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01.05.2010
 

Studie zu Lebensmitteln

Nährwertangaben überfordern die Verbraucher

Die meisten Verbraucher nutzen Nährwertangaben auf Lebenmitteln nicht. Das hat eine Studie aus Münster ergeben. Theoretisch finden die Kunden die Informationen zwar wichtig, in der Praxis schauen sie jedoch kaum drauf.

Hamburg - Auf vielen Lebensmittelpackungen finden sich inzwischen Angaben über Fett- und Zuckergehalt des Inhalts. Das finden die Verbraucher prima. Allerdings nutzt kaum jemand die Informationen. Das zeigt nach Informationen des SPIEGEL eine neue Studie der Fachhochschule Münster. Besonders angebracht finden die Kunden demnach detaillierte Informationen etwa über den Fett- und Zuckergehalt bei Süßwaren, Fertigprodukten, Tiefkühlkost oder Softdrinks. Einfluss darauf, was anschließend im Einkaufswagen landet, hat das jedoch fast nicht. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, beim Einkauf nicht auf die Inhaltsstoffe zu achten - unter anderem weil es zu viel Zeit koste.

"Auch eine 'optimierte' Lebensmittelkennzeichnung würde nicht automatisch dafür sorgen, dass sich die Konsumenten gesünder ernähren", sagt Holger Buxel, Autor der Studie. Auf Nährwerte zu achten hänge stärker vom eigenen Gesundheitsbewusstsein ab als von der Art der Kennzeichnung.

Laut Studie verstehen die Kunden allerdings das von Gesundheitsexperten und Verbraucherschützern geforderte System mit den Farben Rot, Gelb und Grün deutlich besser als ein von der Industrie favorisiertes Modell. Im März hatte sich der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments allerdings knapp gegen eine solche Ampel-Kennzeichnung ausgesprochen. Die erste Abstimmung der EU-Abgeordneten findet noch in diesem Monat statt.

Seit vier Jahren tobt der Streit zwischen Industrie, Medizinern und Verbraucherschützern über eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung. Eine Zeitlang sah es gut aus für die Ampel: Grüne, Linke und die SPD waren dafür - Anfang 2008 ließ Horst Seehofer, damals noch Verbraucherminister, sogar eine farbliche Kennzeichnung testen.

Doch die Industrie, allen voran Konzerne wie Danone, Coca-Cola und Mars, lancierten Gegenstrategien. Sie ließen PR-Agenturen Kampagnen entwerfen gegen die britische Farbenlehre. Sie bearbeiteten die EU-Kommission in Brüssel und verwahrten sich gegen die "Diskriminierung" bestimmter Produkte. Besonders allergisch reagierte die Süßwarenindustrie. Ein Papier des Branchenverbands bezeichnete sogar Nährwertprofile schon als "Sprengstoff" für die Unternehmen.

ler

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