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13. September 2017, 07:43 Uhr

Piloten-Revolte

Air Berlin streicht erneut Flüge wegen Krankmeldungen

Ein ähnliches Desaster wie am Dienstag droht Air Berlin auch am Mittwoch. Besonders betroffen sind Berlin-Tegel und Düsseldorf. Bundesverkehrsminister Dobrindt forderte eine Rückkehr angeblich erkrankter Piloten an den Arbeitsplatz.

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat wegen Krankmeldungen zahlreicher Piloten am Mittwoch 32 Flüge gestrichen. Besonders betroffen seien der Flughafen Berlin-Tegel mit sieben und der Flughafen Düsseldorf mit fünf Ausfällen, sagte eine Sprecherin der Fluglinie am Mittwochmorgen. Die weiteren Ausfälle verteilten sich auf verschiedene Flughäfen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass im weiteren Verlauf des Mittwochs weitere Flüge gestrichen werden müssten.

Der Vorstand der Fluglinie hatte in einem internen Schreiben der Belegschaft mitgeteilt, dass "gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers" vorlägen.

"Das bedeutet, dass uns am Mittwoch ein ähnliches operatives Desaster wie heute droht. Dies wird uns noch näher an den Abgrund bringen", heißt es in dem Brief von Airline-Chef Thomas Winkelmann und seinen Vorstandskollegen Oliver Iffert und Martina Niemann.

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Kollegen krank gemeldet, mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen, unter anderem in Düsseldorf und Köln. Nach Berechnungen der Air-Berlin-Finanzabteilung habe dieser Ausfall die Fluglinie rund fünf Millionen Euro gekostet.

Unterdessen hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Rückkehr angeblich erkrankter Piloten an den Arbeitsplatz gefordert. Die Insolvenz von Air Berlin sei "eine große Belastung für alle Mitarbeiter, vor allem auch wegen der Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung der Arbeitsplätze", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung. Gerade deswegen sei es "wichtig, den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrecht zu erhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen".

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte den Zusammenhalt von Belegschaft und Unternehmen. "Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen", sagte Zypries dem Blatt.

hej/dpa/AFP

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