Düsseldorf - Die Zahl klingt unglaublich: Pharmaunternehmen haben im vergangenen Jahr 1734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben. Das teilten Behörden Anfang der Woche mit. Zwar sind die Angaben nicht genauer aufgeschlüsselt, doch der überwiegende Teil der Medikamente dürfte in der Massentierhaltung eingesetzt worden sein. Seit Monaten wird die massive Verwendung von Antibiotika kritisiert. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) versprach strengere Regeln. Nun macht sie offenbar Ernst.
Am kommenden Mittwoch will Aigner laut "Rheinischer Post" eine Gesetzesnovelle für weniger Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung vorlegen. Der Zeitung zufolge sieht der Gesetzentwurf vor, "das Risiko der Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu begrenzen". Anfang des Jahres hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in einer Stichprobe in mehr als der Hälfte von Hähnchenfleisch-Produkten gefährliche Keime gefunden. Diese können beim Menschen dazu führen, dass sich Resistenzen gegen Antibiotika bilden.
"Wir können den Einsatz von Antibiotika in Deutschland innerhalb weniger Jahre deutlich senken, wenn Länder und Bund an einem Strang ziehen", sagte Aigner der "Rheinischen Post". Schärfere Bestimmungen sollten den Einsatz von Antibiotika auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten absolut notwendige Maß zu beschränken. Aigners Entwurf sieht folgende Maßnahmen vor:
Dem BUND reicht das nicht aus. Die Tierschützer fordern, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren. In der Intensivtierhaltung würden derzeit über 40 Mal mehr Antibiotika eingesetzt als in deutschen Krankenhäusern und sieben Mal mehr als in der Humanmedizin insgesamt.
Konkrete Reduktionsziele für Antibiotika wie in Dänemark oder den Niederlanden seien dringend notwendig. Außerdem müssten die Subventionen für den Bau neuer Massentierhaltungsanlagen gestoppt und die Privilegien für industrielle Tierhaltung aus dem Baugesetz gestrichen werden.
cte/dapd/AFP
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