Hamburg - Modrig riechendes Rapsöl und Babynahrung mit zu wenig Vitamin C: Die Bilanz der Stiftung Warentest stellt einigen Biolebensmitteln kein gutes Zeugnis aus. Insgesamt unterscheiden sie sich nur bei der Pestizidbelastung und der Nachhaltigkeit gravierend von konventionellen Produkten - nicht aber bei Geschmack oder Verträglichkeit.
Dieses Ergebnis mag überraschen - ganz neu ist es nicht. Denn die Tester haben lediglich ihre eigenen Lebensmitteluntersuchungen seit 2002 ausgewertet und Bilanz gezogen. "Einen Gleichstand zwischen Bio und konventionell haben wir schon bei unserer Rückschau 2007 festgestellt", schreiben sie in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift "test".
Das Urteil hat dennoch Gewicht, denn die Biolebensmittel kommen ziemlich schlecht weg. So werden die konventionell erzeugten Lebensmittel sogar knapp besser bewertet als jene aus ökologischem Anbau. 45 Prozent der normalen Produkte bekamen eine gute oder sehr gute Bewertung, bei den Bioprodukten waren es 41 Prozent. Die Note "mangelhaft" vergaben die Tester an 15 Prozent der Bio- und an 14 Prozent der Standardlebensmittel.
85 Tests wurden für die Langzeitanalyse ausgewertet. Dabei hatten die Tester insgesamt 249 biologische und 1007 konventionelle Lebensmittel untersucht - auf Schadstoffe, Keime, Geruch und Geschmack. Eine Auswertung mit Grafiken finden Sie in der Fotostrecke oben.
Bei der sozialen Verantwortung sind Biofirmen besser
Manche Bioprodukte lagen allerdings auch vorne, zum Beispiel bei Vollmilch. Sechs von sieben Biomarken schnitten hier mit "gut" ab, nur fünf von zwölf Standardmarken erreichen diesen Wert. Bei nativem Rapsöl dagegen schnitten viele konventionelle Produkte besser ab. Sieben von neun Biorapsölen bekamen bei der Sensorik die Note "mangelhaft", weil sie holzig schmeckten oder modrig beziehungsweise ranzig rochen.
Wieder anders sieht es bei frischem Bioobst, Biogemüse und Biotee aus: In 75 Prozent dieser Produkte waren gar keine Pestizide nachweisbar, dies war nur bei 16 Prozent der konventionellen Tees und Früchte der Fall. Allerdings liegt auch hier die Pestizidbelastung unter den gesetzlichen Höchstmengen. Insgesamt sinke die Pestizidbelastung in Lebensmitteln, sagen die Tester. Zum gleichen Ergebnis kam vor kurzem auch eine Greenpeace-Studie.
Bei vier Lebensmitteltests wurde auch die soziale Verantwortung der Unternehmen untersucht. Hier sind die Bioanbieter laut Stiftung Warentest wesentlich weiter: Drei Anbieter von Bioschinken etwa kannten die ganze Herstellungskette und nahmen darauf Einfluss. Ein ähnliches Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz habe nur einer der 22 konventionellen Anbieter gezeigt.
cte/bas
Auf anderen Social Networks posten:
Interessant wäre schon, ob für die Studie Produkte mit dem EU-Biosiegel oder solche von Anbauverbänden herangezogen wurden. Letztere sind meist von ausgezeichneter Qualität. Aber das nur am Rande... Ich finde die Überschrift [...] mehr...
ich glaube ich muß hier ein paar Dinge richtig stellen, Bodenhaltung bie Hühner ist nicht Bio-Freilandhaltung! Bedingungen für Bio-Freilandhaltung: - 6 m³ Fläche pro Huhn - kein "vorbeugendes" Schnäbelkürzen - [...] mehr...
BNN: Stiftung Warentest bewertet nicht, was Bio besser macht (http://www.oekolandbau.de/service/nachrichten/detailansicht/meldung/bnn-stiftung-warentest-bewertet-nicht-was-bio-besser-macht/zurueck-zu/5/) Bewertung des Tests aus [...] mehr...
Die Ziele des ökologischen Landbaus: - gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel - Erhalt der Bodenfruchtbarkeit - weitgehend geschlossene Nährstoffkreisläufe - artgemäße Haltung und Fütterung der Tiere - Schutz der [...] mehr...
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Bin seit Jahren Vegetarier und muss mich immer wieder vor anderen Menschen dafür rechtfertigen. Fleischesser sind mitnichten tolerant. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Verbraucher & Service | RSS |
| alles zum Thema Lebensmittelindustrie | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH