Aus für 500-Euroschein Kommt jetzt das Ende des Bargelds?

Die Europäische Zentralbank schafft den 500-Euroschein ab. Ist das der Durchbruch im Kampf gegen die organisierte Kriminalität? Oder der Anfang vom Ende des Bargelds? Fünf Fragen, fünf Antworten.

500-Euroscheine
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500-Euroscheine

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16 Zentimeter lang, 8,2 Zentimeter hoch und eine Farbe, in der vierjährige Mädchen ihr Kinderzimmer streichen würden: Rein äußerlich ist der 500-Euro-Schein nicht besonders aufregend, doch in den vergangenen Wochen ist er zu einer Art neuem deutschen Nationalheiligtum geworden.

Die Banknote gibt es seit 15 Jahren, nun soll es ihr an den Kragen gehen. An diesem Mittwoch hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, dass der Schein weg muss. Noch nicht sofort, aber doch bald.

Die Entscheidung war absehbar, die Empörung darüber auch. Von Linken-Politikern über Verbraucherschützer bis zum Bundesbank-Präsidenten, vom Bäckerverband bis zum Sparkassen-Chef: Fast alle wollen den 500er behalten. Auch wenn ihn nur die wenigsten Bürger jemals im Portemonnaie hatten. Laut einer Umfrage der EZB haben 56 Prozent der Euro-Bürger einen solchen Schein noch nicht einmal gesehen.

Worum geht es also bei der ganzen Aufregung? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Warum soll der 500-Euro-Schein abgeschafft werden?

Glaubt man EZB-Präsident Mario Draghi, dann geht es bei der Abschaffung des größten Euroscheines vor allem um eines: Kriminalitätsbekämpfung. "Der 500-Euroschein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten", sagt der Italiener.

Ob Terrorfinanzierung, Mafia oder Drogenschmuggel: Im Reich der organisierten Kriminalität wird bevorzugt bar bezahlt. Bargeld ist anonym, kann blitzschnell den Besitzer wechseln und lässt sich schwer zurückverfolgen. Der einzige Nachteil des Bargelds ist physischer Natur: Es braucht Platz - und zwar umso mehr, je größer die Summen sind, die bewegt werden müssen.

Um zehn Millionen Euro übergeben zu können, braucht man 200.000 50-Euroscheine, die zusammen 184 Kilo schwer sind. Würde man die Scheine einzeln übereinanderstapeln, wäre der Turm 20 Meter hoch. Mit anderen Worten: Eine diskrete Übergabe im kleinen Köfferchen würde schwierig.

Kann man die Summe dagegen in 500ern begleichen, reichen schon 20.000 Scheine. Das entspricht gut 22 Kilo und ist auch vom Volumen her deutlich leichter zu handhaben.

Doch es geht nicht nur um die großen Verbrecherbanden, sondern auch um den Steuerhinterzieher, der 100.000 Euro vor dem deutschen Fiskus in der Schweiz versteckt hat und das Geld in bar über die Grenze bringt, um in Deutschland das neue Auto oder die Eigentumswohnung zu bezahlen. Auch hier leistet der 500er bisher gute Dienste - das vermutet man zumindest.

Ob es bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Kriminalität wirklich etwas bringt, große Scheine wie den 500er abzuschaffen, ist allerdings offen. Erwiesen ist ein Zusammenhang bisher nicht, das geben sogar Fachleute der EZB zu - aber was lässt sich im Reich der Schattenwirtschaft auch schon beweisen?

  • Wie genau soll die Abschaffung laufen?

Falls Sie noch ein paar Bündel 500er unter Ihrem Kopfkissen liegen haben sollten, müssen Sie sich keine Sorgen machen - zumindest nicht darüber, dass die Scheine wertlos werden könnten. Das Geld soll unbegrenzt eintauschbar bleiben.

Ende März waren laut EZB exakt 594.417.006 solcher Scheine im Umlauf. Das sind zwar nur rund drei Prozent aller Euro-Banknoten, sie stehen aber für eine gewaltige Summe: knapp 300 Milliarden Euro - oder fast 30 Prozent des Euro-Bargeldwertes.

