Aus für EU-Exportsubventionen Ein Geschenk für die Geschlagenen

Die EU schafft ihre Subventionen für Lebensmittelexporte ab. Das ist richtig, doch viele Produzenten in Afrika wurden von der Brüsseler Politik bereits in den Ruin getrieben. Und die nächsten Beihilfen werden gerade auf den Weg gebracht.

Bauer in Südafrika: In drei Jahren Exporte um 625 Prozent gesteigert
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Bauer in Südafrika: In drei Jahren Exporte um 625 Prozent gesteigert

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Es ist eine kleine Sensation, die EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos am Donnerstag auf der Grünen Woche in Berlin verkündet hat: Die lange Tradition der Subventionen für die europäische Lebensmittelwirtschaft wird abgeschafft.

"Ich will keine künstliche Wettbewerbsfähigkeit mehr", sagte der Rumäne. Zwar können unter Umständen noch Ausfuhrerstattungen gezahlt werden, nicht aber für Exporte nach Afrika: "Ich bin bereit, ein für allemal auf die Erstattung für Ausfuhren in diese Entwicklungsländer vollständig zu verzichten."

Ciolos Vorstoß ist richtig, doch er kommt zu spät. Die Subventionen betragen inzwischen nur noch 147 Millionen Euro jährlich und dürfen nur im Falle einer Krise gezahlt werden. Zuvor aber haben die Hilfen über Jahrzehnte dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Landwirte zu erhalten, auch wenn sie viel zu teuer produzierten. Die Verlierer waren Bauern in Afrika. Ihre Märkte wurden beispielsweise mit Geflügelfleisch überschwemmt - zu Preisen, die sie unmöglich unterbieten konnten.

Auf diesen Missstand hatten Nichtregierungsorganisationen jahrelang weitgehend erfolglos hingewiesen. Die Importe aus der EU stiegen, die Abhängigkeit auch. Die Produzenten in Europa konnten mit den komfortablen Beihilfen ihre Mastställe und Schlachthöfe ausbauen. In den achtziger Jahren schüttete die EU jährlich mehr als 15 Milliarden Euro an Lebensmittelproduzenten aus. Die Kleinbauern in Afrika gaben reihenweise auf.

Mittlerweile ist die Fleischbranche durch andere Subventionen sowie die verstärkte Industrialisierung und Konzentration so effizient geworden, dass sie die EU-Hilfen nicht mehr benötigt. Allein der Verkauf von Hühnchenfilet im Heimatland finanziert offenbar schon das ganze Huhn. Der Rest kann auch ohne Subventionen billig exportiert werden. Allein seit 2010 hat die EU ihre Geflügelfleischexporte nach Afrika um knapp zwei Drittel gesteigert, Deutschland im gleichen Zeitraum sogar um stolze 166 Prozent. Die Nahrungsmittelindustrie der EU hat die Geflügelwirtschaft in vielen afrikanischen Ländern mit ihren Dumpingpreisen binnen weniger Jahre vernichtet. Da jetzt keine Konkurrenz mehr droht, können die Hersteller die Preise wieder anheben - die Gewinne werden üppiger.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken, hatte die Kritik an den Exporten erst vor wenigen Tagen zurückgewiesen. Drei Viertel der deutschen Agrarexporte gingen in EU-Länder, der Großteil der weiteren Exporte dagegen in "zahlungskräftige Schwellenländer".

Wirklich beruhigend ist diese Information nicht: Südafrika ist so ein zahlungskräftiges Schwellenland. Seine Geflügelindustrie entspricht weitgehend europäischen Standards und beschäftigt rund 100.000 Menschen. Weil das Land aber ein Handelsabkommen mit der EU hat, muss es Fleischimporte zollfrei einführen. Die Folge: Deutsche Schlachthöfe steigerten ihre Exporte seit 2010 um 625 Prozent - und die Branche in Südafrika steht vor dem Kollaps.

