Erotik, Schoko, Bastelset Der Hype um den Adventskalender

Einst reichte ein Stück Kreide, später kam ein wenig Schokolade dazu. Doch mittlerweile kann man für Adventskalender geschmeidige 45 Euro ausgeben. Geht´s noch? Wir haben uns das Bohei um die Vorweihnachtszeit mal näher angesehen.

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Früher brauchte es für einen Adventskalender nicht viel. Im 19. Jahrhundert reichte ein Stück Kreide. Damit wurden 24 Striche an die Wand oder in den Spielschrank gemalt und Kinder durften jeden Tag einen Strich wegwischen. Um 1900 herum kamen dann die gedruckten Adventskalender auf. Erst wurden noch Bilder auf nummerierte Felder geklebt. Später kamen dann Türchen zum Öffnen - zunächst noch mit Bildchen dahinter, bald aber auch mit Schokolade.

Heutzutage sind Schokokalender Massenware. Im vergangenen Jahr wurden laut dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie 4500 Tonnen Schokolade für Adventskalender verarbeitet.

Was haben diese Dinge gemeinsam?

Lisa Meinen
Eine Umfrage des GfK Vereins für SPIEGEL ONLINE zeigt, wie sehr sich Adventskalender innerhalb der Weihnachtsbräuche etabliert haben. Von mehr als 1000 Befragten planen fast 75 Prozent einen Kalender in der Vorweihnachtszeit fest ein. Die Erhebung zeigt: Auch viele Erwachsene wollen im Advent täglich ein Türchen öffnen. Und die Kunden sind bereit, einen höheren Betrag dafür zu zahlen. Mehr als die Hälfte der Befragten investiert mehr als elf Euro pro Kalender. (Klicken Sie auf die folgende Fotostrecke, um die detaillierten Ergebnisse der Umfrage zu sehen.)

Grund genug also, sich aus dem riesigen Angebot an Kalendern einige Exemplare herauszupicken. Wir haben zwölf Adventskalender gekauft, geöffnet und geschaut, ob sie ihr Geld wert sind und wem sie gefallen könnten.

Für unseren Test haben wir zwölf Adventskalender ausgesucht. Klicken und schauen Sie sich durch die ersten sechs Kalender. Wenn Sie am Computer-Bildschirm lesen, können Sie auch mit der Navigationsleiste am Anfang des Textes zu den einzelnen Produkten springen. Für sechs weitere Kalender im zweiten Teil unseres Tests klicken Sie bitte hier. Dort können Sie auch Ihren Lieblingskalender küren.

Werkzeugkalender

Star-Wars-Kalender

Erotikkalender

Rubbelkalender

Gartenkalender

UKW-Radiokalender

 

Preis-Leistungs-Verhältnis: Mit 44,39 Euro ist der Werkzeugkalender der teuerste Adventskalender im Test. Gelegenheitsheimwerker, die ab und zu mal einen Hammer und eine Zange brauchen, können dieses Basis-Werkzeug deutlich günstiger bekommen.

Zielgruppe: Alle, die bei Nuss nicht an Essen, bei Zyklop nicht an griechische Heldensagen und bei Bits nicht nur an Datenmengen denken. Und Frauen, die ihrem Partner beweisen wollen, dass Kitsch und Funktionalität kein Widerspruch sind.

Spaßfaktor: Nur eingefleischte Bastler dürften sich über ein Türchen mit Winkelschlüssel oder Zyklop-Steckschlüsseleinsatz freuen. Alle anderen sollten über einen Zusatzkalender mit Schokolade nachdenken.

Was bleibt: Ein Werkzeug-Set mit Aufbewahrungsbox und vielen Steckschlüsseleinsätzen und Bits.

Auspacken im Zeitraffer-Video:

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Preis-Leistungs-Verhältnis: Wer ein echter Star-Wars-Fan ist, denkt wohl über 29,89 Euro nicht lange nach. Alle anderen finden Schokolade eh besser.

Zielgruppe: Eltern, die kein Problem damit haben, dass die Geschenkansprüche ihrer Kinder schon vor Heiligabend ziemlich hoch sind.

