Düsseldorf - Konsumenten in Deutschland müssen sich auf höhere Preise für Brot und Brötchen gefasst machen: Die Großbäckereien sehen sich zu einer Erhöhung des Brotpreises um etwa fünf Prozent gezwungen. Das sagte der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Großbäckereien, Helmut Klemme, am Freitag.
Auch der Verband des Deutschen Bäckerhandwerks will "moderate Preisanpassungen" nicht ausschließen. Vom Brötchen bis zum Kuchen rechnen die Bäcker mit Preissteigerungen von zwei bis drei Prozent. Beide Verbände geben als Gründe gestiegene Personalkosten, steigende Rohstoffpreise und höhere Energiekosten an. Welche Konsequenzen die Unternehmen aus diesen Kostensteigerungen zögen, bleibe aber die Entscheidung jedes einzelnen Betriebs, sagte Klemme.
Die Preise für Roggen und Weizen seien gut doppelt so hoch wie im Vorjahr, sagte Helmut Martell, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Großbäckereien. Auch bei Mais und Gerste seien die Preise dramatisch gestiegen. Die Kosten pro Brot hätten sich damit um sieben bis acht Cent erhöht. Als vor drei Jahren die Rohstoffpreise schon einmal ähnlich dramatisch gestiegen seien, sei der Preis für ein 500-Gramm-Brot im Schnitt um fünf Cent erhöht worden. Ähnlich sei es in diesem Jahr zu erwarten.
Laut dem Großbäckereien-Verband sind Brot und Backwaren in Deutschland im EU-Vergleich jedoch nach wie vor preiswert. Bei den Preisen für Brot und Getreideerzeugnisse liege Deutschland auf Platz zwölf der 27 EU-Länder, teilte der Verband mit, nannte jedoch keine Quelle für die Zahlen.
Die Erlöse der Handwerksbäcker schrumpften im vergangenen Jahr leicht auf 12,8 Milliarden Euro, 2010 zeichnet sich ein stabiler Umsatz ab. Die Zahl der Betriebe ging in den vergangenen zehn Jahren um fast ein Viertel zurück - inzwischen sind es nur noch rund 16.000. Dabei steigt der Marktanteil der Großbäckereien stetig: Rund 60 Prozent des Branchenumsatzes werden von Groß- und Lieferbäckereien erwirtschaftet.
80.000 Tonnen bleiben jedes Jahr übrig
In Handwerksbetrieben sind deutschlandweit rund 291.900 Menschen beschäftigt, in Groß- und Lieferbäckereien sowie Discountbäckereien etwa 35.000. Jeder Deutsche isst Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge pro Jahr rund 75 Kilogramm Backwaren - mehr als jeder andere Europäer.
Der tatsächliche Verzehr liegt mit 56 Kilogramm allerdings deutlicher niedriger. Hauptgrund ist, dass die Haushalte häufig zu viel Brot kaufen und dieses dann wegwerfen. Zum anderen müssen die Bäckereien nicht verkauftes oder verpacktes Brot mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum zurücknehmen. Diese Brote werden in erster Linie als Futtermittel verwendet.
Jedes Jahr bleiben in Deutschland rund 80.000 Tonnen Brot und Brötchen übrig. Das sind laut dem Verband der Großbäckereien mehr als zehn Prozent der Gesamtproduktion. Das seien einerseits Backwaren, die Haushalte wegschmeißen, und andererseits Brot und Brötchen, die in Geschäften nicht verkauft werden konnten.
Grund seien vor allem Händler, die trotz immer längerer Öffnungszeiten stets volle Regale anbieten wollten, sowie Verbraucher, die dieses Angebot auch erwarteten. "Wir sind da leider verwöhnt", sagte Verbandspräsident Helmut Klemme.
jaw/AFP/apn/dpa
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