Völlig brechen will selbst der Reformer Ciolos nicht mit den alten Gewohnheiten. Als Trostpflaster für den Wegfall der Exporthilfen sollen europäische Produkte künftig unter dem Label "Made in Europe" vermarktet werden. Die entsprechenden Förderprogramme wird Ciolos bis 2020 von 60 Millionen auf mehr als 200 Millionen Euro jährlich aufstocken.

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jfkk 17.01.2014
1. Der Weltwirtschaftskrieg
Zitat von sysopREUTERSDie EU schafft ihre Subventionen für Lebensmittelexporte ab. Das ist richtig, doch viele Produzenten in Afrika wurden von der Brüsseler Politik bereits in den Ruin getrieben. Und die nächsten Beihilfen werden gerade auf den Weg gebracht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/agrarsubventionen-der-eu-werden-viel-zu-spaet-abgeschafft-a-944019.html
der von den Organisatoren, Veranstaltern und Kollaborateuren aus der amerikanischen Plutocracy und der Neuen Sozialen Marktwirtschaft so fantastisch überzeugend als Weltmeisterschaft der Exportnationen vermaktet wird, braucht nun einmal seine Opfer. Dass die steigenden Zahlen von Flüchtlingen aus den Elends- und Notstands- und Kriegsgebieten in Asien, Afrika, Südamerika, Asien und Arabien eine direkte Folge des Systems sind, dass als System der Schande, als Kannibalkapitalismus, als Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsterrorismus beschrieben wird, bedarf einer gewissen Mühe und Anstrengung, um die Mechanismen, die im Hintergrund wirken, zu identifizieren und zu erkennen. Der Trick ist aber alt. ”Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist.” - Englische Bankster, London, am 28.Juni 1863 an US-Geschäftspartner
j.vantast 17.01.2014
2. Wer
Wer kann mir denn erklären warum überhaupt Lebensmittelexporte subventioniert wurden? Die ganzen Subventionen, egal wofür, verzerren den Markt bis zur Unkenntlichkeit
muellerthomas 17.01.2014
3.
Zitat von jfkkder von den Organisatoren, Veranstaltern und Kollaborateuren aus der amerikanischen Plutocracy und der Neuen Sozialen Marktwirtschaft so fantastisch überzeugend als Weltmeisterschaft der Exportnationen vermaktet wird, braucht nun einmal seine Opfer. Dass die steigenden Zahlen von Flüchtlingen aus den Elends- und Notstands- und Kriegsgebieten in Asien, Afrika, Südamerika, Asien und Arabien eine direkte Folge des Systems sind, dass als System der Schande, als Kannibalkapitalismus, als Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsterrorismus beschrieben wird, bedarf einer gewissen Mühe und Anstrengung, um die Mechanismen, die im Hintergrund wirken, zu identifizieren und zu erkennen. Der Trick ist aber alt. ”Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist.” - Englische Bankster, London, am 28.Juni 1863 an US-Geschäftspartner
Das Zitat wird zwar hier wie auch in anderen Verschwörungsforen gerne genutzt, ist aber vermutlich falsch: http://en.wikiquote.org/wiki/Conspiracy Aber immer wieder schön, dass die Leute, die gerne behaupten, alle offiziellen Statistiken etc. seien gefälscht, manipulieren müssen, um irgendetwas zu untermauern.
Noob 17.01.2014
4. Krieg den Hütten, Frieden den Palästen
Zum Glück lassen wir die Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika im Mittelmeer ersaufen, sonst müsste man ja in der EU die Gewinne mit diesen Teilen. Aber was bejammern wir unser barbarisches Treiben, letztlich machen wir alle mit und profitieren von diesem System.
ein anderer 17.01.2014
5. ...
So läuft das Geschäftsmodell. Mit grossem Tamtam gab man Afrika Entwicklungshilfe aber hinterrücks Plünderte man den Kontinent um ein vielfaches. Und dann redet man davon, dass Entwicklungshilfe so oder so nichts nutzt. Das Bild ähnelt den von Überwachungskameras eingefangenen, wo eine Meute auch dann noch ein Opfer tritt als es schon längst am Boden liegt.
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