Spaßfaktor: Entweder große Begeisterung im Kinderzimmer oder großes Geheule nach der Schule, weil Kevin von der Nebenbank den C3PO geklaut hat.

Was bleibt: Lego-Spielsteine, die mühsam aus dem Staubsaugerbeutel gezupft werden müssen.

Aufbau im Zeitraffer-Video:

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Preis-Leistungs-Verhältnis: Für 6,99 Euro gibt es 24 Tage lang Erotiktipps. Kostprobe? "Verkleide Dich als Arzt oder Krankenschwester und untersuche den Körper Deines Partners zentimetergenau." Allein der Arztkittel dürfte schon so viel kosten, dass sich letztlich ein Pärchenratgeber mehr lohnt als der Kalender.

Zielgruppe: Männer und Frauen, die sich nicht trauen, ihrer Partnerin / ihrem Partner direkt zu sagen, dass es nicht mehr so läuft.

Spaßfaktor: Puh, eine anstrengende Adventszeit. Jeden Abend wartet der Partner erwartungsfroh auf das neue Türchen. Und wenn Besuch kommt, muss man das Teil entweder schnell abhängen oder sich auf dumme Sprüche gefasst machen.

Was bleibt: Die Erkenntnis, dass auch eine kleine Summe schon zu viel sein kann.


 

Preis-Leistungs-Verhältnis: Bei einem Preis von 7,50 Euro verspricht der Anbieter Sachsen Lotto bei jedem Kalender einen Gewinn - zwischen zwei Euro und 75.000 Euro.

Zielgruppe: Lotto-Spieler oder Leute, die sich vorgenommen haben, im neuen Jahr nicht mehr Lotto zu spielen und es vorher noch mal so richtig krachen lassen wollen.

Spaßfaktor: Jeden Tag wird ein Feld freigerubbelt und ein Symbol erscheint. Erst beim 24. Feld ist dann klar, welches Symbol am häufigsten auftaucht und wie hoch die Gewinnsumme ist.

Was bleibt: Entweder gute Laune oder schlechte Laune an Heiligabend. In unserem Fall meinte es die Lottofee wohl gut. Wir haben elf Rentiere freigerubbelt - das entspricht einem Gewinn von 1000 Euro. Dieses Geld wird SPIEGEL ONLINE für einen wohltätigen Zweck spenden.

Rubbeln für Gewinner im Zeitraffer-Video:

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Preis-Leistungs-Verhältnis: Wer bei 18,49 Euro auf eine hochwertige Gartenschere hofft, wird enttäuscht. Gleich hinter elf Türchen warten Samentütchen. Ansonsten Sachen wie Bindedraht und ein Anti-Mücken-Teelicht. Das sind nette Ideen, aber nichts, was leidenschaftliche Gärtner beeindrucken dürfte.

Zielgruppe: Absolute Neu-Gärtner oder Gärtner und Balkonbesitzer, die eigentlich schon alles haben, was man im Garten wirklich braucht.

Spaßfaktor: Das Überraschendste dürften Gartenhandschuhe mit Oma-Blümchenmuster sein. Samen für Basilikum, Schnittlauch, Kresse und Petersilie sind wenig originell. Aber falls dann im kommenden Jahr etwas wächst, kommt bestimmt noch mal Freude auf.

Was bleibt: Mit etwas Gärtnerglück in einigen Jahren ein selbstgezogener Tannenbaum aus einem der vielen Samentütchen.


 

Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Radio-Adventskalender kostet 9,99 Euro. Zu diesem Preis bekommt man auch bereits zusammengebaute Mini-Radios. Aber da fehlt dann eben das Erfolgserlebnis des Selbstbastelns.

Zielgruppe: Tüftler mit Geduld und geschickten Fingern.

Spaßfaktor: Mit immer mal wieder ein Türchen öffnen und an Heiligabend schnell zusammenbauen ist es nicht getan. Wer kein gelernter Radio- und Fernsehtechniker oder aber ein Naturtalent ist, sollte schon mehr Zeit einplanen.

Was bleibt: Ein hoffentlich funktionierendes Radio. Oder ein frustrierter Tüftler.

Zusammenbau einer Tagesaufgabe im Video:

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