Gedruckt werden schon seit 2014 keine 500-Euroscheine mehr, allerdings sollen die restlichen Banknoten laut Beschluss des EZB-Rats noch bis Ende 2018 ausgegeben werden.

Dann wird es spannend. Denn die Notenbank muss die 500er Schritt für Schritt einziehen und sie durch andere Scheine ersetzen, wohl vor allem durch 100- und 200-Euro-Noten. Allein die Druckkosten werden auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt - ein riesiges Geschäft für die Gelddruckereien.

  • Welche Forderungen zur Bargeldbegrenzung gibt es sonst noch?

Wer daran glaubt, dass die Abschaffung des 500-Euroscheines die Kriminalität eindämmt, der kann logischerweise auch weitergehen. Einige Experten fordern deshalb auch das Ende des 200- und des 100-Euroscheins. Denn je kleiner der Wert der Banknoten, desto schwieriger würden Bargeldzahlungen in der Schattenwirtschaft.

Und noch von einer anderen Seite will man der Kombination von Bargeld und Illegalität beikommen: indem man Bargeldgeschäfte generell begrenzt. In einigen Ländern gibt es solche Obergrenzen bereits (siehe Karte). In Spanien etwa liegt sie bei 2500 Euro, in Italien bei 3000 Euro. In Deutschland denkt die Bundesregierung immerhin laut über die Einführung einer 5000-Euro-Grenze nach. Und auch die Europäische Kommission prüft nach eigenen Angaben ein EU-weites Limit für Barzahlungen.

Bargeld-Höchstgrenzen
  • Wird das Bargeld irgendwann ganz verschwinden?

Das ist zumindest die große Befürchtung vieler Kritiker. Sie sehen in der 500er-Abschaffung und den Bargeldobergrenzen keine Werkzeuge im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Geldwäsche, sondern vielmehr die ersten Versuche, das Bargeld aus der Wirtschaft verschwinden zu lassen.

Als Kronzeugen dienen den Kritikern dabei die wenigen Befürworter einer bargeldlosen Welt: Ökonomen wie Larry Summers, der unter Bill Clinton mal US-Finanzminister war oder Kenneth Rogoff, der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie propagieren offen die Abschaffung des Bargelds, entweder um illegalen Geschäften leichter auf die Spur zu kommen (Rogoff), oder aber um den Notenbanken die Möglichkeit zu geben, negative Zinsen auf Bankkonten durchzusetzen (Summers). Auch der Chef der Deutschen Bank, der Brite John Cryan, schürte Anfang des Jahres das Misstrauen der Kritiker, als er beim Weltwirtschaftsforum in Davos prophezeite, in zehn Jahren werde es kein Bargeld mehr geben. Scheine und Münzen seien schließlich so schrecklich ineffizient.

All das lässt Kritiker vermuten, dass hinter den Plänen von EZB, Bundesregierung und EU-Kommission doch mehr stecken könnte als nur die Abschaffung eines Scheins und die Begrenzung großer Barzahlungen - auch wenn sowohl Notenbanker als auch Politiker stets beteuern, dass sie eine bargeldlose Welt gar nicht wollen.

  • Was würde die Bargeldabschaffung für Verbraucher bedeuten?

So schön es ist, nicht dauernd zum Geldautomaten gehen oder an der Supermarktkasse im Portemonnaie nach Kleingeld wühlen zu müssen - eine bargeldlose Welt hätte für Verbraucher vor allem Nachteile. Wir alle würden ein Stück unserer Freiheit verlieren, wenn wir Geld nur noch als Zahlen auf dem Computerbildschirm wahrnehmen, es aber nicht mehr in den Händen halten könnten. Denn das, was auf dem Konto liegt, ist immer auch einer Kontrolle unterworfen. Die Bank sieht, woher wie viel Geld kommt und wohin es fließt. Und das auch bei allen völlig legalen Transaktionen.

Das ist für sich schon unangenehm genug, doch es geht noch um mehr. Gerade das, was Ökonomen wie Larry Summers als Vorteil der bargeldfreien Welt sehen, ist für Verbraucher eine Horrorvorstellung. Wenn der einzige Platz für Geld das Bankkonto ist, bedeutet dies, dass nicht nur die Finanzinstitute, sondern auch die Zentralbanken viel stärkeren Zugriff darauf haben. Wenn die Währungshüter etwa negative Leitzinsen beschließen, werden die Banken diese an ihre Kunden weitergeben. Das Geld auf dem Konto wird also immer weniger wert.

