Acht-Jahres-Bilanz Tester sehen Bio gleichauf mit üblichen Lebensmitteln

Bionahrung ist nicht unbedingt gesünder als normale Kost: Das ist die Bilanz der Stiftung Warentest aus insgesamt 85 Untersuchungen in acht Jahren. Konventionelle Produkte schneiden demnach gleich gut ab - nur bei den Pestiziden liegt die ökologisch erzeugte Ware vorn.

Bioladen in Magdeburg: Schwache Ergebnisse bei Geschmack und Nährstoffgehalt
ddp

Bioladen in Magdeburg: Schwache Ergebnisse bei Geschmack und Nährstoffgehalt


Berlin - Wer Biolebensmittel kauft, tut Gutes. "Er investiert in eine ökologische, tiergerechte und nachhaltige Landwirtschaft", sagte Ina Bockholt im Deutschlandradio. Die Mitarbeiterin der Stiftung Warentest macht Ökoanhängern mit diesem Argument ein wenig Mut. Das dürfte freilich nötig sein, denn das Fazit der Tester ist insgesamt enttäuschend für die Biobranche.

Insgesamt 85 Lebensmitteluntersuchungen seit 2002 haben die Tester ausgewertet - und kommen zu dem Schluss: Bio ist nicht unbedingt gesünder oder schmackhafter als normale Kost. Im Durchschnitt gebe es keine qualitativen Unterschiede.

Schwache Ergebnisse erhielten die Biolebensmittel mehrfach bei Geschmack und Nährstoffgehalt, etwa von Babymenüs. 13 von 15 getesteten Produkten waren hier aus ökologischer Produktion - alle bekamen im Bereich Ernährungsphysiologie nur ein "befriedigend", sagte Bockholt dem Deutschlandradio. Der Grund: Sie enthielten zu wenig Fett und teilweise auch zu wenig Eisen.

Insgesamt liegen die konventionell erzeugten Lebensmittel knapp vor der Bioware. 45 Prozent der normalen Produkte bekamen eine gute oder sehr gute Bewertung, bei den Ökoprodukte waren es 41 Prozent. Die Note "mangelhaft" vergaben die Tester an 15 Prozent der Bio- und an 14 Prozent der Standardlebensmittel. Bioprodukte schnitten bei Tee, Vollmilch und Würzölen besser ab, bei nativem Rapsöl dagegen die konventionellen Produkte.

Allerdings bietet die Ökokost neben der Nachhaltigkeit einen großen Vorteil: Pestizide kommen wesentlich seltener vor. "75 Prozent der Bioprodukte waren pestizidfrei", sagte Testerin Bockholt dem Deutschlandradio. Bei den konventionellen Lebensmitteln waren es dagegen nur 16 Prozent der getesteten Produkte.

Bockholt sagt daher, wer Wert auf eine Landwirtschaft mit möglichst wenig Pestiziden lege, sei mit Bioware am besten dran. "Allerdings muss man sagen, dass Bioware ihren Preis hat: Sie ist etwa 30 Prozent teurer."

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es unter Berufung auf das Deutschlandradio, dass die Biolebensmittel bei den Noten "gut" und "sehr gut" knapp vorne liegen. Dies ist auf einen Zahlendreher des Deutschlandradios zurückzuführen. Tatsächlich liegen die konventionellen Produkte knapp vorne. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cte/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 230 Beiträge
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josha_de 27.05.2010
1. Acht-Jahres-Bilanz: Tester sehen Riesenvorteil in Bionahrung
DAS wäre die Überschrift gewesen, die man sich von einem Leitmedium wünscht. Der Test ERGAB doch zweierlei: gesundheitliche Vorteile kaum (mehr) messbar (schnarch), aber eben schlagende Überlegenheit der Bionahrung aus ökologischer, damit sozialer UND EBEN DANN DOCH (indirekt) gesundheitlicher Sicht. Typisch, dass mit der Schlagzeile gleichwohl wieder nur Trägheit und intellektuelle Unbeweglichkeit bedient wird. Hauptsache, wir brauchen uns nicht ändern: Das signalisiert sie. «Wusst ich’s doch. LIDL & Co. ist genausogut.« Journalismus, der begriffen hat, dass er immer die Verantwortung hat, für Fortschritt zu sorgen, sieht anders aus.
SODL01 27.05.2010
2. Zusatzstoffe
Wenn ich mir die Inhaltsstoffe von Joghurts, Brotaufstrichen, Soßen, Wurst, usw. von "normalen" Markenherstellern anschaue, wird mir schon etwas mulmig. Da greife ich doch lieber z.B. zum Bio-Joghurt in dem keine Aromen oder sonstiges drin ist. Ich weiß nicht, ob solche - aus meiner Sicht unnötigen - Zusatzstoffe bei der Untersuchung auch berücksichtigt wurden?!
dick_&_durstig 27.05.2010
3. "Nur" weniger, oder geringe Pestizidbelastung?
Wenn das kein Grund ist Bio zu kaufen, aus welchem sonst?
richter_berlin 27.05.2010
4. Schlechter Artikel
"nur bei den Pestiziden liegt die ökologisch erzeugte Ware vorn." Ich lach mich schlapp... Na wenn es "nur" Pestizide sind, dann können wir ja weiter schön billig fressen, so ein bisschen Pestizid verteilt auf 90 Lebensjahre, was macht das schon... oder? Ein wichtiger Aspekt der Bio-Branche kommt im SPON Artikel leider auch zu kurz: Wer konventionelles Fleisch kauft, der kauft Antibiotika, Lebend-Tiertransporte und unwürdige Haltebedingungen gleich mit. Konventionelles Fleisch aus Massenhaltung ist eine widerliche Angelegenheit. Warum Hackfleisch beim Lidl billiger ist als ein Sack Möhren, darüber sollte sich jeder Verbraucher mal Gedanken machen...
Marv 27.05.2010
5. ..
Der Artikel hat mir den Morgen versüßt :) Erinnert mich an den Artikel in dem die bahnbrechende Erkenntnis verbreitet wurde, dass in Bio-Lebensmitteln nicht mehr Vitamine enthalten seien als in Konventionellen. Alles weitere wurde schon gesagt...
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