Von Stefan Schultz und Alexander Trempler (Grafik)
Hamburg - Die Finanzkrise hat eines gezeigt: Kommt es hart auf hart, können sich viele Banken nicht aus eigener Kraft retten. Zwar gibt es Vorschriften, wonach die Institute jedes Finanz- und Kreditgeschäft mit einem bestimmten Anteil Eigenkapital hinterlegen müssen. Dieser ist umso höher, je riskanter das Geschäft ist.
Doch werden die Ausfälle zu groß, versagt das System irgendwann. Griechenland etwa hat bei Geldkonzernen rund um den Globus knapp 270 Milliarden Euro Schulden. Hätte Europa das Land nicht gerettet, würde eine Kettenreaktion drohen: Erst würden die Banken pleitegehen, die zu viele griechische Staatsanleihen besitzen. Dann die Institute, die den insolventen Konkurrenten zu viel Geld geliehen hatten. Die Kreditwirtschaft wäre zusehends gefährdet - und damit auch die Geschäfte in anderen Branchen.
Um eine solche Kettenreaktion künftig auszuschließen, macht die EU sich für eine sogenannte Finanzstabilitätsabgabe stark. Institute sollen Geld in einen Notfalltopf einzahlen. Droht einer Bank die Pleite, könnte sie vom Kollektiv gestützt werden.
Wie das funktioniert, zeigt die folgende Grafik.
Ende Juni auf dem Gipfel der 20 mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt (G20) will EU-Kommissar Michel Barnier deshalb eine Finanzstabilitätsabgabe durchsetzen. Einzahlen sollen die Banken in nationale Fonds, das Vorgehen soll aber staatenübergreifend abgestimmt werden - möglichst weltweit.
Eine Finanzstabilitätsabgabe darf dabei keine Ausfallgarantie für Zocker sein. Aktionäre und unversicherte Kreditgeber sollen laut EU-Konzept weiter die ersten sein, die die Konsequenzen einer Schieflage tragen. Aufgabe des Fonds soll es dagegen sein, Übergangshilfen zu leisten, eine Zerschlagung der angeschlagenen Banken zu erleichtern oder die Auslagerung fauler Wertpapiere in eine sogenannte Bad Bank zu ermöglichen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßt das Konzept - und hat bereits erste Schätzungen veröffentlicht, wie groß ein entsprechender Rettungsfonds sein müsste. Bis Ende 2009 seien den G-20-Staaten durch die Krise Kosten von rund 862 Milliarden Dollar entstanden, schreibt der IWF. Das wären im Schnitt 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dieser Staaten. In einigen Ländern hätte die Belastung sogar bis zu fünf Prozent des BIPs betragen. Würden die Banken der G-20-Staaten einen gemeinsamen Notfalltopf einrichten, sollte dieser laut IWF entsprechend groß sein: Angemessen seien zwei bis vier Prozent der gemeinsamen Wirtschaftsleistung.
Noch allerdings ist die Bankenabgabe nur eine vage Idee. Und unter den G-20-Staaten ist der Vorschlag umstritten. Sympathie findet er bei der Europäischen Kommission und in den USA. Kanada dagegen sieht keine Notwendigkeit, Milliarden in einen internationalen Bankenfonds einzuzahlen: Die Institute des Landes waren von den Finanzbeben der vergangenen Jahre kaum betroffen. Sie stehen äußerst stabil da. Auch Brasilien steht dem Vorschlag skeptisch gegenüber.
Experten sehen einen kollektiven Nottopf ebenfalls kritisch. "Eine Bankenabgabe ist die schlechtere Lösung", sagt etwa Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. "Besser und leichter umsetzbar wäre es, die bereits bestehenden Einlagensicherungssysteme für Anleger auszubauen und die Eigenkapitalvorschriften für Banken zu verschärfen."
Haben Sie etwas dazugelernt? Dann lesen Sie weiter: Im dritten und letzen Teil der Serie geht es um die Frage, wie man Superspekulanten das Handwerk legen kann.
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