Wirtschaft



ThemaStuttgart 21RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.09.2010
 

Bahnprojekt "Stuttgart 21"

Gutachter sehen Milliarden-Mehrkosten bei ICE-Trasse

Bahn-Projekt: Der Kampf gegen "Stuttgart 21"
Fotos
dpa

Den Planern des umstrittenen Bahn-Projekts "Stuttgart 21" droht neuer Ärger: Der Bau der ICE-Strecke nach Ulm könnte nach SPIEGEL-Informationen mehr als zwei Milliarden Euro teurer werden als geplant. Ein Gutachten soll die Kostenexplosion belegen.

Berlin - Fast täglich protestieren in Stuttgart Tausende Menschen gegen das milliardenschwere Bahnprojekt "Stuttgart 21". Sie entern Abrissbagger, klettern auf Bäume, werfen Schuhe vor den Amtssitz von Ministerpräsident Mappus (CDU). Nun droht den Planern des umstrittenen Projekts von der Kostenseite her neuer Ärger: Die im Zusammenhang mit dem Bahnhofsneubau geplante ICE-Strecke Wendlingen-Ulm könnte nach SPIEGEL-Informationen deutlich teurer werden, als es die Deutsche Bahn berechnet hatte.

"Ich gehe davon aus, dass die Strecke am Ende mehr als fünf Milliarden kosten wird", sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestags, Winfried Hermann (Grüne). Diese Kostenexplosion sei schon in mehreren Gutachten belegt worden. Gemeinsam mit den Grünen in Baden-Württemberg will Hermann am Mittwoch ein Gutachten der Münchner Verkehrsgutachter Vieregg und Rössler vorstellen, das ähnliche Zahlen belegen könnte.

Wegen mangelhafter Eignung für den Güterverkehr hatten die Fachleute im Bundesverkehrsministerium die Trasse neu bewertet. Sie wird jetzt als ein Projekt eingestuft, das gerade noch als wirtschaftlich vertretbar dargestellt werden könne. Laut jüngsten Schätzungen der Deutschen Bahn vom Juli soll der Bau rund 2,9 Milliarden Euro kosten und damit bereits 865 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Schon jetzt streiten sich Bund, Länder und Bahn darüber, wer die Mehrkosten zu tragen hat.


Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist dabei in einer schlechten Verhandlungsposition: Sein Amtsvorgänger Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte auf Basis der ursprünglichen Kostenkalkulation zugesagt, dass der Bund über seinen Anteil von 925 Millionen Euro hinaus sämtliche Kostensteigerungen allein übernehmen werde.

Wieder Proteste von Zehntausenden

Die Bürgerproteste gegen das umstrittene Bauprojekt werden immer stärker. Am Freitagabend gingen erneut Zehntausende auf die Straße. Die Veranstalter des Aktionsbündnisses gegen "Stuttgart 21" sprachen sogar von bis zu 65.000 Menschen, die sich am Protestzug durch die Stadt beteiligten. Mehrere Aktivisten besetzten zwei Bäume im Schlossgarten, die wegen des Projekts gefällt werden sollen.

In der vergangenen Woche hatten die Abrissarbeiten an dem bisherigen Hauptbahnhof der baden-württembergischen Landeshauptstadt begonnen. Seitdem haben die Gegner des Milliardenprojekts Tausende Unterstützer mobilisiert. Schon am Montag ist die nächste Demonstration geplant - der Druck auf Bahn und Regierende nimmt immer weiter zu.

Voraussichtlich am kommenden Freitag soll es ein Spitzentreffen von Gegnern und Befürwortern geben, an dem unter anderem auch Ministerpräsident Mappus teilnimmt. Bahnchef Rüdiger Grube hatte den Runden Tisch angeregt. Ob es tatsächlich zu einem Gespräch kommt, ist aber noch unklar. Das Aktionsbündnis hatte zur Voraussetzung gemacht, dass die Abbrissarbeiten eingestellt werden - das ist bislang nicht geschehen.

OB Schuster fühlt sich ungerecht behandelt

Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) fühlt sich von den Gegnern ungerecht behandelt. "Ich finde es unangemessen, wie manche dieses Projekt personalisieren und für ihre persönliche Frustration mich als ihre Projektionsfläche nutzen", sagte er im Interview der "Stuttgarter Zeitung". "Es gab Hunderte von Diskussionen und Tausende von Anregungen vor der Beschlussfassung über das Projekt. Jetzt ist es entschieden, die Bahn baut. Da sitzt der Oberbürgermeister nicht mehr auf dem Fahrersitz."

Die Projektgegner hatten Schuster zuletzt mehrmals mangelnde Bürgernähe und fehlende Selbstkritik vorgeworfen und seinen Rücktritt gefordert. Im Gespräch mit der "Stuttgarter Zeitung" erklärte er sich bereit, auf einer der Demonstrationen gegen das Bahnprojekt zu sprechen - allerdings unter einer Bedingung: "Wenn die Veranstalter gewährleisten können, dass ich einige Minuten reden kann, ohne dass meine Worte im Lärm der Trillerpfeifen untergehen." Ein Dialog müsse rational geführt werden. Durch die hohe Emotionalisierung sei das im Moment sehr schwierig.

hut/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 113 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.09.2010 von Fred the Frog: Wer schreit?

Das Geschrei kommt doch nur von den Provinzfürsten, die den Namen ihrer Stadt nicht mehr auf den Fahrplänen finden und Angst haben, man könnte sie vergessen. Besonders hirnrissig wird es, wenn zum "Hauptbahnhof" auch [...] mehr...

05.09.2010 von albert schulz: Schuster oder Mappus ?

Oder was will der weise Verkehrslenker uns damit sagen ? mehr...

05.09.2010 von missoni: Stuttgarts Bahnhöfe

Leute, in den Stuttgarter Hbf. wurde seit 50 Jahren nichts mehr investiert. Das ganze Bahngelände ist so was von runtergekommen und selbst in Bad Cannstatt sind die Bahnsteige so was von marode. Hier zeigt es doch, dass die [...] mehr...

05.09.2010 von st_anja: kurze antwort

es ist nicht nur billiger, sondern auch spassiger mit der bahn. mit den kana und kanji kam ich nicht am mod vorbei ;-) mehr...

05.09.2010 von Rainer Daeschler: *

Andere sind da wohl schon mal die harte Tour gegangen. ;-) 電車はタクシーより安いです mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
alles zum Thema Stuttgart 21

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Stuttgart 21 in Zahlen

Außer dem Projekt Deutsche Einheit mit dem Aus- und Neubau der Strecke Nürnberg-Berlin ist Stuttgart 21 samt der Trasse nach Ulm das größte Bauvorhaben der Bahn AG. Die Kennzahlen:

Höchstgeschwindigkeit

Schienen

Stuttgart

Tunnel

Brücken

Fahrzeiten

Kosten

Bahnhöfe


Chronik

Im April stellt Bahn-Chef Heinz Dürr das Projekt Stuttgart 21 mit der Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes vor.





TOP



TOP