Dieses Beispiel ist keineswegs aus der Luft gegriffen: Schon seit 2014 hat die EZB einen wichtigen Zinssatz in den negativen Bereich gedrückt. Das Einzige, was die Geschäftsbanken bisher davon abhält, diese Negativzinsen in großem Stil an die Verbraucher weiterzugeben, ist die Angst davor, dass die Kunden ihr Geld dann einfach zur nächsten Bank tragen - oder zu Hause in den Tresor legen.

Für Ökonomen wie Summers wäre es wünschenswert, wenn die Kunden zumindest die letzte Möglichkeit nicht hätten. Dann nämlich könnte die Geldpolitik der Notenbank besser wirken. Der Negativzins würde Firmen und Verbraucher dazu bringen, mehr Geld in Investitionen und Konsum zu stecken und so die Wirtschaft anzukurbeln. Die meisten Bankkunden dürften sich dagegen gegängelt oder gar erpresst fühlen.

Noch schlimmer könnte es für sie werden, wenn ihre Bank in Finanzschwierigkeiten gerät. Dann nämlich dürfen in Europa neuerdings nicht mehr nur Aktionäre und andere Geldgeber, sondern auch die Einlagen der Sparer bei der Rettung der Bank herangezogen werden - jedenfalls dann, wenn diese Einlagen über 100.000 Euro pro Konto liegen.

Nicht zuletzt würde ein Bargeldverbot die Wirtschaft und jeden Einzelnen auch noch abhängiger von der Technik machen. Wenn die Computersysteme einmal ausfielen, könnten Kunden plötzlich nicht mehr über ihr Geld verfügen.

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Seite 1
Tharsonius 04.05.2016
1. Es ist mal wieder bezeichnend
welche Ausmaße die Bevormundung des Bürgers Ausmaße annimmt. Schafft Bargeld doch ganz ab, dann habt ihr alles unter Kontrolle. Unglaublich sowas...
axelmueller1976 04.05.2016
2. Die Vorbereitung auf eine Währungsreform
Erst wird man das Bargeld abschaffen ,damit die Bürger nicht mehr durch abheben ihres Geldes reagieren können.Danach kommt eine Währungsreform ähnlich wie 1948 .Ein Tip für Alle Geld rechtzeitig abheben und in $ oder Schweizer Franken tauschen.
spon-1262426506220 04.05.2016
3. erst die 50 € Scheine weg !
auch die 50 €-Scheine sofort abschaffen...werden gefälscht ohne Ende.... die sind ja krimineller wie die 500 @ Scheine - die fälscht kaum einer und die Würstchenbude nimmt sie auch nicht, wie man den aktuellen Befragungen in der Bevölkerung entnehmen kann Keine Scheine - keine Kriminalität lt. Herrn Draghi
watch15 04.05.2016
4. Kontrolle über die Bürger
56% der EU Bürger habe so einen Schein also noch nie gesehen?Wieviel Prozent aller EU Bürger wurden denn für dieses repräsentative Ergebnis befragt und wo? Langfristig geht es doch darum das Bargeld komplett abzuschaffen und die totale Kontrolle über die Menschen zu bekommen. Alles auf einen Chip ... der kann dann beliebig gesperrt werden ... oder wie wäre es mit einer kleinen Vermögensabgabe von 30% ... wird gleich abgebucht. Schimpft mich ruhig einen Verschwörungstheoretiker, aber mit dem Bargeld verschwindet erneut ein Stück Freiheit. ... natürlich alles unter dem Deckmänntelchen der Kriminalitätsbekämpfung.
micromiller 04.05.2016
5. Die EZB hat den 500er. sicherlich nicht
für die Mehrheit der Bürger geschaffen! Die eigentliche Frage ist für wen wurde der Schein überhaupt auf den Markt gebracht? Die Mafia & Bankster und Geldwäscher waren schon immer da.....
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