Rente abgeschafft hat und eine private EU-Rente zu dieser Zeit noch sehr unbekannt war für AN, sind viel Leute mit EU [...] mehr...
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