Wirtschaft


ThemaPrivatverschuldungRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
08.08.2010
 

Fehler bei der Geldanlage

Warum es so viele Pleite-Promis gibt

Von Oliver Lepold

Pleite-Promis: Ich bin ein Star - und ich bin blank
Fotos
DPA

Viele Stars gehen trotz eines Millionenverdienstes pleite. Für den Ruin machen sie gerne ihren Anlageberater verantwortlich. Dabei begehen die Promis die gleichen Fehler wie Normalverbraucher: Sie beschäftigen sich zu wenig mit ihren Finanzen - und sind auch noch gierig.

Hamburg - Und jetzt ist sie auch noch pleite. Nach drei Scheidungen, zwei Brustkrebs-Behandlungen und dem Sieg über die Sucht nach Schmerztabletten gestand "3 Engel für Charlie"-Star Kate Jackson vor kurzem, sie sei komplett ruiniert. In den Gerichtsdokumenten heißt es, das Haus am Golden Strip in Santa Monica sei dramatisch überteuert gewesen. Die 62-Jährige hatte es für gut zwei Millionen Dollar ausgerechnet bei der Person gekauft, der sie ihre Finanzen anvertraut hatte.

Sie habe gewusst, dass sie es sich nicht habe leisten können, aber ihr Berater Richard B. Francis habe kurzerhand die Sparkonten geplündert, so Jackson. Mehr als drei Millionen Dollar will der Racheengel vor Gericht wieder reinholen. Francis, der Jackson von ihrer verstorbenen Kollegin, Hollywood-Ikone Farrah Fawcett, empfohlen worden war, bleibt derweil gelassen. "Es wird mit einem Vergleich enden." Er sei seit mehr als 50 Jahren im Geschäft und habe einen untadeligen Ruf.

Die US-Schauspielerin reiht sich ein in eine Serie von Fällen, in denen sich Stars von ihren Anlageberatern betrogen fühlen. Oscar-Preisträger Nicolas Cage verklagt seinen Finanzberater James Levin auf 20 Millionen Dollar, weil dieser den Mimen zu riskanten Immobiliengeschäften verleitet haben soll, die zu katastrophalen Verlusten geführt hätten. Cage musste unter anderem sein Schloss im bayerischen Neidelstein verkaufen, ohne es jemals selbst bewohnt zu haben. Der beschuldigte Berater wehrt sich. Die Verfahren laufen noch.

Jüngster Fall: Einer der renommiertesten Berater der Schönen und Reichen, Kenneth Starr, wurde wegen Anlagebetrugs verhaftet. Er soll sich auf ältere Persönlichkeiten aus der Filmbranche spezialisiert haben und ihm anvertraute Gelder in riskante Geschäfte oder direkt in seine Taschen gesteckt haben. Schaden: 59 Millionen Dollar. Ein Fest für die Regenbogenpresse, die rätselt, wer betroffen ist. Schließlich gehören auch die Schauspieler Wesley Snipes, Sylvester Stallone, Uma Thurman und Regisseur Martin Scorsese zu Starrs Kunden.


Derartige Promi-Klumpenrisiken sind in Deutschland selten, aber auch hierzulande gibt es eine ganze Reihe nachhaltig oder vorübergehend ruinierter Prominenter. Meist sind es kreditfinanzierte Immobilienkäufe, mit denen sich die Künstler übernommen haben. In den neunziger Jahren stolperten Stars wie Schauspielerin Grit Boettcher, Schlagersänger Gunter Gabriel und Bestseller-Autorin Hera Lind über angebliche Steuersparmodelle. Auch Fußballstars wie Jimmy Hartwig oder Eike Immel ist nach ihrer Profikarriere wenig vom Reichtum geblieben.

Verprasst haben will aber kaum ein Prominenter sein Vermögen. Was ist dann passiert? Sind vermögende Prominente, die ihr Geld nicht in der Wirtschaft gemacht haben, etwa leichtgläubiger als andere? Renommierte Vermögensverwalter mit prominenten Kunden sind diskret und äußern sich nicht offiziell zu diesem Punkt. Informelle Aussagen gehen in die Richtung, dass die Promi-Klientel bei Anlageentscheidungen und -strategien sowohl vor sich selbst als auch vor anderen Vermittlern geschützt werden muss.

Denn Promis, insbesondere aus dem Sektor Unterhaltung, haben nicht mehr Ahnung von Kapitalanlagen als Normalverbraucher. Die wenigsten haben zudem Lust und Zeit, sich mit Geld zu beschäftigen und einen Finanzplan aufzustellen - sie haben ja vermeintlich genug liquide Mittel. Meist wird schnell und hitzköpfig entschieden und sehr häufig nicht verstanden, wofür man sich mit einer Investition entschieden hat.

Die typischen Fehler prominenter Anleger: Sie erkennen Risiken nicht, haben eine zu hohe Spekulationsneigung und - immer wieder - falsche Ratgeber. Zuletzt kommt noch der Effekt Gier hinzu, denn auch Stars lassen sich gern von illusorischen Renditen blenden.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 42 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
27.08.2010 von frubi: .

Das ist doch ganz einfach erklärt: 1. Ein hohes Einkommen wird erarbeitet was wiederrum bedeutet, 2. dass sich die "Promi`s" einen kostspieligen Lebensstil angewöhnen. 3. Wenn dann aber das Einkommen abhanden kommt, [...] mehr...

27.08.2010 von Hagbard: .

Grundsätzlich glaube ich, dass es den Promis auch nicht anders geht, als allen anderen: Hin und wieder greift halt einer ins Klo. Nur dass es bei denen dann in der Zeitung steht. Ein paar werden ihr Geld schlicht auf den [...] mehr...

27.08.2010 von Hagbard: .

Also, betrüblich finde ich es immer, wenn jemandem Schlechtes widerfährt. Auch dann, wenn er leichtgläubig oder gierig war. mehr...

09.08.2010 von Friederike L.: Verantwortung übernehmen

Die Frage ist, was sagt uns dieser Artikel? Ich denke, die meisten "Normalbürger" sind genauso gefährdet, ihr Geld zu verlieren (oder haben es bereits getan), es berichtet nur keiner darüber. Umso mehr ein Grund, sich [...] mehr...

09.08.2010 von SURE: energie marsch...

und registrierte spd wähler bekommen das gas umsonst. endlich ein mehrheitsfähiges modell. mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
alles zum Thema Privatverschuldung

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gefunden in...

Das Investment
Heft 8/2010

Zur Website

Zum Artikel

Themen im aktuellen Heft

Der vorliegende Artikel wird bereitgestellt von DAS INVESTMENT


Der Weg aus der Schuldenfalle

Überschuldung

Von Überschuldung spricht man, wenn das Einkommen über einen längeren Zeitraum trotz Einsparungen nicht mehr ausreicht, die Lebenshaltungskosten sowie fällige Raten und Rechnungen zu bezahlen. Schuldnerberater sehen zunächst in der außergerichtlichen Regulierung den Königsweg.

Privatinsolvenz

Schuldbefreiung



Krisen-ABC

Von Asset Backed Securities bis Zertifikate - alle Fremdwörter der Finanzkrise einfach erklärt:

Alle Begriffe zur Finanzkrise...




TOP



TOP