Von Christian Teevs
Berlin - Verbraucherschützer werfen dem Lebensmittelriesen Danone Werbelügen bei der Activia-Joghurtserie vor. "Activia kann eine träge Verdauung nicht regulieren, wie das Danone in seiner Werbung suggeriert", sagt Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Konkret: Das Unternehmen preise das Produkt an, als wirke es wie ein Medikament, dabei handle es sich nur um einen schnöden Joghurt.
Die Werbekampagne basiere "auf Formulierungskniffen und minimalen, aber umso stärker aufgeblasenen Effekten". Ein besseres Darmwohlbefinden etwa lasse sich auch mit Naturjoghurt, Trockenpflaumen oder einem Spaziergang erreichen - und das wesentlich günstiger.
Es ist das zweite Mal, dass Foodwatch Danone-Produkte im Rahmen der Kampagne "Abgespeist" ins Visier nimmt: 2009 kürte die Organisation von Ex-Greenpeace-Chef Thilo Bode den Trinkjoghurt Actimel zur "dreistesten Werbelüge des Jahres". Der Vorwurf damals: Das Getränk stärke Abwehrkräfte nicht mehr als ein gewöhnlicher Joghurt - sei aber mehr als doppelt so teuer. In Frankreich und Großbritannien änderte Danone im vergangenen Jahr seine Werbung, Danone Deutschland beharrt jedoch auf einer angeblich immunstärkenden Wirkung von Actimel.
Nun also Activia: Foodwatch bezeichnet die Werbestrategie als "so raffiniert, dass sie nahe an die perfekte Werbelüge herankommt" - und doch bleibe es eine Werbelüge. Denn Activia sei nun mal ein Joghurt und "kein Wunderprodukt", sagt Markwardt. Hintergrund sei, dass Danone mit einfachem Joghurt nicht unbegrenzt Geld verdienen könne. Die messbaren Effekte von Activia seien aber minimal, und für gesunde Verbraucher bestehe "ohnehin keine Notwendigkeit, ständig mit irgendwelchen Mittelchen an ihrer Verdauung herumzuregulieren".
Danone hält es dagegen für "wissenschaftlich belegt, dass Activia bei täglichem Verzehr dazu beitragen kann, eine träge Verdauung zu regulieren und ein aufgeblähtes Gefühl zu reduzieren". Dies gelte "bei täglichem Verzehr im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung und eines gesunden Lebensstils". Der Begriff "Verdauung" beziehe sich auf die sogenannte Darmpassage-Zeit.
"Schnöder Joghurt zum dreifachen Preis"
Eine kürzere Darmpassage-Zeit verbessere jedoch nicht unbedingt die Verdauung insgesamt, sagt Foodwatch. In einer von Danone in Auftrag gegebenen Studie habe sogar ein Placebo - also ein Joghurt ohne lebende Bakterien - besser abgeschnitten als Activia. Der Konzern blase "die mehr als dürftigen Studienergebnisse zu einer unverfrorenen Werbekampagne auf, um einen schnöden Joghurt zum dreifachen Preis zu verkaufen", kritisiert Markwardt.
Danone weist die Vorwürfe zurück: "Sie entbehren jeder Grundlage und führen den Verbraucher in die Irre", sagt Danone-Sprecher Andreas Knaut. Von einem Suggerieren größerer Effekte von Activia, wie es Foodwatch Danone vorwirft, könne keine Rede sein. Geworben werde auf der Grundlage von 17 wissenschaftlichen Studien, die Placebo-Studie sei ihm nicht bekannt. "Wir wissen nicht, worauf sich Foodwatch bezieht", sagt Knaut. "Activia ist ein Lebensmittel und kein Medikament."
Foodwatch hält jedoch auf Rückfrage an der Existenz der Studie fest: "Wir haben die Studie vorliegen, und sie ist sogar auf der Danone-Web-Seite zu finden", sagt Markwardt. Sie warnt, dass die Joghurt-Produkte "der Gesundheit sogar abträglich" sein können. Immerhin enthielten sie einen Zuckeranteil von bis zu 13,4 Prozent (siehe Fotostrecke) - und damit mehr als Cola.
Danone-Sprecher Knaut kontert, der Verbraucher könne Activia auch als Naturjoghurt ohne Zuckerzusatz erwerben. Zudem sei der Zuckergehalt auf jeder Packung ausgewiesen, jeder Verbraucher könne sich "ein sehr genaues Bild machen".
Mit Material von AFP
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